AUTOREN

David Zahn, CFA, FRM
Head of European Fixed Income,
Franklin Templeton Fixed Income
AnlegerInnen stehen 2025 vor Unsicherheiten, da es im Euroraum aber auch jenseits des Atlantiks wahrscheinlich erhebliche politische Veränderungen geben wird. Wir prognostizieren ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum und eine entgegenkommende Geldpolitik in Europa. Das dürfte die europäischen Anleihemärkten mittelfristig weitgehend unterstützen. Angesichts der potenziell erhöhten Volatilität wird jedoch eine aktive Anlageverwaltung unsere Erachtens noch wichtiger werden.
Das Wirtschaftswachstum in Europa ist nach wie vor schleppend und die von den Republikanern kontrollierte US-Regierung birgt potenzielle Abwärtsrisiken
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und die Kontrolle der Republikaner in beiden Kammern des Kongresses dürften bei AnlegerInnen im Vordergrund stehen, während wir abwarten welche politischen Maßnahmen die neue Regierung tatsächlich umsetzt. Es besteht zwar nach wie vor erhebliche Unsicherheit, aber wir erwarten nicht, dass von der US-Politik besonders positive Impulse für das Wachstum der europäischen Wirtschaft ausgehen werden.
Die USA sind der größte Exportmarkt für den Euroraum. Daher könnten die von Trump angekündigten Zölle Probleme bereiten. Die Wirtschaft der Eurozone verzeichnet eine sinkende Binnennachfrage (Sparguthaben übersteigen deutlich den privaten Konsum), sodass die Erholung auf einem Anstieg der Nachfrage aus dem Ausland abhängt. Wir schätzen jedoch, dass die Zölle, die wahrscheinlich eingeführt werden, das Bruttoinlandsprodukt nur mäßig direkt belasten werden. Indirekt sorgen Handelsspannungen jedoch für Unsicherheit. Diese wird wiederum die Wirtschaftstätigkeit dämpfen und Investitionen und Konsum bremsen.
Ein weiterer Aspekt, der beobachtet werden sollte, ist Trumps Abneigung, die Verbündeten der USA im selben Umfang wie bisher militärisch zu unterstützen. Das dürfte für die europäischen Regierungen bedeuten, dass sie ihre Verteidigungsausgaben erhöhen müssen. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass der Multiplikatoreffekt der Verteidigungsausgaben aufgrund des hohen Importanteils in der Regel geringer ist als bei vielen anderen Alternativen. Deshalb könnten beide vorgenannten Entwicklungen den Ausblick für das Wirtschaftswachstum in Europa belasten, wenngleich das Ausmaß unklar bleibt. Zudem wird es sicher mildernde Faktoren geben (z. B. hat eine starke US-Wirtschaft positive Ansteckungseffekte für Handelspartner).
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird entschlossen handeln müssen
Als Reaktion auf eine schleppende wirtschaftliche Erholung und eine Inflationsrate, die sich wieder dem Inflationsziel nähert, wird die EZB die Zinsen voraussichtlich stärker senken als viele erwarten. Obgleich die Finanzmarktteilnehmer für Ende 2025 einen Einlagensatz von ca. 1,8 - 1,9 % einpreisen (bei Redaktionsschluss), muss die EZB unserer Meinung nach möglicherweise ihre Geldpolitik stärker lockern und den Einlagensatz auf 1,5 % oder sogar darunter zurückschrauben. Das bedeutet wiederum, dass europäische Anleihen mit kürzeren Laufzeiten Langläufer übertreffen könnten. Länger laufende Anleihen werden dagegen stärker von US-Staatsanleihen abhängen, deren Renditen voraussichtlich angesichts einer expansiven Fiskalpolitik und einer robusten US-Wirtschaft höher bleiben werden.
Das Zinsgefälle gegenüber den USA bereitet uns aktuell keine allzu großen Sorgen, aber die höheren US-Zinsen könnten den Euro unter Druck setzen. Die EZB muss den Wechselkurs des Euro im Auge behalten, da er das Risiko eines Inflationsanstiegs birgt. Generell könnten die lahmende Wirtschaftstätigkeit und das langsamere Lohnwachstum unseres Erachtens aber einen anhaltenden Desinflationstrend unterstützen.
Trotz einiger Rückenwinde wird ein sorgfältiger Portfolio-Aufbau 2025 entscheidend sein
Insgesamt bereiten eine lockerere Geldpolitik und rückläufige Renditen europäischen Anleiheanlegern in Zukunft ein günstigeres Umfeld. Die Länder in Europa driften in puncto Wirtschaftswachstum und politische Stabilität allerdings immer stärker auseinander und in Deutschland und Frankreich stehen wichtige Wahlen bevor. Wir bleiben daher wachsam. Wir sind überzeugt, dass 2025 eine aktive und wohlüberlegte Titelauswahl wichtig sein wird, um von positiven Rückenwinden zu profitieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass etwaige Risiken bewusst und maßvoll eingegangen werden.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Anlagekapitals.
Festverzinsliche Wertpapiere bergen Zins-, Kredit-, Inflations- und Wiederanlagerisiken sowie das Risiko eines möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Wenn die Zinssätze steigen, fällt der Wert von festverzinslichen Wertpapieren. Niedrig bewertete, hochverzinsliche Anleihen sind höheren Preisschwankungen, Illiquiditätsrisiken und der Möglichkeit eines Ausfalls ausgesetzt.
Anlagen in ausländische Wertpapiere sind mit besonderen Risiken verbunden, unter anderem Risiken in Zusammenhang mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, Handelspraktiken, Verfügbarkeit von Informationen, Marktbeschränkungen und Wechselkursschwankungen sowie Wechselkurspolitik; bei Anlagen in Schwellenländern sind diese Risiken noch stärker ausgeprägt. Staatliche Schuldtitel sind mit diversen zusätzlichen Risiken verbunden, die zu den mit Schuldtiteln und ausländischen Wertpapieren im Allgemeinen verbundenen Risiken hinzukommen. Zu diesen zusätzlichen Risiken gehört unter anderem, dass ein staatlicher Emittent nicht willens oder nicht in der Lage sein könnte, Zins- und Tilgungszahlungen für seine Staatsschulden zu leisten. In dem Maße, wie der Schwerpunkt einer Strategie auf bestimmten Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Arten von Anlagen liegt, kann sie anfälliger für ungünstige Entwicklungen in solchen Schwerpunktbereichen sein als eine Strategie, in deren Rahmen in ein breiteres Spektrum von Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Anlageformen investiert wird.
