US-Aktienmarkt: Wird es ewig so gut laufen?Nov 10, 2018

Der Anstieg des US-Aktienmarktes legte im Oktober eine Pause ein, da die Anleger steigende Zinssätze, langsameres weltweites Wachstum und die ständige Frage: „Wird es ewig so gut laufen?“ zu verdauen hatten. Da viele Anleger für die Zukunft Turbulenzen erwarten, gibt uns Grant Bowers von der Franklin Equity Group seine Einschätzung zu US-Aktien und zur Konjunktur und erläutert, wie langfristige Investments in einem volatilen Markt im Fokus bleiben können.

Auch wenn es im Oktober einige Schwankungen gab, ist für uns nicht ersichtlich, warum der Markt vom Kurs abkommen sollte. Doch je länger die Haussephase dauert, desto eher stellen sich die Anleger die Frage: „Wird es ewig so gut laufen?“

Zwei Säulen, die für Zuversicht sprechen

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sind wir bei unserem US-Marktausblick weiterhin optimistisch. Bei der Betrachtung der Motoren für die US-Unternehmen und die Wirtschaft generell erkennen wir zwei Hauptsäulen: Unternehmen und Verbraucher. Beide sind aus unserer Sicht weiter gesund.

US-Unternehmen erwirtschaften weiterhin ein höheres Gewinnwachstum als ihre weltweiten Pendants, während die Arbeitslosigkeit im Inland niedrig und das Verbrauchervertrauen hoch ist und die Löhne allmählich steigen. Wir halten den Abverkauf bei Aktien im Oktober nicht für den Vorboten einer breiteren wirtschaftlichen Rezession, sondern eher für eine Neujustierung, da der Markt das sich ändernde globale Umfeld bewertet.

Mit dem jüngsten Abverkauf fielen die Bewertungen und sind aus unserer Sicht nun auf einem Niveau, bei dem das Investmentumfeld korrekt widergespiegelt wird. Robuste Gewinne in Verbindung mit dem Kursrückgang zuvor in diesem Jahr zeigen uns, dass es um das Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht so schlecht bestellt ist.[1]

Wirtschaftswachstum, Gewinnmargen und Aktienrenditen sind in den USA nach wie vor deutlich höher als im Rest der Welt.

Die Inflation in den USA zieht leicht an, erscheint jedoch relativ fest verankert. Das Wachstum ist robust, aber nicht zu schnell. Wir erkennen keine Anzeichen für die Ungleichgewichte oder Exzesse bei Krediten, die häufig zu einer Überhitzung führen.

Unser Ansatz für den Bullenmarkt in der späten Phase des Zyklus

Wir sehen keinen großen Unterschied zwischen Investments an dem jetzigen Bullenmarkt in seiner Spätphase und anderen Phasen. Wir legen den Fokus weiterhin auf den Aufbau eines Portfolios aus Aktien, die nach unserem Dafürhalten von mehrjährigen, langfristigen Wachstumsthemen oder Innovation profitieren dürften.

Wir nehmen eine langfristige Perspektive ein und nutzen unser Bottom-up-Research für die Identifizierung von Unternehmen, die dominante Marken oder Lizenzen sowie kompetente Manangementteams und solide finanzielle Erträge haben.

Demnach umfasst unsere Analyse nicht bloß den aktuellen Zyklus; wir betrachten den Ausblick eines potenziellen Investments für die nächsten 5-10 Jahre.

Als langfristig orientierte Anleger versuchen wir stets, kurzfristige Marktturbulenzen auszublenden und Sektoren oder Unternehmen zu erkennen, die von den breiten Wachstumstrends der nächsten Jahre profitieren.

Wir suchen langfristige Wachstumsstorys, die etablierte Unternehmen umwälzen und die wichtigsten Bedürfnisse von morgen abdecken.

Suche nach Disruption und Innovation

Wir möchten an den Veränderungen von heute partizipieren, die die Welt von morgen formen werden. Solche Wachstumstrends entstehen häufig durch umwälzende Technologien, Innovationen, sich verändernde Verbrauchergewohnheiten oder demografische Entwicklungen.

Hierzu gehören z. B. auch demografische Aspekte, Digitalisierung, einschließlich E-Commerce und Cloud, sowie künstliche Intelligenz.

Insbesondere in den nächsten Jahren dürfte es in den Sektoren Technologie und Gesundheit zu enormen Veränderungen kommen.

Unser positiver Ausblick für Technologie und Gesundheit

Im Technologiesektor ist weiter mit hohen Investitionen zu rechnen, da viele Unternehmen erkannt haben, dass sie auf Technologie nicht verzichten können, wenn sie am globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Neue Software, Fabrikautomation und Datenanalytik können die Produktivität steigern und die Produktionskosten senken, was Wettbewerbsvorteile mit sich bringt.

Internetsicherheit, Software as a Service (SaaS), Cloud Computing, digitale Zahlverfahren, Mobilität und intelligente Geräte sind nur einige der Technologiebereiche, die unser Interesse geweckt haben.

Gleichermaßen schätzen wir den langfristigen Ausblick für den Gesundheitssektor weiterhin positiv ein. Wir gehen davon aus, dass die weltweite Alterung der Bevölkerung zu einer höheren Nachfrage nach Gesundheitsdiensten sowie verbesserten Therapien und Medikamenten führen wird.

Zusammen mit Innovationen bei der Medikamentenentwicklung und in der Medizintechnik lässt auch diese demografische Entwicklung zahlreiche potenzielle Anlagechancen entstehen.

Insgesamt bleibt unser langfristiger Ausblick für die Sektoren Technologie und Gesundheitswesen weiterhin positiv. Auch wenn beide Sektoren traditionell immer wieder kurzfristige Volatilitätsphasen erleben, schaffen diese für viele Anleger häufig attraktive Kaufgelegenheiten.

Weitere Einschätzungen von Grant Bowers zum US-Markt und seine Gedanken zu den drei größten Risiken und zur Debatte „Growth“ versus „Value“ erhalten Sie in dieser Folge unseres Podcasts Talking Markets.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Ein Investment in schnell wachsende Branchen, einschließlich Technologie (die in der Vergangenheit eine hohe Volatilität aufwiesen), können zu größeren Kursschwankungen führen, insbesondere kurzfristig, da sich die Produkte dort sehr schnell wandeln. Außerdem werden sie durch Entwicklungen und Veränderungen in der staatlichen Regulierung von Unternehmen beeinflusst, die den wissenschaftlichen oder technologischen Fortschritt fördern. Substanztitel können manchmal nicht die erwarteten Kursanstiege erzielen oder weiter an Wert verlieren. Die Kurse von Wachstumsaktien beruhen auf Prognosen für künftige Gewinne oder Umsätze und können daher erheblich sinken, wenn das betreffende Unternehmen diese Prognosen nicht erfüllt.

[1] Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Bewertungskennzahl. Es wird berechnet, indem der Marktpreis einer Aktie durch den Jahresgewinn je Aktie des Unternehmens geteilt wird.