Volatilitätseffekte machen sich an den Märkten bemerkbar

Volatilitätseffekte machen sich an den Märkten bemerkbarApr 5, 2018

Die seit Anfang Februar verzeichneten Marktschwankungen haben Anleger eindringlich daran erinnert, dass die Volatilität jederzeit sprunghaft ansteigen kann. In diesem Beitrag untersucht Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfolio Manager bei Franklin Templeton Multi-Asset Solutions, die Auswirkungen dieses Volatilitätsereignisses und richtet seine Aufmerksamkeit auf die Konsequenzen für Multi-Asset-Anlagen.

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Als die Märkte Anfang Februar dieses Jahres aus einer langen Phase sehr niedriger Volatilität erwachten, waren die Auswirkungen auf Aktien sofort zu spüren.

Der S&P 500 Index brach ein, und am 5. Februar verbuchte der häufig auch als Gradmesser für die Angst angesehen CBOE Volatility Index[1] (VIX Index) den stärksten jemals verzeichneten prozentualen Anstieg an einem Tag. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass diese dramatische Entwicklung nicht allein als technischer Abverkauf angesehen werden sollte, sondern als Ereignis, dem fundmentale treibende Kräfte zugrunde liegen.

Fundamentaldaten der Wirtschaft und Unternehmen stützen Aktien weiterhin

Auf Basis unserer aktuellen Analyse sehen wir weiterhin synchrones globales Wachstum und günstige Fundamentaldaten von Unternehmen. In den USA waren beispielsweise die Auswirkungen der kürzlich verabschiedeten Steuersenkungen in der Praxis bislang noch nicht zu spüren, auch wenn sie möglicherweise bereits zu Beginn des Jahres in den Marktbewertungen eingepreist wurden.

Die Zentralbanken lassen zwar Anzeichen dafür erkennen, dass sie von ihren Anreizmaßnahmen Abstand nehmen wollen, wir sind jedoch davon überzeugt, dass die Konjunktur und Wachstumspapiere wie Aktien auf breiterer Basis weiterhin durch die Finanzlage gestützt werden.

Tief verwurzelte Verhaltensweisen sind etwas weniger ausgeprägt

Rund sieben Wochen nach dem ursprünglichen Anstieg der Volatilität ergreifen die Märkte anscheinend nur zögerlich die Gelegenheit, die sich ihnen durch diese Kursverluste geboten hat. Die tief verwurzelte, schon beinahe reflexhafte Verhaltensweise, auf Kursverluste mit Zukäufen zu reagieren, hat bisher noch nicht viele Märkte dazu veranlasst, den Kursrückgang vollständig zu korrigieren. Einige Indizes befinden sich noch immer in der Nähe ihrer im Februar erreichten Tiefstände. High-Yield-Unternehmensanleihen sind weiterhin unter Druck.

Und auch die Volatilität ist nach wie vor etwas höher als in den letzten Jahren. Das überrascht uns nicht sonderlich. Wir sind zwar davon ausgegangen, dass irgendwann eine Normalisierung einsetzen würde, konnten allerdings nicht voraussagen, wann genau dies der Fall sein würde und welcher Katalysator die Entwicklung auslösen würde.

Eine – wenn auch allmähliche – Abwendung von der unkonventionellen Geldpolitik wird voraussichtlich dazu führen, dass die Zentralbanken nicht länger zu den Antriebskräften zählen, die ausschlaggebend dafür waren, dass sich die Marktvolatilität auf einem derart niedrigen Niveau befand.

Die von Handelskriegen und negativen politischen Folgen ausgehenden Gefahren sind noch nicht gebannt

Im Laufe des vergangenen Jahres haben die Märkte den regelmäßigen Meldungen über geopolitische Auseinandersetzungen scheinbar immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht sind wir kollektiv abgestumpft. Damit ließen sich möglicherweise die Zurückhaltung der Märkte bezüglich der Aussichten auf eine Entschärfung der globalen Spannungen (man denke zum Beispiel an Nordkorea) oder das verhaltene Interesse hinsichtlich der Bildung einer italienischen Regierung erklären.

Allerdings schenken die Märkte den Risiken, die im Zusammenhang mit einer Ausweitung der protektionistischen politischen Maßnahmen seitens der USA sowie einem möglichen umfassenderen Handelskrieg mit China bestehen, zumindest gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit.

Die Trump-Regierung in den USA hat deutlich gemacht, dass Handel für sie oberste Priorität hat. Wir werden abwarten, wie weit China auf die jüngste Einführung von Zöllen auf chinesische Stahl- und Aluminiumimporte reagiert. Im Allgemeinen erkennen wir jedoch an, dass die Zölle recht gering sind. Vor allem aber ist China in den letzten Jahren weniger abhängig von den USA als Exportziel geworden, und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen dürfte.

Für die Zukunft dürften neue Höchststände der Aktienmärkte und eine erhöhte Volatilität zu erwarten sein

Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen halten wir es für durchaus möglich, dass die Aktienmärkte in diesem Jahr neue Höchststände erreichen werden. Aber auch die Volatilität dürfte sich auf einem höheren Niveau bewegen als wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt sind.

Angesichts des weltweit günstigen wirtschaftlichen Umfelds bleiben wir vorsichtig optimistisch, was die Aussichten für Wachstumspapiere betrifft. Selbst bei Berücksichtigung der jüngsten Marktvolatilität erscheinen uns die Aktienbewertungen auf Grundlage der Kurs-Gewinn-Verhältnisse[2] in Industrieländern recht hoch, und auch im Vergleich zu ihrem historischen Durchschnitt sind sie als erhöht einzustufen. Sofern die Fundamentaldaten dieser Anlagen nicht deutlich an Attraktivität verlieren werden, ist das Ertragspotenzial aus Aktien unserer Ansicht nach attraktiver als dies für Staatsanleihen der Industrieländer der Fall ist.

Die im Februar und März verzeichneten Volatilitätsereignisse könnten jedoch nachhaltige Auswirkungen auf die Portfoliopositionierung langfristig orientierter Anleger haben.

Sämtliche Anpassungen im Zusammenhang mit einer höheren potenziellen Volatilität könnten dazu führen, dass das Gleichgewicht innerhalb von Multi-Asset-Portfolios verloren geht. Ähnlich könnte es sich auch mit höheren Anleiherenditen verhalten, die möglicherweise die Nachfrage nach Anlagen beflügeln, die langfristigere Verbindlichkeiten besser decken. Derzeit konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit weiterhin auf defensive Maßnahmen zur Absicherung gegenüber Volatilität sowie auf Gelegenheiten, uns Wachstumschancen zunutze zu machen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück.  Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Ein weiterer EU-Austritt oder eine entsprechende Vermutung könnte zusätzliche Turbulenzen an den globalen Märkten verursachen und erneut Rechtsunsicherheit bewirken.

[1] Der CBOE-Marktvolatilitätsindex misst die Markterwartungen zukünftiger Volatilität anhand der Optionspreise auf dem S&P 500-Aktienindex. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

[2] Das KGV ist eine Bewertungskennzahl. Es wird berechnet, indem der Marktpreis einer Aktie durch den Jahresgewinn je Aktie des Unternehmens geteilt wird.