AUTOREN

Francis Gannon
Co-Chief Investment Officer, Managing Director

Chris Clark
Chief Executive Officer, Co-Chief Investment Officer & President, RFS
Waren Sie überrascht, dass Small Caps ihre Marktführerschaft seit dem Tiefstand Anfang April halten und behaupten konnten?
Francis Gannon: Nicht wirklich. Meines Erachtens sollten wir einen Blick auf die Geschichte werfen, die uns zeigt, dass sich Small- und Micro-Cap-Aktien nach einer Talsohle in der Regel am besten erholen, wie wir es vom Tiefpunkt am 8. April bis zum Ende des Jahres 2025 beobachten konnten. Bei der Beantwortung dieser Frage stütze ich mich einfach auf die Geschichte.
Jim Harvey: Es war eine gute Entwicklung. Es war eine Art Rallye, die von geringer Qualität getragen wurde, was aus Sicht der Geschichte ebenfalls typisch ist. Zahlreiche Micro Caps und Aktien von geringerer Qualität entwickelten sich sehr gut, als sie den Tiefpunkt vom April überwunden hatten.
Francis Gannon: Was typisch ist, nicht wahr? Wenn man die langfristige Geschichte und das, was wir über die historischen Wertentwicklungsmuster von Small und Micro Caps wissen, berücksichtigt, dann ist das so ziemlich ihr Verhalten, wenn sie die Talsohle hinter sich lassen.
Lauren Romeo: Der wichtigste Treiber für den Kursanstieg war meiner Meinung nach der Umschwung der Befürchtungen, die Small Caps überhaupt erst in den Bärenmarkt getrieben hatten. Der 8. April war der Höhepunkt des Pessimismus. Der Markt ging aufgrund des am „Tag der Befreiung“ vorgestellten neuen Zollsystems von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA aus. Als sich die folgenden Nachrichten über Zölle zunehmend positiv entwickelten (beispielsweise 90-tägige Umsetzungspausen, vorläufige Handelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern zu günstigeren Bedingungen) und sich die Erwartungen hinsichtlich der Wirtschaft wieder in Richtung Wachstum verschoben, war die Begeisterung der Anleger für Small Caps verständlich. Denn die Anlageklasse gilt oft als Indikator für den Zustand der Wirtschaft, da sie rund 80 % ihrer Einnahmen in den USA erzielt. Die absoluten und relativen Bewertungen von Small Caps sowie ihr Ausblick bezüglich des Gewinnwachstums bleiben im Vergleich zu Mid Caps und Large Caps ebenfalls attraktiver.
Chris Clark: Dem stimme ich zu. Meiner Einschätzung nach haben viele Unternehmen im dritten Quartal eine Wende beim Gewinnwachstum verzeichnet. Wir konnten eine deutliche Erholung gegenüber dem Tiefstand vom 8. April verzeichnen, aber robuste Gewinne trugen dazu bei, die Dynamik aufrechtzuerhalten, als die Berichtssaison für das dritte Quartal begann. Das starke Gewinnwachstum einiger Small und Micro Caps verhalf der gesamten Anlageklasse dazu, Renditen über denen von Large Caps zu erzielen.
Sehr beeindruckende Rendite von Micro Caps nach dem Markttief vom April
Renditen der Russell-Indizes, 08.04.2025–31.12.2025
Quelle: Russell Investments. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Wie stark haben sich die beiden Zinssenkungen Ihrer Meinung nach auf die Renditen von Small Caps ausgewirkt?
Chris Clark: Ich denke, sie hatten eine große Wirkung. Bisher haben wir gewissermaßen die Faktoren analysiert, die zur Rallye beigetragen haben. Ein weiterer wichtiger Aspekt war jedoch die Stärke, die Small Caps häufig in der Anfangsphase eines Zyklus sinkender Zinsen zeigen. Jim erwähnte, dass die Rallye von Titeln mit geringer Qualität geprägt war. Das bedeutet, dass stärker fremdfinanzierte, kapitalintensive Unternehmen tendenziell besser abschnitten, da sie aufgrund der niedrigeren Zinsen von einer Entlastung ihrer Kapitalstruktur profitierten.
