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Nach dem Wahlsieg von Donald Trump im November 2024 war an den US-Börsen zunächst eine gewisse Euphorie zu spüren. Der S&P 500 stieg am Tag nach der Wahl um 2,5 %. Diese Gewinne waren jedoch nicht nachhaltig: Bis Mitte März 2025 verlor der Index in der Spitze über 9 % gegenüber dem Stand bei der Amtseinführung. Der technologielastige Nasdaq-100 verlor sogar mehr als 13 % gegenüber seinem Höchststand. Damit wurden die Gewinne der Nachwahlrally vollständig aufgezehrt.

Grund für die Abwärtsbewegung ist vor allem Trumps wirtschaftspolitische Agenda. Die Ankündigungen und Einführungen von Strafzöllen auf Importe für die meisten Handelspartner der USA sorgen für erhebliche Unruhe. Die bereits verhängten Zölle auf chinesische Waren betragen mittlerweile 20 %. Seit dem 2. April erheben die USA zudem Zölle in Höhe von 125 % auf alle importierten Autos und ab dem 3. Mai auch auf Autoteile, was vor allem bei Autowerten zu deutlichen Kursverlusten geführt hat. Diese Eskalation des Protektionismus trifft nicht nur Industrie- und Exportwerte, sondern schürt auch Inflationsängste. J.P. Morgan schätzt, dass Trumps Zollpolitik die Kerninflation der privaten Konsumausgaben um bis zu einen Prozentpunkt erhöhen und das reale BIP-Wachstum um bis zu einen halben Prozentpunkt drücken könnte.1

Das ist mir völlig egal, denn wenn die Preise für ausländische Autos steigen, werden sie amerikanische Autos kaufen. Ich hoffe, dass sie ihre Preise erhöhen, denn wenn sie das tun, werden die Leute amerikanische Autos kaufen. Wir haben genug davon.

Quelle: The Wall Street Journal (Trump Says He ‘Couldn’t Care Less’ if Car Prices Go Up), 30.03.2025

Gleichzeitig belastet die unklare Fiskalpolitik die Märkte. Zwar verspricht Trump neue Steuersenkungen, darunter eine Verlängerung des „Tax Cuts and Jobs Act“ von 2017, doch dieser Plan ist teuer: Allein die Beibehaltung der Einkommens- und Erbschaftssteuerregelungen würde das Defizit bis 2035 um fast 4 Bio. US-Dollar erhöhen – Zinskosten nicht eingerechnet. Hinzu kommt, dass sich der Kongress bisher nicht auf ein neues Haushaltsgesetz einigen konnte. Die USA befinden sich im dritten Monat in einer Notfinanzierung. Die Schuldenobergrenze von 36,1 Bio. US-Dollar ist bereits erreicht. Das US-Finanzministerium greift auf „außerordentliche Maßnahmen“ zurück, um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden – Maßnahmen, die nach Expertenmeinung nur noch bis zum Sommer tragfähig sind. Eine Einigung zwischen Kongress und Weißem Haus über eine Anhebung oder Aufhebung der Schuldenobergrenze könnte dies verhindern.

Die Kombination aus fiskalischem Stillstand und wachsendem Protektionismus hat das Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger in Trumps wirtschaftspolitische Führungsstärke untergraben. In seiner ersten Amtszeit galt der Präsident oft als Garant für Börsenerfolge. Nun ist Ernüchterung eingekehrt – auch weil Trump signalisiert hat, dass die Entwicklung der Aktienmärkte für ihn nicht mehr oberste Priorität hat.

Kein Trump-Put mehr in Sicht

Ein zentraler Unterschied zur ersten Amtszeit ist das veränderte Verhältnis zwischen Trump und den Märkten. Damals ging man davon aus, dass das Weiße Haus bei zu starken Kursverlusten einlenken würde, um die Börsen zu stützen – etwa durch die Rücknahme geplanter Zölle oder versöhnliche Signale in Richtung Notenbank – der sogenannte „Trump-Put“. Heute scheint die Schmerzgrenze des Präsidenten deutlich höher zu liegen. Die Regierung spricht von einer „Übergangsphase“, die notwendig sei, um Strukturreformen durchzusetzen. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die Marktkorrekturen sogar als „gesund“.

