Gute Gründe für internationale Finanzmärkte nach der Pandemie

Dina Ting nennt drei Gründe, aus denen sie und ihr Team der Auffassung sind, dass inzwischen wieder viel für die internationalen Märkte spricht.

    Unsere Kollegin Dina Ting nennt drei Gründe, aus denen sie und ihr Team der Auffassung sind, dass inzwischen wieder viel für die internationalen Märkte spricht. Sie erläutert, wie aktuelle Marktereignisse für Anleger neue Gelegenheiten geschaffen – oder bestehende verstärkt – haben, ihre Einschätzungen zu bestimmten Ländern zum Ausdruck zu bringen.

    In den letzten zehn Jahren haben US-Aktien mit hoher Kapitalisierung (Large Cap) einen enormen Aufschwung verzeichnet, was durch den vergleichsweise robusten Kurs des US-Dollars (USD) unterstützt wurde.1 Betrachtet man allerdings das vorherige Jahrzehnt (2000–2010), stellt man fest, dass die internationalen Märkte höhere Renditen eingebracht haben.2

    Mit Blick auf die Zukunft gibt es drei Hauptgründe, aus denen wir der Meinung sind, dass es nun wieder gute Argumente für die Investition in internationale Märkte gibt:

    Niedrigere Bewertungen: Internationale Aktien werden gegenüber US-Aktien vergleichsweise niedriger bewertet.

    Konjunkturerholung: Wir sind der Ansicht, dass Länder mit einem gemäßigteren Ansatz noch von ihren Konjunkturpakete profitieren werden, dass es jedoch länger dauern wird, bis sich die Reaktion des Marktes einstellt. Darüber hinaus geben einige Länder beim Umgang mit der COVID-19-Krise ein besseres Vorbild ab als die Vereinigten Staaten (unter anderem dank klug eingesetzter Lockdowns und Test- sowie Rückverfolgungsstrategien, denen verwirrende und widersprüchliche politische Vorgaben in den USA gegenüberstehen). Anderen Staaten ist es gelungen, durch frühzeitiges Handeln die Pandemie systematisch unter Kontrolle zu bringen. Sie haben geringere Verwerfungen verzeichnet und scheinen besser in der Lage zu sein, ihren Unternehmen und Volkswirtschaften wieder auf die Beine zu helfen. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass diese Länder weiterhin wachsam bleiben und sich kontinuierlich verbessern, um dem sich weiterentwickelnden Virus zu begegnen. Unserer Auffassung nach profitieren diese Staaten nach wie vor von einer zentralisierten Strategie, die für eine nachhaltigere Erholung mit einer geringeren Gefahr von Rückschritten sorgt.

    Devisen: Auf dem Höhepunkt des COVID-19-bedingten Abschwungs war zu beobachten, wie die Flucht in die sicheren Märkte die Aufwertung des USD gegenüber vielen ausländischen Währungen vorantrieb. Insbesondere am Ende des ersten Quartals 2020 verzeichnete der USD im Verhältnis zum Brasilianischen Real (BRL), zum Südafrikanischen Rand (ZAR), zum Russischen Rubel (RUB) und zum Mexikanischen Peso (MXN) eine Aufwertung um 29 %, 28 %, 26 % bzw. 24 %.3 Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Fremdwährungen nach diesem anfänglichen Schub gegenüber dem USD erholen werden. Tatsächlich waren sowohl beim Australischen Dollar (AUD) als auch bei den entwickelten europäischen Währungen Anzeichen einer Erholung zu vermerken. Wir nehmen an, dass andere Fremdwährungen ebenfalls erste Kursgewinne verzeichnen dürften, was den internationalen Anlageaktivitäten zusätzlichen Rückenwind verleihen wird.

    GUTE GRÜNDE FÜR ALLOKATIONEN AN EINZELNE LÄNDER

    Für internationale Positionen suchen viele Anleger nach einem diversifizierten Fonds-/Anlageinstrument, das breit angelegte Marktindizes nachbildet, wie der FTSE Developed Index oder der MSCI Emerging Markets Index. Die jüngsten Marktereignisse haben jedoch neue – oder erweiterte – Möglichkeiten für Anlager geschaffen, sich zu bestimmten Ländern zu äußern, die ihrer Meinung nach besser für die Zukunft aufgestellt sein könnten. Beispielsweise treibt die COVID-19-Krise weiterhin ein Umdenken in den Lieferketten voran – mit einem stärkeren Fokus auf kürzere Lieferketten und einem geringeren Globalisierungsgrad. Dies wird wahrscheinlich zu einer anhaltend breiten Streuung der Renditen aus einzelnen Ländern führen wird.