Francis Gannon: Genau. Dennoch glaube ich nicht, dass Zinsen 2026 eine so große Rolle spielen werden. Ertragskraft und Qualität dürften die Wertentwicklung in einem sich verbreiternden Markt bestimmen, vor allem bei Small Caps.
Jim Harvey: Was Franks Argument betrifft, spricht unser Team bereits seit einem Jahr darüber. Wir hatten erwartet, dass 2025 das Jahr sein würde, in dem die Gewinne von Small Caps wirklich durchstarten würden. Nun sieht es eher so aus, als könnte 2026 das Jahr dafür sein. Was die Zinsen angeht, werden sie immer ein Hintergrundfaktor für den Markt sein, und manchmal sind die Marktteilnehmer meiner Meinung nach zu sehr auf sie fixiert. Es ist allerdings eine gute Nachricht, dass die Zinsen in die richtige Richtung gehen – aber es geht wirklich mehr um das Niveau. Viele kleinere Unternehmen waren in den letzten Jahren nicht in der Lage, sich zu einem angemessenen Zinssatz zu refinanzieren, weil der Markt und die Wirtschaft so unsicher waren. Aber ich denke, wir lassen dieses Narrativ der Unsicherheit allmählich hinter uns. Ich glaube nicht, dass die Zinsen 2026 weiter sinken müssen, obwohl sie das wahrscheinlich tun werden. Ich stimme Frank zu, dass das Gewinnwachstum 2026 ein viel wichtigerer Treiber für die Wertentwicklung von Small Caps sein wird.
Glauben Sie, dass die Zinsen weiter sinken müssen, damit sich Small Caps im Jahr 2026 besser entwickeln als Large Caps?
Lauren Romeo: Das glaube ich nicht. Die aktuellen Bewertungen von US-Small-Caps auf absoluter Basis sind weiterhin angemessen, und die Argumente für eine Rückkehr zum Mittelwert der relativen Bewertung gegenüber Large Caps sind nach wie vor überzeugend. Zudem haben Small Caps erst vor Kurzem eine mehr als zwei Jahre andauernde Gewinnrezession überwunden. Das erneute Gewinnwachstum bei Small Caps, das vor allem deutlich stärker ausfallen dürfte als bei Large Caps, könnte sich als entscheidender Auslöser für eine anhaltende Outperformance im Jahr 2026 erweisen.
Dürften Micro Caps, die seit den Tiefstständen im April die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung waren, Ihrer Prognose nach auch 2026 gut abschneiden?
Jim Harvey: Die Renditen von Micro Caps sind oft ein Risikobarometer. Sofern der Markt weiterhin ausreichend Liquidität aufweist und Risikobereitschaft besteht, sollten sich Micro Caps gut entwickeln. Es gibt einige höherwertige Micro Caps, und wenn sich der Markt weiter verbreitert, könnten mehr Micro Caps partizipieren.
Lauren Romeo: Angesichts der raschen Wertsteigerung und Ausweitung der Bewertungskennzahlen von Micro Caps im Jahr 2025 gehe ich davon aus, dass sich das Muster vergangener Small-Cap-Rallyes nach Tiefstständen wiederholen wird. Das würde bedeuten, dass die Führungsrolle innerhalb der Small Caps von eher spekulativen Titeln auf etabliertere, hochwertige Small-Cap-Unternehmen mit bewährten, nachhaltigen Geschäftsmodellen übergeht. Wie Jim sagte, gibt es hochwertige und aufstrebende hochwertige Micro Caps, die von diesem Wechsel an der Spitze profitieren können.
Sehen Sie alle in Gewinnen den Schlüssel dafür, dass Small Caps eine nachhaltige Marktführerschaft erreichen?
Francis Gannon: Definitiv. Ich denke, wir werden auch eine Rotation im Markt hin zu einer breiter angelegten Wertentwicklung beobachten können. Jim und Lauren können das wahrscheinlich besser beantworten, aber meines Erachtens wird sich die Führungsrolle von den Unternehmen, die künstliche Intelligenz (KI) anbieten, auf die Nutznießer von KI verlagern. Dazu werden viele Unternehmen gehören, die über die Mega-Cap-Titel hinausgehen. Unternehmen stehen in Bezug auf Produktivitätssteigerungen und Margenausweitung noch ganz am Anfang, sodass dies eine weitere Dimension der Gewinnerwartungen darstellt.
