AUTOREN

Stephen Dover, CFA
Chief Market Strategist
Head of Franklin Templeton Institute
Dieser Artikel wurde ursprünglich im LinkedIn-Newsletter „Global Market Perspectives“ von Stephen Dover veröffentlicht. Folgen Sie Stephen Dover auf LinkedIn, wo er seine Gedanken und Kommentare sowie seinen Newsletter mit globalen Marktperspektiven veröffentlicht.
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einem interessanten Webinar von Franklin Templeton zur nächsten Welle von Mega-Börsengängen teilzunehmen – mit Einblicken in die treibenden Faktoren, die Bedeutung für Anleger und die potenziellen Auswirkungen auf die Struktur der US-Aktienmärkte. Da dabei Perspektiven aus allen unseren Investmentteams einflossen, war dies eine der aufschlussreichsten Diskussionen, die ich zu diesem Thema je erlebt habe. Ich habe während des Webinars vor allem folgende Erkenntnisse gewonnen:
- Der KI-Boom verändert die Kapitalmärkte grundlegend – und der Ursprung dieser Entwicklung liegt vielfach in den privaten Märkten. Das Thema KI dominiert derzeit die Finanzmärkte, und der direkteste Zugang zu zukunftsweisenden Frontier-KI-Laboren liegt nach wie vor im Bereich Venture Capital. Dies führt zu Kapitalzuflüssen in private Märkte, die in jeder Hinsicht wahrhaft beispiellos sind – darunter Finanzierungsrunden in Höhe von 100 Mrd. USD, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
- Der Markt für Börsengänge wartet nicht mehr auf einen Impuls – er hat ihn bereits. Nach einer längeren Pause stellen sich nun die Voraussetzungen für eine nachhaltige Erholung am Markt für Börsengänge ein. Das Börsendebüt von SpaceX, bei dem alles wie erhofft lief, diente als wichtiger Gradmesser. Dieser Erfolg dürfte anderen Unternehmen, die einen Börsengang in Erwägung ziehen, Zuversicht gegeben haben. Mit über 7 Bio. USD, die auf Geldmarktkonten liegen, steht reichlich Liquidität zur Verfügung, die in attraktive neue Anlageangebote investiert werden kann.
- Dies sind keine typischen Kandidaten für einen Börsengang. Was diesen Zyklus auszeichnet, ist die Reife der Unternehmen, die an den Markt gehen. Es handelt sich hierbei nicht um Start-ups in der Frühphase, sondern um etablierte Unternehmen mit beträchtlichen Umsätzen, einem großen Kundenstamm und einer führenden Position in wachstumsstarken Segmenten. Unternehmen bleiben länger in Privatbesitz, um Investitionszyklen und Produktumstellungen außerhalb der Beobachtung durch quartalsweise Berichterstattung steuern zu können. Sie gelangen heute in einem wesentlich fortgeschritteneren Stadium an die öffentlichen Kapitalmärkte als noch vor zehn Jahren.
- Der Börsengang-Boom von KI-Unternehmen könnte seine eigenen Gewinner verdrängen. Sollten mehrere Mega-Cap-Börsengänge im selben Zeitraum stattfinden, konkurrieren sie nicht nur untereinander, sondern auch mit bereits börsennotierten Wachstumswerten um Kapital. Dies könnte zu einem Rotationsdruck bei den Begünstigten aus den Bereichen Software, Halbleiter, Fintech und KI führen. Auch wenn die Gesamtnachfrage weiterhin stark ist, sollten Anleger diese Entwicklung genau im Auge behalten.
- Die nächste Welle von Börsengängen könnte die Marktführerschaft neu ordnen. Die möglicherweise bedeutendste langfristige Auswirkung ist struktureller Natur. Verschiedene Unternehmen aus den Bereichen KI, Raumfahrt, Rüstungstechnologie, Fintech, Automatisierung, Robotik und Dateninfrastruktur bereiten derzeit ihren Börsengang vor. Diese neuen Marktteilnehmer könnten dazu beitragen, die US-Aktienmärkte breiter aufzustellen und die starke Konzentration auf einige wenige Mega-Cap-Werte zu verringern – was letztlich zu einem gesünderen Markt und zu mehr Möglichkeiten führen würde, langfristige Wachstumsthemen abzubilden.
- Öffentliche Märkte könnten eine größere Transparenz hinsichtlich der Kapitalrendite von KI bieten. Eine der bedeutendsten Auswirkungen dieser Börsengang-Welle wird die erzwungene Offenlegung der Finanzdaten sein. Zum ersten Mal haben Börsenanleger die Gelegenheit zu beurteilen, ob KI-Unternehmen die erheblichen Investitionsausgaben tatsächlich erfolgreich in Umsatz umwandeln und die Rentabilität steigern. Dies ist von großer Bedeutung, insbesondere für den Halbleiterbereich, da die Beständigkeit des aktuellen Investitionszyklus eine anhaltende Unsicherheit für den gesamten Sektor darstellt.
- Die Dynamik der Indexaufnahme verändert sich. Der Börsengang von SpaceX hat einen wichtigen Präzedenzfall geschaffen: Die Indexanbieter haben ihre Vorschriften angepasst, um ein Unternehmen aufgrund seiner Größe und Bedeutung vorzeitig aufzunehmen. Es ist davon auszugehen, dass dies kein Einzelfall bleibt. Zukünftige Mega-Börsengänge werden voraussichtlich in einem Umfang in die Benchmarks aufgenommen, der diese maßgeblich beeinflussen kann – und das hat konkrete Auswirkungen auf passive Anleger, aktive Fondsmanager und die allgemeine Verteilung der Renditen auf die Anteilsinhaber.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Anlagekapitals.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden.
Die Allokation von Anlagen in verschiedenen Strategien, Anlageklassen und Investments kann sich als nicht vorteilhaft erweisen und mitunter nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. Wenn im Rahmen einer Strategie in Unternehmen in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region investiert wird, kann sie höherer Volatilität ausgesetzt sein als eine geografisch breiter diversifizierte Strategie.
Anlagen in Unternehmen in Privatbesitz sind mit bestimmten Herausforderungen verbunden und bergen im Gegensatz zu Anlagen in börsennotierte Unternehmen zusätzliche Risiken, wie etwa die begrenzte Verfügbarkeit von Informationen zu diesen Unternehmen sowie deren generellen Mangel an Liquidität.
Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung (Large Caps) können je nach Markt- und Wirtschaftslage bei den Anlegern in Ungnade fallen.
Anlagestrategien beinhalten die Identifikation von thematischen Anlagechancen und ihre Wertentwicklung kann beeinträchtigt werden, wenn der Anlageverwalter die tatsächlichen Chancen nicht erkennt oder wenn sich das Thema auf nicht erwartete Weise entwickelt.
Aufgrund der Konzentration von Anlagen auf technologie- und informationstechnologiebezogene Branchen ist ein Portfolio wesentlich höheren Risiken nachteiliger Entwicklungen und Kursbewegungen in diesen Branchen ausgesetzt als ein Portfolio, das in eine breitere Palette von Branchen investiert.
Alle Unternehmen und/oder Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich der Veranschaulichung. Eine Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sind kein Hinweis auf Handelsabsichten für ein durch Franklin Templeton verwaltetes Portfolio.
WF: 11632710