Gleichzeitig häufen sich die Warnsignale aus der Wirtschaft. Die US-Notenbank hat ihre Prognose für das US-BIP-Wachstum im Jahr 2025 von 2,1 % auf 1,7% gesenkt, die Inflation verharrt bei rund 3 % und der Arbeitsmarkt zeigt erste Schwächesignale. Der NFIB Uncertainty Index, ein Frühindikator für die Stimmung kleiner Unternehmen, lag im Februar bei 104 Punkten und erreichte damit seinen bislang zweithöchsten Wert.2 Auch die CEO-Umfragen zeigen eine drastische Eintrübung der Erwartungen: Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage in den USA durch die CEOs fiel im Vergleich zum Januar um 20 % von 6,3 auf 5 von 10 auf einer Skala, auf der 1 für „schlecht“ und 10 für „ausgezeichnet“ steht. Dies ist der niedrigste Stand seit dem Frühjahr 2020, als die Corona-Pandemie Unternehmen weltweit lahmlegte.3

Europa: Profiteur geopolitischer Spannungen

Während die US-Börsen seit Jahresbeginn deutlich im Minus notieren, konnten sich die europäischen Börsen einigermaßen behaupten. Der STOXX Europe 600 verzeichnete im bisherigen Jahresverlauf ein Minus von rund 7 %, der französische CAC 40 von knapp -6 % und der Londoner FTSE 100 von rund -7 %. Der DAX konnte sich mit -1 % bislang am besten schlagen. Hintergrund für die bessere Performance sind unter anderem die geopolitischen Verschiebungen, die Trumps Politik ausgelöst hat. Die wiederholten Zweifel an der NATO-Verpflichtung der USA haben viele europäische Länder dazu veranlasst, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen.

Kursentwicklung ausgewählter Indizes4

Allein Großbritannien hat ein Investitionsprogramm von 2 Mrd. Pfund für die heimische Rüstungsindustrie angekündigt, Frankreich plant Ausgaben von über 30 Mrd. Euro, und in Deutschland sollen bis zu 1 Bio. Euro zusätzlich in Verteidigung und Infrastruktur fließen. Diese Maßnahmen haben die Aktien von Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, Thales oder BAE Systems deutlich steigen lassen. Einige Werte haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig hat die Europäische Kommission Initiativen zur Entbürokratisierung angekündigt, was vor allem bei Investorinnen und Investoren gut ankommt. So sollen unter anderem Unternehmensgenehmigungen vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden. Dennoch bleiben konjunkturelle Risiken bestehen. Die OECD-Prognose für das BIP-Wachstum in Frankreich liegt bei nur 0,8 %, in Italien bei 0,7 %, und in Deutschland ist die Wirtschaftsleistung zwei Jahre in Folge geschrumpft. Die europäischen Aktienmärkte profitieren derzeit eher von der geopolitischen Neuausrichtung und der Kapitalflucht aus den US-Börsen – nicht von der wirtschaftlichen Stärke.

China: Stiller Aufstieg trotz Spannungen

Auch in Asien zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Hang Seng Index konnte zu Beginn des Jahres deutlich zulegen. Mittlerweile hat er diese Gewinne jedoch wieder abgegeben. Die anfängliche Erholung war vor allem auf hausgemachte Impulse zurückzuführen: Fiskalpolitische Stimuli, sinkende Zinsen und die Begeisterung für das Thema Künstliche Intelligenz (KI) – hier ist vor allem das Start-up DeepSeek zu nennen – beflügelten die Börsen.

Allerdings war die chinesische Erholung fragil. Die US-Zölle treffen wichtige Exportbranchen, insbesondere Maschinenbau, Konsumgüter und Elektronik. Sollten die geplanten gegenseitigen Zölle tatsächlich umgesetzt werden, dürfte die Unsicherheit zunehmen. Internationale Investorinnen und Investoren sehen sich zunehmend gezwungen, ihr Engagement in den USA zu reduzieren, und suchen in Asien nach Alternativen. Dennoch bleibt auch hier die Erholung brüchig – Chinas Binnennachfrage ist schwach, und strukturelle Probleme im Immobiliensektor sowie bei lokalen Regierungen bestehen fort.

Fazit: Eine neue Ära der Unsicherheit

Die ersten Wochen der Trump-Regierung markieren eine Zäsur. Statt eines neuen Börsenbooms erleben Anlegerinnen und Anleger weltweit ein Klima der Unsicherheit. In den USA führt die Mischung aus Protektionismus, fiskalischer Blockade und strategischer Rücksichtslosigkeit zu Kursverlusten und Vertrauensverlust. Europa profitiert kurzfristig von den geopolitischen Verwerfungen, bleibt aber wirtschaftlich schwach. China erlebt eine zaghafte Erholung, steht aber unter Druck.

Die Trump-Administration setzt auf langfristige Strukturreformen, die Märkte fordern jedoch kurzfristige Klarheit. Ob dieser Spagat gelingt, ist ungewiss. Für Anlegerinnen und Anleger ist klar: Die einfache Formel „Trump gleich Kursgewinne“ gilt nicht mehr.



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