Jim Harvey: Das ist ein wirklich gutes Argument. Der Markt hat von Anfang an die offensichtlichen Nutznießer der KI bevorzugt, aber das wird sich ändern. Tatsächlich besitzen wir Unternehmen, die bereits von dieser frühen Phase profitiert haben. Das sind Unternehmen, die Komponenten liefern oder den Bau von Kraftwerken unterstützen, beim Ausbau des Stromnetzes helfen, die Infrastruktur errichten und alle anderen Technologien und industriellen Voraussetzungen schaffen, um KI zu ermöglichen. Dieser Weg wird sich fortsetzen, wie Frank bereits angemerkt hat. Das Gute daran ist meiner Meinung nach, dass bestimmte Unternehmen, die davon profitieren dürften, aufgrund der Vorstellung, dass KI alles ersetzen wird, unter Druck geraten sind. Sie haben also Beratungsunternehmen und Softwarefirmen, die gerade einen Abwärtstrend erleben. Aber wir sprechen mit vielen von ihnen und führen umfangreiche Recherchen und Analysen durch. Unserer Ansicht nach wird sich eine neue Perspektive herausbilden, die zeigt, dass diese Unternehmen tatsächlich von KI profitieren und wahrscheinlich eine höhere Rentabilität erzielen werden. Wir haben eine ähnliche Dynamik bereits zuvor bei Small Caps beobachtet, wo Marktbereiche stark unter Druck geraten sind, bevor andere Anleger erkennen, dass diese Unternehmen gut positioniert sein könnten, um von einer neuen Technologie zu profitieren, und diese Aktien dann in der Regel eine deutliche Erholung verzeichnen.
Das geschätzte Gewinnwachstum von Small Caps wird 2026 voraussichtlich höher sein als das von Large Caps
Wachstum des Gewinns je Aktie in einem Jahr
Quelle: FactSet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) wird berechnet als der Gewinn eines Unternehmens, geteilt durch die im Umlauf befindlichen Stammaktien. Die EPS-Wachstumsschätzungen sind die von Broker-Analysten vorausberechneten Schätzungen der mittleren zweijährigen EPS-Wachstumsrate. Bei den Schätzungen handelt es sich um den von FactSet übernommenen Durchschnitt der Schätzungen von Analysten aus Brokerunternehmen, die Analysen zu den Einzeltiteln erstellen. Nicht-Aktienwerte, Investmentgesellschaften und Unternehmen, die nicht von Broker-Analysten beobachtet werden, sind ausgeschlossen.
Wie groß ist die Rolle der KI?
Lauren Romeo: Um Mark Twain zu zitieren und mich den Aussagen von Frank und Jim anzuschließen: „Während des Goldrauschs ist es eine gute Zeit, im Spitzhacken- und Schaufelgeschäft tätig zu sein.“ OpenAI und seine Konkurrenten sorgen fast täglich für Schlagzeilen über die Milliarden von Dollar, die sie oder ihre Ökosystempartner aufgebracht haben, um kontinuierliche Investitionen in KI-Modelle, Rechenleistung, Rechenzentrumskapazität usw. zu finanzieren.
Manche Unternehmen haben bereits von diesen Ausgaben profitiert, da sie differenzierte Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die die Entwicklung der KI und den Ausbau der KI-bezogenen Infrastruktur entscheidend vorantreiben. Einige Beispiele hierfür sind ein duopolistischer Anbieter von hochentwickelten Prüfkarten, die für das Testen komplexer Speicherchips und GPUs mit hoher Bandbreite unerlässlich sind, ein Hersteller kritischer Infrastrukturprodukte, der ein marktbeherrschender nationaler Anbieter von hochtechnisierten Versorgungsstrukturen ist, die Versorger benötigen, um ihre Netze abzusichern und angesichts des steigenden Lastwachstums (teilweise durch KI-Rechenzentren) die Übertragung höherer Spannungen auszubauen, ein spezialisierter Infrastrukturdienstleister, der eine wichtige Rolle bei der Standortvorbereitung für unternehmenskritische Bauprojekte wie Rechenzentren und Halbleiterfabriken spielt, und ein führendes Ingenieur- und Beratungsunternehmen, das Kunden mit Fachwissen bei der Integration von maschinellem Lernen und KI in ihre Systeme und Produkte unterstützt und ihnen hilft, auftretende Herausforderungen und Streitigkeiten zu meistern.
