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Freihandel

Wenn Indien die ehrgeizigen Produktions- und Exportziele erreichen will, muss es Freihandelsabkommen mit seinen wichtigsten Handelspartnern abschließen. Unter Premierminister Modi ist das frühere Zurückscheuen vor der Unterzeichnung von Freihandelsabkommen Geschichte. Stattdessen herrscht eine Politik der Globalisierung und der Schaffung von Abkommen mit „gleichgesinnten Nationen mit Werten wie Demokratie, Transparenz und gegenseitigem Wachstum“.1

Im Jahr 2022 unterzeichnete Indien innerhalb von 90 Tagen nach Aufnahme der Verhandlungen ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und noch im selben Jahr mit Australien. Das Land befindet sich derzeit in der Endphase der Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich und strebt ein Abkommen mit der EU, Kanada, den Ländern des Golf-Kooperationsrates (GCC) und Israel an. Letztere sind besonders wichtig, da der vorgesehene Handelskorridor

Indien-Naher Osten-EU durch die GCC-Länder und Israel verläuft. Ohne ein Freihandelsabkommen wird der Korridor nur schwer an Fahrt gewinnen.

Das Ziel Indiens bei der Wiederaufnahme der Beziehungen zu seinen Handelspartnern ist es, einen neuen zollfreien Zugang für seine Exporte von pharmazeutischen, elektronischen und technologischen Dienstleistungen sowie einen leichteren Zugang für indische Fachkräfte zu erreichen. Letzteres erweist sich bei den Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich als besonders sensibles Thema. Im Gegenzug ist Indien bereit, die Zölle auf Auto- und Lebensmittelimporte zu senken und mehr Zugang zu inländischen Finanzdienstleistungen zu gewähren.

Handelskorridor Indien-Naher Osten-Europa

Aus Anlegersicht war die Absichtserklärung über den Wirtschaftskorridor zwischen Indien, dem Nahen Osten und Europa (India-Middle East-Europe Economic Corridor, kurz „IMEC“) eine der wichtigsten Entwicklungen während des indischen G20-Vorsitzes. Der IMEC ist eine neue Route nach Europa über den Nahen Osten anstelle der bestehenden Routen über Pakistan, Iran und den Suezkanal für Fracht, Energie und Daten. Nicht umsonst strebt Indien Freihandelsabkommen mit Ländern entlang der Route an: Saudi-Arabien, Israel und der EU. Mit den VAE wurde bereits ein Abkommen geschlossen.

Handelskorridor Indien-Naher Osten-Europa

Stand: September 2023

Quelle: Bernstein. „India’s response to China’s belt and road initiative.“

Es wird geschätzt, dass sich die Transportzeit nach Europa um 40 %2 verkürzen könnte, wenn Saudi-Arabien den Bau einer Eisenbahnstrecke für Hochgeschwindigkeitszüge verwirklicht. Selbst ohne diese Transportmöglichkeit wird die Entfernung zum nächstgelegenen EU-Hafen um 18 % verkürzt. Zudem werden die Risiken des Transports über Pakistan, Afghanistan und den Iran (der von der EU sanktioniert ist) vermieden, und das zu geringeren Kosten als bei der Nutzung des Suezkanals.3

Das IMEC-Projekt umfasst zwei Korridore. Einen östlichen Korridor, der Indien mit dem Nahen Osten verbindet, und einen nördlichen Korridor, der den Nahen Osten mit Europa verbindet. In Israel, Dubai und Indien gibt es Hafenkapazitäten, um den Handel zu erleichtern, während Saudi-Arabiens Programm Vision 2030 das Potenzial hat, die Finanzierung für den Bau der Eisenbahnverbindung über die arabische Halbinsel sicherzustellen.

Es gibt Parallelen zur chinesisch-europäischen Bahnlinie, die von der Ostküste Chinas nach Deutschland führt und die Zeit für den Güterverkehr zwischen den beiden Ländern um zwei Drittel auf zwölf Tage verkürzt.4 Die Strecke beginnt in Chongqing und wurde ursprünglich gebaut, um den Export von Elektronik zwischen China und Europa zu erleichtern. Genau das ist der Produktionsbereich, in dem Indien mit seinen niedrigeren Lohnkosten und der PLI-Initiative versucht, seinen Marktanteil zu erhöhen.

Neben den Waren soll der Korridor auch den Export von Energie, einschließlich grünem Wasserstoff, aus dem Nahen Osten nach Indien und Europa ermöglichen. Parallel zu der Energiepipeline ist auch die Verlegung von Glasfaserkabeln geplant, um die Kommunikationswege zwischen Indien und Europa zu verbessern. Dies wird eine Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, die Vorteile der Exportkomponente für Technologiedienstleistungen im Rahmen des beabsichtigten Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU zu nutzen.



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