    Die Aufspreizung internationaler Positionen ermöglicht es den Anlegern, bestimmten Ländern im Verhältnis zu ihrer jeweiligen Gewichtung innerhalb eines breit angelegten, nach Marktkapitalisierung gewichteten Index einen unterschiedlichen Stellenwert zuzuweisen. Hätte ein Anleger beispielsweise seine Position im MSCI EM Index durch eine zusätzliche 5 %-Position in Taiwan und eine entsprechende Reduzierung um 5 % seiner Poisition in Brasilien umgeschichtet, während die Allokation aller anderen Länder gleich geblieben wäre, hätte er in dem am 14. August 2020 endenden Einjahreszeitraum eine zusätzliche Performancesteigerung von 3 % verbucht.4

    Beginnen wir damit, die spezifischen Covid-19-bedingten Auswirkungen nach Themengebieten zu untersuchen und potenzielle Anlagemöglichkeiten daraus abzuleiten:

    1. Verringerung des Globalisierungsgrads
      Die Pandemie hat Mängel in den globalen Lieferketten offengelegt und Menschen und Unternehmen dazu gezwungen, ihre Prozesse zu überdenken. Viele Länder werden wahrscheinlich zu stärker geschlossenen, weniger globalen und kürzeren Lieferketten übergehen. Nicht wenige konzentrieren sich auch auf die Verbesserung der operativen Agilität, um flexibler auf die Marktturbulenzen reagieren zu können, die für die absehbare Zukunft anhalten werden.

      • Chancen: Eine sinkender Globalisierungsgrad würde bedeuten, dass lokale, inländische Lieferkettenpartner weiter entfernte Anbieter ergänzen oder ersetzen und zunemend intelligente Software-Technologien zur Optimierung der Abläufe entlang der Lieferkette eingesetzt werden.

    2. Stärere Renditestreuung über Sektoren hinweg
      Es war zu beobachten, dass sich die Pandemie in den einzelnen Sektoren und Branchen im Laufe des Jahres 2020 unterschiedlich ausgewirkt hat. Wir gehen davon aus, dass dies auch während der gesamten Erholungsphase weiterhin der Fall sein wird. So könnte die Erholung beispielsweise in den Bereichen Verbrauchsgüter, Fluggesellschaften, Energie und Gewerbeimmobilien Jahre dauern (möglicherweise auch Jahre nach einer Erholung von COVID-19) und sehr unterschiedlich aussehen, da diese Wirtschaftzweige gezwungen sein werden, sich weiterzuentwickeln.

      • Chancen: Viele Länder haben inzwischen einen stärkeren Schwerpunkt in bestimmten Sektoren. Im Hinblick auf Anlagemöglichkeiten kann diese Entwicklung eine Gelegenheit bieten, potenzielle Renditestreuungsmöglichkeiten zu identifizieren und Länder mit Nettoimporten in Betracht zu ziehen, die von der Verlagerung von der ausländischen auf die heimische Nachfrage profitieren.

    3. Digitalisierung
      Persönliche Treffen sind durch Sicherheitsvorkehrungen und Reisebeschränkungen seltener geworden, was eine schnellere Einführung sicherer digitaler Transaktionen erforderlich machte. Darüber hinaus macht es eine stärkere Digitalsierung von Informationen in einer sich täglich wandelnden Welt leichter, große Trends in der Wirtschaft und im Gesundheitswesen zu erkennen, was bei der Entwicklung von wirtschafts- und gesundheitsbezogenen Lösungen eine entscheidende Bedeutung haben wird.

      • Chancen: Software, die die digitale Unterzeichung von Verträgen, Finanzunterlagen und anderen Rechtsdokumenten erleichtert, ist heute wichtiger denn je. Außerdem besteht eine erhöhte Nachfrage nach digitalen Lösungen zur medizinischen Versorgung, die Gesundheitsdaten bündeln und übermitteln können. Zu guter Letzt hat schließlich der Bereich elektronische Zahlungen aufgrund des Bedarfs an kontaktlosen Transaktionen bereits einen starken Nachfragezuwachs verzeichnet.

    4. Erzwungene Innovation
      Einige der sich gerade vollziehenden Neuerungen wurden durch die aktuelle Situation erzwungen, doch ihre Auswirkungen könnten paradoxerweise langfristiger Natur sein. Entwicklungen, die bislang unwahrscheinlich erschienen, wie die Remote-Arbeit bei bestimmten Funktionen, haben sich inzwischen nicht nur als machbar, sondern auch als effektiv erwiesen.