Gibt es Ihrer Meinung nach einen noch unzureichend erforschten Aspekt in der KI-Story bestimmter Unternehmen, die bereits abgeschrieben wurden, die aber tatsächlich von KI profitieren werden?
Jim Harvey: Wir haben diese Dynamik bei IT-Dienstleistern beobachtet, die in Zeiten technologischer Umbrüche in der Vergangenheit sehr gut abgeschnitten haben. Das ist wahrscheinlich die dritte oder vierte Phase technologischer Disruption, die wir seit meiner Tätigkeit in der Branche erleben. In jedem Fall sind diese IT-Dienstleister gestärkt und besser als zuvor daraus hervorgegangen. Die neueren Fälle sind besonders spannend, weil der Markt sagt, dass Unternehmen einfach keine Hilfe bei der Nutzung von KI brauchen, was für mich total verrückt klingt. Nun könnten sich die Geschäftsmodelle dieser Firmen ein wenig ändern. Sie benötigen möglicherweise weniger Mitarbeiter, was verständlich ist, aber diese Firmen investieren bereits seit zehn Jahren in KI und diese Art von Kompetenzen. Daher sind sie unserer Meinung nach bestens positioniert, um Unternehmen zu unterstützen. Aber wenn Sie sich die Aktienkurse ansehen, stimmt uns der Markt nicht zu.
Angesichts der großen Aufmerksamkeit, die KI derzeit geschenkt wird, welche weniger beachteten Bereiche des Marktes halten Sie für vielversprechend?
Lauren Romeo: Wir konzentrieren uns auf nachhaltige Geschäftsmodelle mit hoher Kapitalrendite, die unserer Meinung nach zu angemessenen Bewertungen gehandelt werden. In den letzten Monaten haben wir in mehreren Sektoren, darunter Basiskonsumgüter, und in verschiedenen Branchen wie gewerbliche und professionelle Dienstleistungen, Transportwesen und Kapitalmärkte Unternehmen mit diesen Merkmalen zu angemessenen Bewertungen gefunden.
Jim Harvey: Vor Kurzem haben wir einige Titel aus dem Bereich Nicht-Basiskonsumgüter ergänzt, die offenbar aufgrund von Zollbedenken übermäßig abgestraft wurden. Ein Thema, das in den Medien kaum Beachtung gefunden hat, ist, dass das Schicksal der Zölle in den Händen des Obersten Gerichtshofs liegt und wir bald mit einer Entscheidung rechnen können. Das könnte eine Entscheidung sein, die den Markt in Bewegung bringt, wenn das Gericht feststellt, dass die Zölle in ihrer jetzigen Form rechtswidrig sind, und möglicherweise Rückerstattungen anordnet. Das könnte für viele Unternehmen ein unerwarteter Gewinn sein und dazu beitragen, die Einstellung der Verbraucher zu ändern, die trotz recht robuster Ausgaben weiterhin negativ ist. Auch über die potenziell positiven Auswirkungen des Gesetzes „Big Beautiful Bill“ wird nicht wirklich viel gesprochen, obwohl die meisten unserer Unternehmen das Thema in den letzten beiden Quartalen zunehmend aufgegriffen haben. Ich denke, die Auswirkungen von Steuererleichterungen und Ausgabenanreizen werden sich im Laufe des Jahres 2026 wirklich bemerkbar machen, und Small Caps könnten davon erheblich profitieren.
Wir haben auch unsere Aktivitäten im Energiesektor und in Bereichen des Gesundheitswesens außerhalb von Biopharma verstärkt, die die Wertentwicklung von Small Caps im Jahr 2025 maßgeblich geprägt haben, sowie in Segmenten, in denen Unternehmen von KI-bezogenen Ausgaben profitiert haben. Insofern es zu einer Verbreiterung der Renditen kommt, sind wir aus unserer Sicht gut positioniert, um das zu erfassen.
