Innovationen treiben Biotechnologie an wie nie zuvorSep 27, 2018

Evan McCulloch von der Franklin Equity Group erklärt, warum der global weiter steigende Arzneimittelbedarf und die hohen Gesundheitsausgaben der Biotechnologie- und Gesundheitsbranche weiter Aufwind bieten. Zudem kommentiert er die wichtigsten medizinischen Durchbrüche der letzten Monate, die seiner Meinung nach das zukünftige Wachstum dieser Branchen ankurbeln dürften.

New Innovation Spurring a Biotech Rejuvenation

Seit Erreichen ihres Rekordhochs im Juli 2015 ist es Biotech-Aktien, gemessen am NASDAQ Biotechnology Index, nicht gelungen, mit der Entwicklung des S&P 500 Index mitzuhalten.1 Der Biotechnologieindex hat sich gegenüber seinen im November 2016 verzeichneten Tiefstständen erholt, die Aktien des Sektors bleiben aufgrund von Sorgen über die Möglichkeit einer strikteren Gesetzgebung zur Regulierung der Arzneimittelpreise in den USA jedoch unter Druck.

Wie wir bereits in einem früheren Artikel angeführt hatten, hat der Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen Ende 2016 zu einer Erholung von Biotech-Aktien im Jahr 2017 beigetragen. Im Juli 2018 äußerte Trump jedoch erneut seine Unzufriedenheit mit den hohen Preisen verschreibungspflichtiger Medikamente und kündigte an, sich darum kümmern zu wollen. Unserer Einschätzung nach nimmt der politische Druck hinsichtlich einer Regulierung der Preise verschreibungspflichtiger Arzneimittel nicht ab, vor allem angesichts der im November anstehenden Midterm-Wahlen in den USA.

Trotz der politischen Unsicherheit in den USA erscheint uns der langfristige Ausblick für sowohl den Biotechnologiesektor als auch die globale Gesundheitsbranche insgesamt robust. Unserer Einschätzung nach profitiert die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen von demografischen Trends, weitläufigen Innovationen und medizinischen Durchbrüchen.

Demografische Entwicklung stützt die Biotechnologiebranche

Wir sehen mehrere allgemeine Trends, die der globalen Biotechnologiebranche langfristig den Rücken stärken. Einer davon betrifft die demografische Entwicklung. Dank des medizinischen Fortschritts leben auf unserer Welt heute mehr Menschen im Alter von über 65 Jahren als je zuvor, vor allem in den Industrieländern, wie die nachfolgend abgebildete Karte zeigt.

Ageing Global Population Driving Health Care Demand

Die demografische Entwicklung hat einen erheblichen Einfluss auf die Ausgaben im Gesundheitswesen. Angesichts der zunehmenden Alterung der Weltbevölkerung liegt es klar auf der Hand, dass ältere Menschen als Gruppe von Natur aus mehr Medikamente einnehmen und mehr Geld für medizinische Leistungen ausgeben als die jüngeren Generationen.

Wie die nachfolgende Grafik zeigt, geben ältere Menschen über 65 Jahre im Vergleich zu Menschen in den Altersgruppen zwischen 20 und 40 mehr als doppelt so viel für verschreibungspflichtige Medikamente und die Gesundheitsversorgung aus. Diese höheren Ausgaben sind vor allem darauf zurückzuführen, dass Medikamente zur Behandlung von chronischen Erkrankungen – etwa gastro-ösophagealer Refluxerkrankungen, Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel und anderen typischerweise mit dem hohen Lebensalter verbundenen Beschwerden – bei den Verschreibungen für ältere Menschen dominieren.

People Spend More on Health Care as They Age

Wir gehen davon aus, dass die vermehrte Arzneimittelverwendung und höheren Gesundheitsausgaben aufgrund der alternden Weltbevölkerung zu einem langfristig günstigen Nachfrageklima für die Pharma- und Biotechnologiebranchen führen.

Zudem beobachten wir eine steigende Anzahl an Arzneimittelzulassungen durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. Dies belebt den Biotechnologie-Bereich, der auf neue Arzneimittelinnovationen setzt, um das Wachstum voranzutreiben.

Unseres Erachtens scheint sich die FDA mehr denn je zuvor verpflichtet zu sehen, Patienten kritische neue Medikamente durch die Förderung von klinischen Tests und beschleunigte Verfahren bis zur endgültigen Zulassung schnell zugänglich zu machen. Im Jahr 2017 haben sich die jährlichen FDA-Zulassungen gegenüber dem relativ niedrigen Niveau von 2016 mehr als verdoppelt, wie die nachfolgende Grafik zeigt. Seit Jahresbeginn wurden bereits 34 Medikamente durch die FDA zugelassen (Stand: 30. August), was darauf hindeutet, dass auch 2018 zahlreiche FDA-Zulassungen erfolgen werden.

New Drug Innovation Is Key to Biotech Sector Growth

Umfassende Innovationen und Durchbrüche

In den letzten Jahren haben medizinische Fortschritte und Durchbrüche in der Arzneimittel- und Gesundheitstechnologie ein beispielloses Niveau erreicht. Wir gehen davon aus, dass dieser potenziell lange Innovationszyklus andauern wird.

Modernste Innovationen spiegeln die exponentiellen Entwicklungsschritte wider, die wir heute in der Gesundheitsforschung und -entwicklung (F&E) erleben, sowie unser rasant zunehmendes Verständnis der Humanbiologie.

