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Kernpunkte

  • Obwohl es im März einen geopolitisch bedingten Einbruch gab, erwies sich dies erneut als gute Gelegenheit, Kapital zu investieren, da der S&P 500 innerhalb weniger Wochen wieder auf Allzeithochs kletterte.
  • Das ClearBridge US Recession Dashboard steht weiterhin insgesamt auf Grün. Der Indikator für Baugenehmigungen ist nach einer Unterbrechung aufgrund des Regierungsstillstands nun wieder verfügbar und hat sich auf ein grünes Signal verbessert.
  • Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts überschaubar bleiben und weitere Kursrückgänge wahrscheinlich Kaufgelegenheiten bieten. Dabei tendieren wir leicht zu den positiven Gewinnkorrekturen und den weniger hohen Bewertungen von Aktien außerhalb der USA.

Eine schnelle und kräftige Erholung

Die US-Aktien haben eine beeindruckende Rally hingelegt und sind seit ihren Tiefständen Ende März um 13,6 % auf Rekordhöhen gestiegen. Allein der April trug mit 10,4 % zum Aufschwung bei. Damit war er der beste Monat für den Markt seit 2020 und erzielte den zwölftbesten Monatsgewinn seit über 75 Jahren. Obwohl im März eine geopolitisch bedingte Schwächephase ihren Anfang nahm, erwies sich dies erneut als gute Gelegenheit für Anleger, Kapital zu investieren. Ein wesentlicher Grund, warum wir weiterhin davon ausgehen, dass die Märkte die „Sorgenmauer“ überwinden können, ist das insgesamt positive Signal, das vom ClearBridge U.S. Recession Dashboard ausgeht.

Wir begrüßen die Wiederverfügbarkeit des Indikators „Baugenehmigungen“, dem letzten Dashboard-Indikator, der aufgrund von Datenverzögerungen infolge der Regierungsstillstände nicht abrufbar war. Die neuen Daten zeigen, dass sich die Zahl der Baugenehmigungen stabilisiert hat und der Indikator nun wieder im grünen Bereich liegt, nachdem er zu Beginn der Datenunterbrechungen noch im gelben Bereich lag (Abbildung 1).

Die Marktrally im April verlief rasant und turbulent – ebenso wie die Reisen des AOR-Teams in den vergangenen Wochen, die uns quer durch die Vereinigten Staaten und in fünf Länder auf zwei Kontinenten führten. Wir haben uns mit einer Vielzahl von Anlegern getroffen, und der Großteil unserer Gespräche konzentrierte sich auf fünf zentrale Fragen. Wir hielten es für sinnvoll, unsere Überlegungen zu diesen Themen kurz zusammenzufassen.

1. Wie besorgt sollten wir hinsichtlich des Arbeitsmarktes sein?

Der Arbeitsmarkt hat in den vergangenen elf Monaten abwechselnd positive und negative Zahlen verzeichnet, wobei die Nettobeschäftigungsentwicklung unter dem Strich leicht positiv ausfiel. Generell hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren vor allem aufgrund der negativen Auswirkungen von Änderungen in der Einwanderungspolitik und der alternden Bevölkerung abgekühlt. Es scheint weiterhin nicht so zu sein, dass künstliche Intelligenz (KI) flächendeckende Entlassungen verursacht, obwohl es in einzelnen Bereichen zu einer geringeren Einstellungsaktivität kommt. 

Die jüngsten Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, unser wirtschaftlicher Frühindikator, erreichten letzte Woche mit dem niedrigsten Stand seit 1969 einen Tiefpunkt, was zusammen mit weiteren aktuellen Anzeichen auf eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes hinweist. Mit Blick auf die Zukunft beobachten wir weiterhin den durch KI bedingten Stellenabbau, behalten aber auch die durch KI geschaffenen Arbeitsplätze im Auge, da im Zuge dieses technologischen Fortschritts bisher unvorstellbare Berufe entstehen.