Da Private Equity, alternative Anlagen und Dual-Class-Aktien zunehmend als Anlageoptionen für normale Privatanleger angepriesen werden, was spricht Ihrer Meinung nach für Small Caps gegenüber diesen Optionen?
Lauren Romeo: Ich würde sagen, dass hochwertige Small Caps – beispielsweise Unternehmen mit hoher Kapitalrendite (ROIC), geringer Verschuldung und bewährtem Management – Anlegern langfristig attraktive jährliche Gesamtrenditen bei geringerem Risiko als die Benchmark geboten haben, aber auch eine höhere Liquidität, geringere Verschuldung und niedrigere Gebühren als Private-Equity-Investitionen.
Zudem sind Small Caps insgesamt seit über zehn Jahren gegenüber Large Caps weniger beliebt, was sowohl hinsichtlich der Bewertung als auch der Wertentwicklung erhebliches Potenzial für eine Rückkehr zum Mittelwert der Anlageklasse geschaffen hat. Umgekehrt könnten die Renditen von Privatkapital, insbesondere von Private Equity, angesichts der Flut von Kapitalbeschaffungsmaßnahmen und neuer Wettbewerber in den letzten zehn Jahren, der Normalisierung der Zinsen und verzögerter Exits für Portfoliobeteiligungen ihren Höhepunkt erreicht haben. Wie Frank bereits erläutert hat, profitieren Small Caps vom „Exit-Problem“ bei Private Equity. Wir haben gesehen, dass Private-Equity-finanzierte Unternehmen 2025 zu Multiplikatoren unterhalb ihrer eigenen und weit unterhalb ihrer Branchendurchschnitte erworben wurden.
Schließlich zeigen die neuesten Daten zwar, dass die weltweiten Reserven an einsatzbereitem Private-Equity-Kapital gegenüber ihrem Höchststand um über 5 % zurückgegangen sind, dennoch stehen noch immer mehr als 2,1 Bio. USD an nicht gebundenem Kapital zur Verfügung. Ein Teil davon wird wahrscheinlich zum Einsatz kommen, da börsennotierte Unternehmen, einschließlich Small Caps, weiterhin eine Quelle für Private-Equity-Akquisitionen darstellen. Unserer Auffassung nach bleiben Unternehmen im hochwertigen Segment attraktive Ziele, da sie über Finanz- und Geschäftsmodelle verfügen, die den Anforderungen privater (und strategischer) Anleger entsprechen. Der hohe Anteil unrentabler Small-Cap-Unternehmen im Russell 2000 Index sorgt oft für Schlagzeilen. Allerdings verdeckt diese Statistik den großen Pool an hochwertigen Small Caps, die durchweg überdurchschnittliche Kapitalrenditen, einen soliden freien Cashflow und starke Bilanzen aufweisen. Wie ihre Large-Cap-Pendants zeichnen sich auch diese Small Caps durch einzigartige und nachhaltige Wettbewerbsvorteile aus, die es ihnen ermöglichen, durch Reinvestitionen in das Geschäft oder anorganische Wachstumschancen attraktive Renditen für ihre Aktionäre zu erzielen.
Die US-Wirtschaft sendet weiterhin uneinheitliche Signale. Was denken Sie über die Wirtschaft, und wie wirkt sich diese Ungewissheit auf die Portfoliopositionierung aus?
Jim Harvey: Ich bin ziemlich optimistisch, was die Wirtschaft angeht. Die Weltmeisterschaft kommt nach Nordamerika, wobei elf amerikanische Städte in allen Regionen des Landes als Austragungsorte fungieren. Das erzeugt und wird auch weiterhin eine Menge Wirtschaftstätigkeit im ganzen Land erzeugen, einschließlich einer großen Zahl von Touristen, die zum Besuch der Spiele anreisen werden. Im Juli feiern wir außerdem den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit, was für die USA ein weiterer Grund zum Feiern ist. Diese Ereignisse dürften dazu beitragen, das Verbrauchervertrauen zu stärken, was ein zusätzlicher Grund dafür ist, dass wir weitere Titel aus dem Bereich Nicht-Basiskonsumgüter hinzugefügt haben.