Die erste Sequenzierung des menschlichen Genoms im Jahr 2000 war ein bedeutendes Ereignis. Seitdem sind die Kosten für die Sequenzierung des menschlichen Genoms deutlich gesunken. Wenn die Preise sinken und die Gensequenzierung präziser wird, wird sich das genetische Screening wahrscheinlich weiter durchsetzen und eine breite Akzeptanz finden.

Wir sind davon überzeugt, dass wir uns einem Punkt nähern, an dem Menschen Krebs durch einen einfachen Bluttest diagnostizieren und bestätigen können, da medizinische Wissenschaftler nun in der Lage sind, die krebsartige DNA zu verfolgen, die durch Tumore in der Blutbahn ausgeschieden wird. Das dürfte unserer Einschätzung nach die nächste Stufe der Krebsvorsorge sein, bei der Krebs mithilfe von Bluttests frühzeitig erkannt wird, bevor die Symptome auftreten.

Fortschritte in der DNA-Sequenzierung haben auch die Anzahl der molekularen Targets für spezialisierte Therapien erhöht sowie die Diagnose und Behandlung von Krankheiten verbessert. Ebenso hat die Sequenzierung des menschlichen Genoms viele neue Ansätze eröffnet, wie die Gentherapie, bei der neues genetisches Material viral in die Zellen eines Patienten eingebracht wird, um ein fehlendes oder defektes krankheitsverursachendes Gen im Körper zu korrigieren.

Ein weiterer spannender und innovativer Bereich innerhalb der Biotechnologie ist die Genbearbeitung, bei der genetische Mutationen korrigiert werden. Im Gegensatz zur traditionellen Gentherapie zielen Genbearbeitungstechnologien darauf ab, defekte krankheitsverursachende Gene direkt zu reparieren. Dabei werden DNA-Stränge an einer bestimmten Stelle abgeschnitten, sodass Wissenschaftler ein unerwünschtes Gen durch ein korrigiertes Gen ersetzen können.

Obwohl Genbearbeitungsmechanismen das Potenzial haben, sowohl genetische als auch nicht-genetische Krankheiten wie HIV zu korrigieren, steckt ihr therapeutischer Einsatz beim Menschen noch in den Kinderschuhen und es muss noch viel getan werden, um die Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten.

In anderen Bereichen ermöglichen bahnbrechende Entwicklungen in der medizinischen Wissenschaft eine hochgradig personalisierte Medizin. Personalisierte Medizin zielt darauf ab, die jeweiligen Patienten ganz individuell mit den geeigneten Medikamenten und Therapien zu behandeln.

Insgesamt erleben wir derzeit bedeutende Innovationen in der Gentherapie, der Gentechnik, der Onkologie und in anderen Bereichen, die die Kraft des körpereigenen Immunsystems zur Krebsbekämpfung nutzen. Wir halten die Aussichten für Genomik im Allgemeinen für äußerst interessant, und wir glauben, dass die Gensequenzierung ein zentraler Weg sein wird, um in Zukunft Medizin, Behandlung und Heilmittel bereitzustellen.

Folgen für Anleger

Trotz der vielfältigen Anlagechancen, die wir bei Biotechnologie-Aktien sehen, halten wir an unserem disziplinierten und äußerst selektiven Anlageansatz fest. Wir setzen fundamentales Bottom-up-Research ein, um gezielt Biotech-Unternehmen auszuwählen, die sich durch konkurrenzfähige Profile, attraktive Marktchancen und starkes geistiges Eigentum auszeichnen. Im Rahmen dieses Ansatzes erweitern wir unsere Einzeltitelanalysen und kompromisslosen Methoden zur Titelauswahl durch Erkenntnisse des vielfältigen und sehr erfahrenen Researchteams von Franklin Templeton.

Letztendlich sind wir bestrebt, Biotech-Unternehmen mit hohem Potenzial zu identifizieren und in sie zu investieren. Unser Ziel ist es, in Unternehmen zu investieren, die nachweislich klinische Vorteile bieten und einen bislang ungedeckten medizinischen Bedarf abdecken können. Wenn es für ein Medikament keinen Ersatz gibt, es das Leben der Menschen verändern und verbessern kann und ihnen ein längeres Leben ermöglicht, werden die Menschen dafür bezahlen.

Unserer Einschätzung nach beginnen wir gerade erst, die Vorteile der biotechnologischen Fortschritte der letzten 10 bis 15 Jahre zu nutzen. Angesichts der kontinuierlichen F&E-Ausgaben, neuen Wirkstoffentwicklungen und sonstigen wissenschaftlichen Durchbrüchen in jüngster Zeit sind wir überzeugt, dass in den kommenden Jahren eine enorme Chance für die Biotech-Branche besteht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Ein Portfolio, das sich auf nur einen Sektor konzentriert, ist mit Risiken verbunden, unter anderem Patentrisiken, Produkthaftung, staatliche Regulierungsvorschriften und Zulassung neuer Medikamente und Medizinprodukte. Viele Biotechnologieunternehmen sind klein und/oder relativ jung. Kleinere Unternehmen können besonders anfällig für Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein und haben weniger sichere Wachstumsaussichten als größere, besser etablierte Unternehmen und können insbesondere auf kurze Sicht volatil sein. Anlagen in ausländische Unternehmen können besondere Risiken mit sich bringen, darunter Währungsschwankungen und politische Unsicherheit.

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[1] Quellen: Nasdaq; S&P Dow Jones-Indizes, Stand: 18. September 2018. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten und Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unterwww.franklintempletondatasources.com.