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Kernpunkte

  • Die Zahl der Marktteilnehmer, die starke Gewinne ausweisen und den Markt dominieren, wächst weiter. Daher sind wir überzeugt: Wenn es darum geht, die Spitzenreiter der kommenden Monate zu identifizieren, sollte jeder Aktienanleger die Unternehmensgewinne im Blick behalten.
  • Verlautbarungen führender Industrieunternehmen deuten darauf hin, dass endlich ein breiter angelegter Investitionszyklus begonnen hat. Bestätigt wird diese Einschätzung durch wichtige Datenpunkte wie die vom Institute for Supply Management (ISM) gemeldeten Neuaufträge und das ClearBridge US Recession Dashboard, das in diesem Monat weiter ein grünes Gesamtsignal zeigt und keine Veränderungen aufweist.
  • Der Markt mag sich nach den starken Zuwächsen im zweiten Quartal noch in einer Phase der Konsolidierung befinden. Doch da die Unternehmensgewinne nach wie vor die treibende Kraft hinter den Aktienkursen sind, denken wir, dass der Weg des geringsten Widerstands in der zweiten Jahreshälfte nach oben führt.

Im Juli war an der Spitze des US-Aktienmarktes eine Rotation zu beobachten: Bisherige Champions wurden zu Nachzüglern und umgekehrt. Besonders deutlich war dies im Bereich KI und bei Momentum-Titeln: Letztere, gemessen am S&P 500 Momentum Index, gaben im Juli rund 40 % ihrer im bisherigen Jahresverlauf erzielten Kursgewinne ab, während viele führende KI-Unternehmen sogar noch größere Verluste verzeichneten. Auch wenn sich die Entwicklung ganz am Ende des Monats (sowie in den ersten Augusttagen) wieder umkehrte, halten viele Anleger nach mehreren turbulenten Wochen Ausschau nach Hinweisen, die ihnen Aufschluss über die künftige Führungsgruppe geben könnten.

Wenn es darum geht, die Spitzenreiter der kommenden Monate zu bestimmen, sollte unseres Erachtens jeder Aktienanleger die Unternehmensgewinne im Blick behalten. Eine Analyse zeigt, dass diese in den letzten Jahren noch enger mit den Marktrenditen korrelierten, als es die Regel ist. Für den Zeitraum seit April 2020 sind mehr als 100 % der Kursrendite des S&P 500 einer Verbesserung der Gewinnerwartungen – und nicht einem Anstieg der Bewertungskennzahlen – zuzuschreiben. Das Gewinnwachstum verengte sich jedoch deutlich in den Jahren 2022 bis 2024: Der Großteil der Gewinne und Renditen am Markt entfiel auf eine kleine Gruppe von Aktien, die als die Glorreichen Sieben bekannt wurden.1

In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 änderte sich die Dynamik: Die Zahl der Indexbestandteile, die starke Gewinne auswiesen und den Markt dominierten, wuchs. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich dieser Trend fort, und wir gehen davon aus, dass er auch in den kommenden Quartalen bestehen bleiben wird. Der Markt hat die neue Dynamik inzwischen erkannt: Der gleichgewichtete S&P 500 hat die marktkapitalisierungsgewichtete Variante in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres um 3,1 % übertroffen.

Die zentrale Frage für Anleger am US-Aktienmarkt ist unseres Erachtens, ob künftig erneut nur eine kleine Gruppe von KI-Favoriten die Gewinnerwartungen erfüllen oder übertreffen wird, oder ob die nächste Phase des Ausbaus der KI-Infrastruktur breiteren Teilen der Wirtschaft zugutekommt. Die Industrie beispielsweise profitiert von einem Umfeld, das den Ausbau von KI-Rechenzentren begünstigt. Allerdings ist KI nicht die einzige Wachstumsquelle für den Sektor.

Verlautbarungen führender Industrieunternehmen deuten darauf hin, dass endlich ein breiter angelegter Investitionszyklus begonnen hat. So erklärte sich Old Dominion Freight Line „ermutigt durch die anhaltende Verbesserung der Nachfrage, die Ende des vergangenen Jahres begann“, während Illinois Tool Works, ein Hersteller von Befestigungssystemen und ‑komponenten, ein „relativ breites Wachstum“ feststellte. Diese anekdotische Evidenz von führenden Unternehmen stimmt mit den jüngsten Beobachtungen der auf Industriewerte spezialisierten ClearBridge-Analystin Sunny Huang überein. Sie sagt:

„Das Wachstum beschränkt sich nicht mehr allein auf Rechenzentren. Es wird durch eine steigende Nachfrage in den Bereichen Fertigung, Re-Shoring, Automatisierung, Luft- und Raumfahrt und Infrastruktur sowie in bestimmten Teilen der Baubranche außerhalb des Wohnungsbaus unterstützt. Dies deutet darauf hin, dass die Sektordynamik auf eine Vielzahl von Faktoren auf den Endmärkten und nicht auf einen einzelnen Investitionszyklus zurückzuführen ist.“

Die Verbesserung der industriellen Konjunktur spiegelt sich auch in den Daten wider. Der meistbeachtete Indikator für Unternehmensinvestitionen, die Bestellungen und Lieferungen von zivilen Investitionsgütern außerhalb der Luftfahrt, ist zuletzt mit zweistelligen Wachstumsraten gestiegen.

