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Die Rechtsvorschriften in Europa, die die Aktienmärkte in der Europäischen Union regeln, wie etwa die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID I) und die insbesondere für börsengehandelte Fonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) geltende Richtlinie MiFID II haben das Umfeld für den Handel mit ETFs in Europa maßgeblich verändert. Die 2018 eingeführte Richtline MiFID II hat die Vorherrschaft traditioneller Börsen ins Wanken gebracht, indem sie den Weg für alternative Handelsplätze geebnet hat, wodurch der Wettbewerb zunimmt und die Anleger über mehr Auswahlmöglichkeiten verfügen. Diese Demokratisierung hat aber auch eine Fragmentierung des Marktes nach sich gezogen, sodass sich der Handel mit ETFs nun über mehrere Plattformen und Börsen verteilt. In Europa sind multilaterale Handelssysteme (Multilateral Trading Facilities, MTFs) zu wesentlichen Akteuren avanciert. Diese MTFs können für eine schnellere und somit potenziell effizientere Ausführung sorgen. Sie bieten Liquiditätsgebern einen vereinfachten Handelszugang und Kunden profitieren von der Preistransparenz vor dem Handel.

Gleichzeitig hat der Schwerpunkt auf die „beste Ausführung“ für komplexere und stärker fragmentierte Marktstrukturen gesorgt, wobei nun zahlreiche Algorithmen zur Verfügung stehen, mit denen sich Fair-Value-Trades über traditionelle Börsen sowie „Dark Pools“ und andere Handelsplätze ausführen lassen.

All dies soll sicherstellen, dass sich Anleger die Handelsmerkmale von ETF-Strukturen vollumfänglich zunutze machen und so bessere Handelsergebnisse erzielen können, unabhängig davon, wo sie den Auftrag platzieren.

Die Zukunft von ETFs: Evolution und Trends bei Anleihen

Der ETF-Markt verzeichnet weiterhin ein rasantes Wachstum, und es sind einige spannende Trends zu beobachten, die dessen Zukunft mitgestalten. Einer der größten Wachstumsbereiche ist das Anleihensegment. Meiner Meinung nach haben ETFs hier für einen realen strukturellen Wandel gesorgt. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten, die über bekannte, zentralisierte Börsen verfügen (z. B. LSE, NYSE, NASDAQ usw.) gibt es am Anleihenmarkt keine einzelne zentralisierte Börse für den Handel mit Anleihen. Stattdessen erfolgt der Anleihenhandel überwiegend dezentralisiert im Freiverkehr an sogenannten Over-the-Counter-Märkten (OTC-Märkte). ETFs haben diese Marktstruktur indirekt vorangebracht, indem sie die undurchsichtigen OTC-Märkte erfolgreich mit eben diesen bekannten Börsen rund um den Globus verknüpft haben. Der Erfolg von ETFs bei der Weiterentwicklung dieser Marktstruktur und der Förderung der Preisbildung bei Anleihen hat sich in den jüngsten, von Markstress geprägten Phasen gezeigt. Preisbildung und Ausführungstransparenz für Fondsanlagen sind nur im Rahmen von ETFs gegeben. Daher dürften ETF-Strukturen unseres Erachtens zum Mainstream für passive wie auch aktive gepoolte Anleihenanlagen avancieren.

ETF-Aktivität in den USA und im Vereinigten Königreich: Vergleiche und Zusammenhänge

In den USA erfolgen rund 70 % des ETF-Handels über Börsen, während die übrigen 30 % auf den Freihandel (OTC) entfallen.1 In Europa, einschließlich des Vereinigten Königreichs, ist das Gegenteil der Fall: 70 % der Transaktionen werden OTC und nur 30 % an Börsen abgewickelt.2

  USA Europa
An einer Börse gehandelte ETFs 70% 30%
Over-the-Counter-Handel von ETFs 30% 70%
Handelsvolumen >80% 6%
ETF-Notierungen (in Tausend) 4.0 3.8
AUM in Bio. USD 10 2
% des gesamten globalen AUM 70 16

Quellen: Bloomberg und J.P. Morgan „ETF Market Guide: What are the trends and themes to watch?“ 22. Oktober 2024.

Es könnte sich an dieser Stelle auch anbieten, die Vor- und Nachteile der einzelnen neuen Methoden des ETF-Handels zu beleuchten: Trading, Risk Trading und Agency/Algorithmic Trading. Zu den wichtigsten Tipps für den Handel mit ETFs zählen die Ermittlung der Tageszeit, die für den Handel am besten geeignet scheint, die Berücksichtigung der eigenen Handelsziele, die Wahl der richtigen Auftragsart und die Sicherstellung, dass ein ETF nahe seines Fair Value gehandelt wird. ETFs können an verschiedenen Handelsplätzen entweder direkt über Broker oder im Freiverkehr über die oben beschriebenen MTFs I gehandelt werden. Die Handelsflexibilität und die Liquidität dürften ebenfalls wesentlich zur weiteren Verbreitung von ETFs unter Anlegern beitragen.

ETF-Liquidität in Zeiten von Marktstress: Wertentwicklung und Widerstandsfähigkeit

In Zeiten von Marktstress kann die von ETFs gebotene Liquidität einen wichtigen Rettungsanker für Anleger darstellen. Die Struktur von ETFs, die einen fortlaufenden Handel ermöglicht und auf Market Maker für den Liquiditätserhalt angewiesen ist, hat zur Folge, dass sie selbst dann noch Transaktionen ausführen können, wenn die zugrunde liegenden Märkte unter Druck stehen. Ein Paradebeispiel hierfür sind die Turbulenzen an den globalen Märkten infolge des Ausbruchs der Corona-Pandemie im März 2020. Während sich die zugrunde liegenden Anleihenmärkte als illiquide erwiesen, wurden Anleihen-ETFs weiterhin aktiv an den Sekundärmärkten gehandelt, wenn auch mit rekordhohen Abschlägen auf ihre NIW. Damals stellten ETFs ihre Widerstandsfähigkeit eindrücklich unter Beweis. Sie boten Anlegern Zugang zu Liquidität und gewährleisteten die Preisbildung, als der Handel an den traditionellen Märkten zum Erliegen kam. Die Rolle der Market Maker und die Fähigkeit von ETFs, Liquidität über einen Korb an Wertpapieren hinweg zu bündeln, trugen entscheidend dazu bei, dass der Handel mit ETFs im Laufe der Krise nicht zusammenbrach. Dies verdeutlichte auch, dass es sich bei ETFs um zuverlässige Vehikel im Falle von Marktunsicherheit handelt.



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