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Drei Themen beschäftigen uns heute:

  1. Diversifizierung: Schwellenländer dürften im kommenden Jahr weiterhin profitieren, wenn Anleger ihre Portfolios stärker diversifizieren. Die Anlegerallokationen in Schwellenländern liegen noch immer unter den Benchmark-Gewichtungen1, insbesondere in Bezug auf chinesische Aktien. In früheren Jahren war das die richtige Strategie, aber das hat sich 2025 geändert. Nach unserer Einschätzung werden die Portfoliozuflüsse Schwellenländer stützen, die eindeutig attraktiv sind. Dazu gehören eine Vielzahl von Unternehmen mit Engagement in Lieferketten für künstliche Intelligenz (KI), ausgewählte große Märkte mit geringem Handelsrisiko (Indien und Brasilien) und attraktive Bewertungen im Vergleich zu den Industrieländern.
  2. Gewinnerholung in Indien: Das Potenzial indischer Aktien, ihre Underperformance des Jahres 2025 gegenüber anderen Schwellenländern umzukehren, hängt teilweise von einer Erholung der Gewinne ab. Die Konsenserwartungen für den Nifty50-Index im kommenden Jahr liegen bei einem Gewinnwachstum von 15 %.2 Eine erwartete Erholung des Konsums und der Staatsausgaben dürfte dieses Wachstum vorantreiben. Die niedrige Inflation schafft Spielraum für eine Senkung der Zinsen, was auch eine Erholung der Gewinne begünstigen würde.
  3. Lateinamerika: Die Nachwirkungen der US-Maßnahmen in Venezuela dürften die Einschätzung der Risikoprämien durch Anleger in den Industrie- und Schwellenländern langfristig beeinflussen. Kurzfristig dürften geringere Ölpreise und ein anhaltender Rückgang des Inflationsdrucks den Trend zu niedrigeren Zinsen weltweit (mit Ausnahme Japans) aufrechterhalten. Obwohl Venezuela 2026 die Schlagzeilen über Lateinamerika dominieren dürfte, sollten Anleger auch die für Oktober angesetzten Präsidentschaftswahlen in Brasilien im Blick behalten.
     

Ausblick

Wir blicken auf ein starkes Jahr 2025 zurück, in dem sich Schwellenländeraktien besser entwickelten als Aktien aus den Industrieländern.3 Es wäre vielleicht zu optimistisch, eine Wiederholung dieser außergewöhnlichen Wertentwicklung zu erwarten, doch unser Ausblick für Schwellenländeraktien im Jahr 2026 bleibt zuversichtlich. Wir gründen diesen Ausblick auf mehrere unterstützende Themen, die die Gewinndynamik in der Anlageklasse auch weiterhin vorantreiben.

KI-Lieferkette: Schwellenländer sind alles andere als homogen, die Vielfalt der Länder und Sektoren eröffnet ganz unterschiedliche Chancen. KI wird ein wichtiger Treiber im breiteren IT-Bereich bleiben. Das strukturelle Wachstumspotenzial der KI untermauert weiterhin die von uns prognostizierten Anlagechancen in den größten Schwellenmärkten. Vor allem geht das Chancenspektrum über die direkten Nutznießer in der Halbleiterbranche in Taiwan und Südkorea hinaus. Unseres Erachtens zeichnet sich auch entlang der KI-Lieferkette ein attraktives Engagement ab – etwa bei Unternehmen für elektronische Fertigungsdienstleistungen, Stromversorgung und Leiterplatten.

Parallel dazu integrieren ausgewählte Internetunternehmen in China KI zunehmend in ihre Ökosysteme, was potenziell zu Kosteneffizienz sowie zu zusätzlichem Wachstum neben den traditionellen E-Commerce- und Werbemodellen führen kann. Führende chinesische Internetunternehmen sind große Clouddienstleister und dürften von der steigenden Nachfrage nach KI-bezogenen Workloads profitieren.

Chinas Führungsrolle in der Industrie: Die weltweite Nachfrage nach Strom steigt weiter – ein Trend, der sich angesichts des wachsenden Energiebedarfs von Rechenzentren, die den KI-Boom unterstützen, verstärkt. Dieser Bedarf hat einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur ausgelöst, einschließlich Energiespeicherbatterien und zugehörigen Stromversorgungsanlagen. Chinesische Industrieunternehmen stehen an der Spitze dieses Trends und erzielen sowohl auf dem Binnenmarkt als auch zunehmend durch Exporte Wachstum. Zudem nutzen chinesische Hersteller von Elektroautos ihren technologischen Vorsprung, um internationale Marktanteile zu erobern. Dieser Trend wird sich voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 fortsetzen.

Politische Veränderungen und innenpolitische Reformen: Viele Zentralbanken in den Schwellenländern haben ihre Geldpolitik weiter gelockert, um die Binnennachfrage zu stützen und umfassendere politische Ziele in Einklang zu bringen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend auch 2026 anhalten wird.

In China zielt die Anti-Involution-Kampagne darauf ab, übermäßigen Preiswettbewerb und industrielle Überkapazitäten einzudämmen. Es ist zwar noch zu früh, um den Erfolg dieser Initiative einschätzen zu können, dennoch könnte sie Anreize weg von margenschädigendem Wettbewerb lenken, insbesondere in Branchen, in denen die politische Kontrolle zunimmt. Für gut geführte Unternehmen könnte sich dadurch der Bedarf an defensiven Ausgaben zum Schutz des Marktanteils verringern, was wiederum die Gewinnqualität verbessern und im Laufe der Zeit eine rationalere Ressourcenallokation ermöglichen würde.