Abbildung 1: Investitionsgüter bestätigen die Stärke der Industrie

Letzte Aktualisierung der Daten: 4. August 2026. Quellen: U.S. Census Bureau, Macrobond. Die grau schattierten Bereich spiegeln rezessive Phasen wider.

Andere vielbeachtete Maßstäbe für die Lage der Industrie ergeben ein ähnliches Bild, so der ISM-Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe. Der Gesamt-PMI für das verarbeitende Gewerbe stieg im vergangenen Monat auf 55,6, den höchsten Wert seit über vier Jahren (einen Wert über 55 erreichte der Index zuletzt im Mai 2022), womit er eindeutig im expansiven Bereich lag.  Die stärker zukunftsorientierte Indexkomponente der Neuaufträge – ein Indikator des ClearBridge US Recession Dashboard – fiel mit 56,7 sogar noch höher aus. Damit bleibt dieser Indikator ebenso wie das Gesamtsignal des Dashboards klar im grünen Bereich, und das ClearBridge US Recession Dashboard weist in diesem Monat keine Veränderungen auf.

Abbildung 2: ClearBridge US Recession Dashboard

Stand: 31. Juli 2026. Quelle: ClearBridge Investments.

Obwohl die KI- und nicht KI-bedingte Industrietätigkeit im zweiten Halbjahr eine wichtige Stütze für die Wirtschaft sein dürfte, gibt es Bedenken, dass die Verbraucher unter Druck geraten könnten, da die positiven Effekte des One Big Beautiful Bill (OBBB) nachlassen und zum Jahresende unerwartet starke Kürzungen bei den Sozialleistungen anstehen.

Allerdings sollte die grundlegende Widerstandsfähigkeit der US-Verbraucher nicht außer Acht gelassen werden. Der Gegenwind durch höhere Energiepreise hat nachgelassen: Sowohl WTI- als auch Brent-Ölkontrakte wurden in den ersten Augusttagen wieder unter 80 US-Dollar gehandelt. Außerdem sind wir nach wie vor überzeugt, dass strukturelle Veränderungen der US-Energieunabhängigkeit und der verbraucherseitigen Energieintensität das wirtschaftliche Risiko im Zusammenhang mit den volatilen Ölpreisen mildern.

Abbildung 3: Nicht so (Energie-)empfindlich!

Letzte Aktualisierung der Daten: 30. Juni 2026. Quellen: U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA), NBER, Macrobond. Die grau schattierten Bereich spiegeln rezessive Phasen wider.

Unabhängig von den Ölpreisen ist in den vergangenen sechs Jahren so manch einer auf die Nase gefallen, der an den US-Verbrauchern gezweifelt hat. Hochfrequente Daten wie die Kreditkartenzahlungen sind stabil, und wir sehen derzeit keine wesentlichen Anzeichen für eine Veränderung der Konsumausgaben. Trotz der höheren Energiepreise nahm der reale Konsum im vergangenen Quartal mit einer die Erwartungen übertreffenden annualisierten Rate von 3,2 % zu, begünstigt durch höhere Steuererstattungen und niedrigere Quellensteuern infolge des OBBB im vergangenen Jahr. In der zweiten Jahreshälfte dürfte das Konsumwachstum auf 2 % zurückgehen, doch eine nachlassende Inflation und ein stabiler Arbeitsmarkt (im Hinblick auf die Löhne) sollten das Budget der Privathaushalte weiterhin positiv beeinflussen.

Die solide Konjunktur – getragen von einem Aufschwung in der Industrie, einem stabilen Arbeitsmarkt und widerstandsfähigen Verbrauchern – spricht dafür, dass im zweiten Halbjahr 2026 und über den Jahreswechsel hinaus eine größere Zahl von Unternehmen starke Gewinne ausweisen wird. Zudem ist die Sell-Side-Konsenserwartung für die Glorreichen Sieben im Jahr 2027 ein EPS-Wachstum von 4,9 %, bezogen auf die Gewinne der nächsten zwölf Monate, was deutlich unter der Erwartung von 16,6 % für die übrigen 493 Aktien im Index liegt. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber dem Anfang des Jahres und der jüngeren Vergangenheit, als die Gewinne der Glorreichen Sieben diejenigen der „S&P 493“ übertrafen. Tritt die erwartete Entwicklung ein, dürfte sie Chancen für aktive Manager eröffnen, die in der Lage sind, das dem S&P 500 innewohnende Konzentrationsrisiko zu steuern. Der Markt mag sich nach den starken Zuwächsen im zweiten Quartal noch in einer Phase der Konsolidierung befinden. Doch da die Unternehmensgewinne weiterhin die treibende Kraft hinter den Aktienkursen sind, denken wir, dass der Weg des geringsten Widerstands in der zweiten Jahreshälfte nach oben führt.



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