Chris Clark: Anknüpfend an Jims Ausführungen könnten wir 2026 eine „Goldlöckchen“-Wirtschaft und einen entsprechenden Markt haben. Die Kombination aus Staatsausgaben, sinkender Inflation, niedrigeren Zinsen, einer Erholung des Immobilienmarktes und Gewinnwachstum kann die Aktienkurse wirklich in die Höhe treiben und die Wirtschaft wachsen lassen. Einige offensichtliche geopolitische Situationen können das Wachstum belasten, insbesondere in Venezuela und der Ukraine, aber in den nächsten zwölf Monaten kann vieles gut laufen.
Lauren Romeo: Das Gute am Ansatz des Unternehmenskäufers ist, dass wir dabei als Unternehmensanalysten und nicht als Makroökonomen auftreten müssen. Wir sind uns zwar bewusst, dass sich verschiedene Wirtschaftsfaktoren auf unsere einzelnen Beteiligungen auswirken können, bewerten Unternehmen jedoch in erster Linie anhand ihrer langfristigen Cashflow-Stärke über den gesamten Zyklus hinweg (d. h. über Hoch- und Tiefphasen). Hochwertige Unternehmen zeichnen sich oft durch ihre „Allwettertauglichkeit“ aus. Ihre starken Bilanzen und die relativ vorhersehbare Generierung von freiem Cashflow ermöglichen es ihnen, nicht nur schwierige wirtschaftliche Zeiten zu überstehen, sondern auch in die Offensive zu gehen und schwächeren Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen oder diese Akteure aufzukaufen. In historisch gesehen typischeren Phasen des Wirtschaftswachstums wachsen hochwertige Unternehmen tendenziell stärker als ihre Märkte, da sie oft einzigartige und differenzierte Dienstleistungen oder Produkte anbieten, die für den Erfolg ihrer Kunden entscheidend sind oder langfristige Nachfrageimpulse setzen.
Francis Gannon: Ich denke, dass die Marktteilnehmer einen wichtigen Aspekt des Bundeshaushaltsgesetzes noch nicht ausreichend berücksichtigen, das nun eine Abschreibung von 100 % zulässt und somit 2026 einen robusten Investitionszyklus in Gang setzen könnte. Es wird interessant sein zu sehen, was die Unternehmen getan haben, wenn die Ergebnisse für das vierte Quartal veröffentlicht werden. Es könnte auch zu einer deutlichen Senkung der Körperschaftssteuersätze kommen, was meiner Meinung nach für Small Caps sehr vorteilhaft sein wird. Hinzu kommen noch die Deregulierung, ein oder zwei weitere Zinssenkungen der Fed, mögliche Zollentlastungen, Reshoring und die Gewinnentwicklung. Ich denke, damit haben wir eine wirklich gesunde Wirtschaft, die auch die ohnehin schon solide Performance von Small Caps weiter verbessern dürfte.
Wie sehen Sie den Ausblick auf das Jahr 2026?
Jim Harvey: Wir überprüfen regelmäßig unsere Wertthemen, was uns hilft, zu begründen, warum wir unsere Positionen beibehalten. Wir haben festgestellt, dass es einfach viele Unternehmen gibt, die angesichts ihres Ertragspotenzials unserer Meinung nach nicht angemessen bewertet sind, und wir glauben, dass ein Großteil dieses Potenzials in Kürze vom breiteren Markt erkannt werden wird. Eine der wichtigsten Beobachtungen ist, dass trotz der neuen Höhenflüge des Russell 2000 Index immer noch Marktsegmente existieren, die diesen Aufschwung nicht mitgemacht haben, was normalerweise bei Kursanstiegen der Fall ist. Es gibt fast immer interessante Gelegenheiten zu Preisen, die wir für sehr günstig halten. Ich habe vorhin über das Gesundheitswesen gesprochen. Dieser Sektor ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir das kommende Jahr sehen. Bei Small Caps gibt es viele Unternehmen außerhalb des Biopharma-Segments, die uns sehr interessant erscheinen. Wir gehen davon aus, dass es in diesem Sektor zu einer Rotation kommen wird, und unsere Aufgabe ist es, dieser Rotation zuvorzukommen, damit unsere Anleger später davon profitieren können.