In Indien zeigt die konsumorientierte Politik offenbar Wirkung auf die neuesten Verbrauchstrends. 2026 sollten sich die Vorteile dieser Reformen stärker in den Unternehmensgewinnen bemerkbar machen.

In Lateinamerika ist Brasilien gut aufgestellt, um 2026 von einem günstigeren Zinsumfeld zu profitieren, obwohl die bevorstehenden Wahlen eine gewisse Marktvolatilität mit sich bringen könnten. Unterdessen profitiert Mexiko weiterhin von der Nearshoring-Dynamik und seiner strategischen Nähe zu den USA.

Handel, Zölle und Widerstandsfähigkeit: Die US-Zölle sind inzwischen größtenteils in Kraft, da die meisten Länder Handelsabkommen abgeschlossen haben. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags befinden sich einige Schwellenländer, darunter Brasilien und Indien, weiterhin in aktiven Handelsgesprächen mit den USA. Allerdings sind diese Volkswirtschaften vergleichsweise weniger exportabhängig als einige andere Länder und daher etwas besser vor direkten Zollschocks geschützt, sollten diese eintreten.4

Schwellenländeraktien haben bereits ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt, als sie sich von den ersten zollbedingten Turbulenzen im Jahr 2025 erholt haben. Diese Anpassungsfähigkeit – durch Umstellungen in der Lieferkette, die Umleitung des Handels und im Inland verankerte Wachstumstreiber – dürfte die Anlageklasse unserer Meinung nach weiterhin stützen.

Fazit: Unserer Überzeugung nach prägen vielversprechende langfristige Themen die Investmentlandschaft der Schwellenländer im Jahr 2026. Zu diesen Themen zählen die Führungsrolle in KI-bezogenen Lieferketten, Technologie, Digitalisierung, die Premiumisierung des Konsums und das Gesundheitswesen. Diese strukturellen Wachstumsbereiche, kombiniert mit unterstützenden Bewertungen in ausgewählten Schwellenländern, untermauern unseren zuversichtlichen Ausblick für 2026.

Marktkommentar: Viertes Quartal 2025

Schwellenländeraktien legten im letzten Quartal des Jahres 2025 zu. Die US-Notenbank nahm im Dezember ihre letzte Zinssenkung des Jahres vor und schuf damit weltweit günstige Rahmenbedingungen für Aktien. Der MSCI EM Index rentierte im Berichtsquartal mit 4,78 %, während der MSCI World Index um 3,20 % zulegte.5

Die asiatischen Schwellenländer konnten Gewinne verzeichnen, in den meisten Ländern stiegen die Aktienindizes. Indische Aktien schnitten im Berichtsquartal gut ab, auch wenn die Outperformance im Dezember aufgrund von Gewinnmitnahmen der Anleger nachließ. Die Inflation blieb verhalten, während die Wirtschaft im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ein kräftiges Wachstum von 8,2 % verzeichnete. Der Aktienmarkt Südkoreas wurde von seinen Automobilunternehmen und seinen beiden größten Halbleiterfirmen gestützt. Der erste Faktor war darauf zurückzuführen, dass die USA ihre Zölle auf Autoimporte senkten, der zweite auf Berichte über Vorhaben zur Produktionssteigerung. Eine weltweite KI-Rallye verlieh taiwanesischen Aktien Aufwind und ließ den Aktienindex des Landes steigen. Diese KI-Euphorie verhalf Taiwan im November zum höchsten Wachstum bei den Exportaufträgen seit fast fünf Jahren, da die Ausfuhren von Telekommunikations- und Technologieprodukten anhaltend hoch waren.

Chinesische Aktien gerieten unter Druck, nachdem das Politbüro einen zurückhaltenderen Ansatz für seine Konjunkturmaßnahmen im Jahr 2026 signalisiert hatte. Unser Portfoliomanager für chinesische Aktien fasste die Erklärung ziemlich prägnant zusammen: Es gab nichts Neues, aber mit nur 1.318 chinesischen Schriftzeichen war es die kürzeste Erklärung seit 2017. Unser Portfoliomanager deutete dies als einen bedächtigen Ansatz, vorerst noch keine Änderungen vorzunehmen.

Auch in europäischen Schwellenländern, dem Nahen Osten und Afrika tendierten Aktien insgesamt aufwärts und folgten damit dem allgemeinen Trend der globalen Aktienmärkte. Volatile Ölpreise schlugen sich in einem zurückhaltenden Ausblick für den Energiesektor nieder und übten einen gewissen Druck auf saudische Aktien aus. In Südafrika kühlte sich die Inflation im November zum ersten Mal seit drei Monaten ab, was die Erwartungen bestärkte, dass die Zentralbank die Zinsen 2026 weiter senken wird, selbst bei einem niedrigeren Inflationsziel.

Aktien in lateinamerikanischen Schwellenländern legten zu, angeführt von chilenischen Aktien aufgrund höherer Kupferpreise. Die mexikanische Zentralbank kürzte im Dezember die Zinsen und senkte ihren Leitzins auf 7 % und damit den niedrigsten Stand seit Juni 2022. Die brasilianische Wirtschaft schrumpfte im Oktober gegenüber dem Vormonat. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die kurzfristige Wirtschaftstätigkeit unter der straffen Geldpolitik abkühlt.



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