      • Chancen: Diese neuen Gegebenheiten in der Arbeitswelt haben unübersehbare Auswirkungen auf die für Remote-Arbeit erforderliche Arbeitsausrüstung und Cloud-Computing-Technologien. Doch es sind auch indirekte Folgen für Büroimmobilien, Restaurants, die Lebensmittellieferette und den Dienstleistungssektor im Allgemeinen zu beobachten. Insofern halten wir es für möglich, dass Online-Handelsplattformen und Technologien, die eher ein „B2C“-Modell fördern, nach Covid-19 weiter florieren werden.


    DIE VORTEILE DER AUFKOMMENDEN THEMEN NUTZEN, DIE NACH COVID-19 DIE ENTWICKLUNGEN IN DEN EINZELNEN LÄNDERN PRÄGEN

    Wenn nach der Pandemie die Lockdowns aufgehoben werden und die Wirtschaft versucht, wieder zur „Normalität“ zurückzukehren, wird unserer Einschätzung nach nicht alles wieder beim Alten sein. In den Lieferketten, bei den Arbeitskräftebewegungen und hinsichtlich diverser politischer Strategien haben sich große Verschiebungen vollzogen, die dazu führen werden, dass die Entwicklungen der einzelnen Länder sich künftig noch stärker voneinander unterscheiden werden. Interessanterweise liegen die meisten Staaten, in denen wir positive Ergebnisse erwarten, in Asien – das gilt insbesondere für Südkorea und Taiwan. Zum Teil ist dies auf die früheren Erfahrungen dieser Länder mit der Überwindung der Folgen von SARS zurückzuführen. Diese Staaten profitierten auch von relativ stabilen Fremdwährungskursen gegenüber dem USD.

    Südkorea

    • Der FTSE South Korea RIC Capped Index verfügt über eine große Allokation im Technologiesektor (37 %), einem der Hauptnutznießer der Pandemie.5
    • Exportiert in großem Stil nach China, könnten aufgrund des Trends zur Verkürzung der Lieferkette von asiatischen Nachbarn profitieren.
    • Zukunftsweisende Handhabung von COVID-19 mit Kontaktverfolgungstechnologie.
    • Wird wahrscheinlich von der Umstrukturierung vieler Chaebols (koreanische Konglomerate mit komplexen Wechselbeziehungen) profitieren, was den Weg für eine bessere Governance ebnen könnte.

    Taiwan

    • Der FTSE Taiwan RIC Capped Index verfügt über eine große Allokation im Technologiesektor (42 %), einem der Hauptnutznießer der Pandemie.6
    • Zählt zu den weltweit führenden Ländern bei der Handhabung von COVID-19.
    • Starke Verbindungen zu US-Technologie.
    • Hochentwickelte Fertigungskapazitäten, die gut an die sich wandelnde Lieferkette angepasst sind.


    Sieht man von Asien einmal ab, könnte unserer Auffassung nach die Schweiz im Kontext von COVID-19 eine Führungsrolle übernehmen, da sie aufgrund ihres Rufs als neutraler und sicherer Markt Handelsskonflikten und politischen Risiken nur minimal ausgesetzt ist. Die Benchmark des Landes, der FTSE Switzerland RIC Capped Index, weist zudem übergewichtete Positionen im Verteidigungssektor auf (über 50%).7

    Abschließend sind wir der Meinung, dass die Allokation auf ein einziges Land den Anlegern die Möglichkeit bieten kann, ihre Portfolios auf durchdachte Weise neu auszurichten und Allokationen bestimmten Ländern zuzuweisen, die ihrer Meinung nach wahrscheinlich besser abschneiden werden, während die Welt noch auf der Suche nach dem neuen „Normalzustand“ ist.


    Welche Risiken bestehen?

    Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

    Die Anlage im Ausland ist mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Anlagen in Entwicklungsländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse weitere Faktoren vorliegen, wie ein erhöhtes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität, Handelsbarrieren und Devisenkontrollen, werden die mit Entwicklungsländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt.

    1. Quelle: Bloomberg, August 2020. Vom 31.12.2010 bis zum 14.08.2020 lag die Rendite des S&P 500 Index bei 227,5 %, während sich die Rendite des MSCI ACWI ohne US-Index auf 40,53% belief. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter franklintempletondatasources.com.

    2. Quelle: Bloomberg, August 2020. Vom 29.12.2000 bis zum 31.12.2010 betrug die Rendite S&P 500 Index (SPX) 15,07 %, während sich die Rendite des MSCI ACWI ohne US-Index auf 71,53% bezifferte. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

    3. Quellen: The World Markets Company, Reuters, August 2020.

    4. Indizes werden nicht gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

    5. Quelle: Bloomberg, August 2020. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

    6. Quelle: Bloomberg, August 2020. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

    7. Quelle: Bloomberg, August 2020. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.Sources: The World Markets Company, Reuters, August 2020.