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Bei der zweiten Runde der französischen Parlamentswahl ist die extreme Rechtspartei Rassemblement National (RN) überraschend gescheitert, sie landete mit 143 Sitzen auf dem dritten Platz, obwohl sie vor den Wahlen in den Umfragen führte. Der Sieger ist mit 182 Sitzen das weit links positionierte Bündnis Nouveau Front Populaire (NFP); das zentristische Bündnis Ensemble von Präsident Emmanuel Macron sicherte sich mit 168 Sitzen den zweiten Platz.

Die Mitte-Rechts-Partei Les Républicains (LR) gewann 45 Sitze, während die Rechtspartei La Droite (LD) 15 Sitze erhielt. Die Linkspartei La Gauche (LG) konnte 13 Sitze auf sich vereinen, die zentristische Partei Le Centre bekam sechs Sitze. Die verbleibenden fünf der 577 Sitze der Nationalversammlung entfielen

Wahlen zur französischen Nationalversammlung 2024 – Aufschlüsselung der Sitze

Source: French Ministry of the Interior, as at 8 July 2024.

Macrons Schritt zur Eindämmung der extremen Rechten hat sich ausgezahlt

Macrons machiavellistischer Plan, nach dem starken Abschneiden des RN bei den Wahlen zum Europaparlament im Juni überraschend vorgezogene Neuwahlen auszurufen, scheint aufgegangen zu sein. Wir haben dieses Thema auch in einem Artikel behandelt, der vor den Wahlen erschienen ist: French Snap Elections: Machiavellian or Tete Brûlée.

Der Ruf nach einer republikanischen Front, die gegen extremistische Parteien aufsteht, scheint gehört worden zu sein: Wieder einmal war bei der Wahl in Frankreich ein Schulterschluss zu beobachten.
Die intensive Woche des Gerangels der politischen Parteien vor der zweiten Wahlrunde, in der sich verschiedene Kandidaten der Mitte und der Linken aus taktischen Gründen aus dem Rennen zurückzogen, um die Chancen eines Wahlsiegs des rechtsextremistischen RN zu verringern, hat sich ausgezahlt.

Ein Mangel an klarer Führung

Jean-Luc Mélenchon, der Vorsitzende des siegreichen linken NFP, hat eine Koalition mit Macrons Bündnis Ensemble ausgeschlossen. Dies könnte die Linkspartei LG, die rechts der Mitte positionierten LR und die Rechtspartei LD dazu bewegen, Bündnisse einzugehen und/oder eine Regierungskoalition mit dem zentristischen Bündnis Ensemble zu schließen. Am Ende könnte sich dies als Best-Case-Szenario für Macron erweisen, nachdem sich seine Partei vor diesen Wahlen in einer ziemlich heiklen Lage befunden hatte.

In jedem Fall hat Frankreich nun ein gespaltenes Parlament, keine Partei hat in der Nationalversammlung die absolute Mehrheit. Das heißt, dass am Ende Koalitionen gebildet werden müssen, um konkrete politische Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Anders als in Zeiten einer Cohabitation, bei der die klare Mehrheit im Parlament eine Partei hat, die in Opposition zum französischen Präsidenten steht, könnte diese gespaltene Nationalversammlung im schlimmsten Fall zu politischer Apathie führen. Auf jeden Fall wird die politische Entscheidungsfindung verlangsamt.

Marktfeindliche politische Vorstöße könnten es im Parlament schwer haben

Der Markt könnte sich zunächst Sorgen machen, dass der Sieg der Linken negativ für die französische Wirtschaft sein wird, denn das siegreiche linke Lager plant eine Erhöhung der Staatsausgaben und hat politische Initiativen vorgestellt, die höhere Lohnkosten für Unternehmen bedeuten würden. Wir möchten jedoch betonen, dass die Linke nicht die absolute Mehrheit erreicht hat. Somit hat sie keine Kontrolle über das Parlament und wird es daher schwer haben, Unterstützung für allzu aggressive politische Maßnahmen zu finden. Daher halten wir es für unwahrscheinlich, dass Frankreich stark von seinem aktuellen politischen Kurs abweichen oder eine unorthodoxe haushaltspolitische Expansion verfolgen wird. Vielmehr denken wir, dass Frankreich weiterhin am von der Europäischen Union (EU) vorgeschriebenen fiskalischen Programm des Defizitabbaus festhalten wird.

Die französische Präsidentschaftswahl 2027 stellt das größte Risiko für Anleger dar

Wir denken vor diesem Hintergrund weiterhin, dass der Abverkauf französischer Aktien vor der Wahl übertrieben gewesen sein könnte, insbesondere, da ein großer Anteil der Unternehmen im Referenzindex für den französischen Aktienmarkt ihre Umsatzerlöse und Gewinne außerhalb Frankreichs generieren (unseren Schätzungen zufolge über 80 %1). Ebenso gehen wir davon aus, dass sich die Spreads französischer Anleihen allmählich wieder verengen werden, wenn der Markt die Situation besser versteht und ein Premierminister ernannt ist. Dies könnte einige Wochen dauern, bis die Parteien eine Einigung gefunden haben.

Auf jeden Fall jedoch kommt das Schreckgespenst der französischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 immer näher und wird immer bedrohlicher. Unseres Erachtens stellt diese Wahl das Schlüsselrisiko dar, auf das sich Anleger konzentrieren sollten: Präsident Macron beendet dann seine zweite und letzte Amtszeit. Was passiert, falls die zentristische Koalition keine charismatische Führungspersönlichkeit vorweisen kann, die seine Nachfolge antritt?



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