Abbildung 1: US Recession Dashboard

Stand: 30. April 2026. Quelle: ClearBridge Investments.

2. Wie könnte sich die Fed unter Kevin Warsh entwickeln?

Was diesen Punkt betrifft, darf nicht vergessen werden, dass geldpolitische Entscheidungen durch den Mehrheitsbeschluss der 12 stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, kurz „FOMC“) getroffen werden und nicht allein durch den Vorsitzenden der Fed. Zwar hat sich Kevin Warsh öffentlich für niedrigere Zinssätze ausgesprochen, doch scheinen sich seine Ansichten derzeit nicht mit denen des übrigen FOMC zu decken. Die Sitzung des FOMC Ende April führte zu keiner Änderung der Zinssätze, allerdings gab es vier Gegenstimmen – die meisten seit 1992 –, von denen drei sich gegen die „Aufnahme einer Tendenz zur Lockerung in die Erklärung zum jetzigen Zeitpunkt“ aussprachen. Die von den höheren Energiepreisen ausgehenden Aufwärtsrisiken für die Inflation dürften die Mitglieder des FOMC weiterhin davon abhalten, die Zinsen zu senken, bis mehr Klarheit hinsichtlich des Nahostkonflikts herrscht.

3. Trotz des Waffenstillstands bleibt die Lage im Nahen Osten instabil, während die Märkte wieder neue Höchststände erreichen. Übertreiben es die Aktienmärkte?

Die Aktienrally scheint anfällig für eine erneute Eskalation des Konflikts im Nahen Osten zu sein, insbesondere wenn die Handelsunterbrechungen in der Straße von Hormus länger andauern als derzeit erwartet (voraussichtliche Wiedereröffnung etwa Mitte des Jahres). Da der Großteil der Rally im April mit der Entspannung der Lage im Nahen Osten zusammenfiel, halten wir das Risiko eines anhaltenden Versorgungsengpasses für real.

Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen überschaubar bleiben und nicht zu einer nennenswerten Konjunkturabschwächung führen dürften: Weitere Kursrückgänge würden unserer Meinung nach wahrscheinlich gute Kaufgelegenheiten bieten. Gleichzeitig sollten sich Anleger unserer Einschätzung nach nicht davon abschrecken lassen, dass die Märkte wieder auf Allzeithochs stehen. Unsere Analyse zeigt (wenngleich dies widersprüchlich erscheint), dass Investitionen bei neuen Höchstständen in der Vergangenheit eine bessere Performance erzielt haben als Kapitalanlagen, bei denen die Benchmark unter dem Höchststand lag.

Abbildung 2: Keine Angst vor Allzeithochs

Daten von September 1989 bis 30. April 2026. Quellen: S&P Global, Macrobond.

4. Wie besorgniserregend sind hohe Bewertungen und überhöhte Gewinnerwartungen?

Die Bewertungen sind hoch und der S&P 500 liegt auf Basis des zukunftsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (nächste 12 Monate) wieder bei über 20. Allerdings werden US-Aktien seit Beginn der Pandemie zu hohen Bewertungsniveaus gehandelt: Die Benchmark lag größtenteils (63 %) über dem 20-Fachen, seit sie diese Schwelle im April 2020 erstmals überschritten hatte. Bemerkenswert ist, dass hohe Bewertungen die Renditen nicht gebremst haben; der S&P 500 ist in den letzten sechs Jahren um 147,5 % gestiegen, was einer annualisierten Rendite von 16,3 % und etwa dem Doppelten des langfristigen Durchschnitts entspricht.

Ein Großteil dieser Stärke basiert auf soliden Gewinnen, wobei die Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate in den vergangenen sechs Jahren kumulativ um 137 % gestiegen sind. Die Sell-Side-Konsensprognosen für ein Gewinnwachstum im mittleren Zehnerbereich mögen auf den ersten Blick hoch erscheinen. Diese Erwartungen sind jedoch stetig gestiegen, was dem historischen Muster widerspricht und der Marktrally eine fundamentale Stütze bietet. Die Sektoren Informationstechnologie, Energie und Rohstoffe zeigen eine bemerkenswerte Stärke. Zwei Drittel der Berichtssaison für das erste Quartal sind (gemessen an der Marktkapitalisierung) nun vorbei, und die bisherigen Ergebnisse sind solide, mit überzeugenden Ergebnissen und positiven Überraschungen in verschiedenen Sektoren. Das ist ein vielversprechender Jahresauftakt.

Abbildung 3: Korrekturen des Gewinns je Aktie (EPS) sind robust

*Typischer Pfad ist 2012-2017, 2019 und 2022-2024; 2018 ausgeschlossen wegen Verzerrung aufgrund von TCJA (Tax Cuts and Jobs Act); 2020-2021 ausgeschlossen aufgrund von Verzerrungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, prozentuale Veränderung der EPS-Erwartungen (Gewinn je Aktie) in USD. Stand: 30. April 2026. Quellen: FactSet, S&P.

5. Welche Chancen sehen Sie derzeit am Markt?

Wir sind weiterhin der Ansicht, dass Aktien außerhalb der USA im Vergleich zu US-Titeln eine attraktive Anlagemöglichkeit bieten. Die Schwellenländer erscheinen trotz ihrer jüngsten Stärke besonders interessant, da kräftige Aufwärtskorrekturen der Gewinnerwartungen ihre Renditen beflügeln und einen weiterhin positiven fundamentalen Ausblick rechtfertigen. Zudem sind die Bewertungen nach wie vor weniger problematisch als in den Vereinigten Staaten, und obwohl einige Schwellenländer in erheblichem Umfang Öl importieren, trifft die Redensart, dass der Aktienmarkt nicht gleichbedeutend mit der Wirtschaft ist, im Falle vieler Schwellenländer umso mehr zu. Auch Aktien aus Industrieländern außerhalb der USA dürften von positiven Gewinnkorrekturen und attraktiven Bewertungen profitieren, wenn auch in geringerem Maße.

Abbildung 4: Gewinnkorrekturen sprechen für Schwellenländer

Japan wird durch den MSCI Japan Index und Europa durch den MSCI Europe Index abgebildet, während Schwellenländer durch den MSCI Emerging Markets Index und die Vereinigten Staaten durch den MSCI USA Index repräsentiert werden. Stand: 30. April 2026. Quellen: FactSet, MSCI.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Märkte schnell neue Höchststände erreicht haben, doch das zugrunde liegende Umfeld scheint weiterhin günstig zu sein: Das ClearBridge US Recession Dashboard steht nach wie vor auf Grün, der Arbeitsmarkt stabilisiert sich zunehmend, und wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Spannungen im Nahen Osten überschaubar bleiben werden. Angesichts der hohen Bewertungen ist bei der Auswahl der Titel Vorsicht geboten, doch die Vergangenheit zeigt, dass Anleger vor neuen Höchstständen nicht zurückschrecken müssen, insbesondere wenn die Gewinnerwartungen stabil bleiben. Wir würden diszipliniert vorgehen und die Volatilität als Chance zur Kapitalanlage nutzen. Dabei würden wir eher auf Aktien außerhalb der USA setzen, die stärkere Gewinnkorrekturen und angemessenere Bewertungen aufweisen.



Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme. Es besteht keine Garantie, dass eine Strategie ihr Ziel erreichen wird. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Eine geringere Liquidität kann den Kurswert der Vermögenswerte beeinträchtigen. Währungsschwankungen können den Wert ausländischer Anlagen beeinträchtigen. Strategien, die in Schwellenländer investieren, können mit höheren Risiken verbunden sein als jene, die in Industrieländer investieren. Strategien, die in Finanzderivate investieren, sind mit spezifischen Risiken verbunden, die das Risikoprofil der Strategie erhöhen können. Bei Strategien, die in bestimmte Sektoren oder Regionen investieren, können die Renditen stärker schwanken als bei einer breiter diversifizierten Strategie.

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