Das größte unserer vier Anlagethemen derzeit ist unterbewertetes Wachstum, wo wir viele Unternehmen sehen, die aufgrund ihres niedrigen Kurs-Umsatz-Verhältnisses und Kurs-Buchwert-Verhältnisses gute Aussichten bieten. Wir haben mit Managementteams und Analysten gesprochen, die unsere Ansicht teilen, dass diesen Unternehmen Wachstum bevorsteht, auch wenn der Markt dies noch nicht so sieht. Das gibt uns zahlreiche Chancen, unserer Meinung nach großartige Wachstumsunternehmen zu wirklich günstigen Preisen zu kaufen.
Lauren Romeo: Angesichts der starken Multiplikatorausweitung bei Small Caps mit niedrigerer Qualität, wie beispielsweise Unternehmen mit geringer Kapitalrendite (ROIC), keinen Gewinnen und/oder eher spekulativen Profilen, wäre es nicht überraschend, wenn die Führung bei Small Caps erneut ihrem historischen Muster folgt und sich auf Unternehmen mit höherer Qualität verlagert. Wir glauben, dass viele unserer Portfoliounternehmen 2025 einen messbaren wirtschaftlichen Wert geschaffen haben, der sich nicht vollständig in ihren Aktienkursen widerspiegelte. Diese Diskrepanz bei der Bewertung dürfte zusammen mit dem zunehmenden Wachstum, das durch nachhaltige Geschäftsmodelle mit identifizierbaren, hochrentablen Reinvestitionsmöglichkeiten gestützt wird, zu einer weiteren Wertsteigerung führen und schafft damit attraktive Voraussetzungen für hochwertige Small Caps im Jahr 2026.
Francis Gannon: Ich bin sehr zuversichtlich, da wir meiner Einschätzung nach ein nahezu perfektes Zusammentreffen von attraktiven, günstigen Bewertungen und hoher Unternehmensqualität beobachten können. Wenn Sie das alles zusammennehmen, profitieren Sie letztendlich von mehreren wunderbaren Eigenschaften, über die Lauren und Jim jeweils gesprochen haben. Ich möchte hinzufügen, dass Eigenschaften wie unternehmerisches Wachstum, Innovation, Automatisierung und langfristiger Wertzuwachs in vielen Fällen vom Markt insgesamt noch nicht erkannt werden. Das hat eine sehr attraktive Gelegenheit geschaffen, was mich zu der Überzeugung bringt, dass 2026 ein spannendes Jahr für die Anlageklasse und insbesondere für das aktive Management von Small Caps werden könnte.
Definitionen
Der Russell 2000 Index ist ein Index für inländische Small-Cap-Aktien, der die Wertentwicklung der 2.000 kleinsten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index misst.
Eine niedrige Kapitalrendite (ROIC) weist im Allgemeinen darauf hin, dass ein Unternehmen sein Kapital nicht effizient zur Erzielung von Gewinnen einsetzt und möglicherweise Wert für Anleger vernichtet. Ein Unternehmen mit niedriger ROIC hat oft Schwierigkeiten, sein langfristiges Wachstum aufrechtzuerhalten, und weist einen Wettbewerbsnachteil auf.
Eine Goldlöckchen-Wirtschaft ist ein idealer, aber in der Regel vorübergehender makroökonomischer Zustand, der „genau richtig“ ist – weder überhitzt (was zu hoher Inflation führt) noch unterkühlt (was das Risiko einer Rezession birgt).
Die „Picks and Shovels“ (Spitzhacken und Schaufeln) für KI beziehen sich auf die Unternehmen und Sektoren, die nicht die den Verbrauchern angebotenen KI-Anwendungen selbst, sondern die grundlegenden Werkzeuge, Infrastrukturen und Dienstleistungen bereitstellen, die für die Entwicklung und den Betrieb von KI erforderlich sind.
Investitionsausgaben (CapEx) beziehen sich auf Ausgaben zur Investition in langfristige Vermögenswerte (Anlagevermögen). Dazu gehören neue Gebäude, Maschinen und andere Ausrüstung, die für die laufende Geschäftstätigkeit eines Unternehmens benötigt werden. Die meisten Unternehmen nutzen für ihre langfristigen Investitionen CapEx-Finanzierungen.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Renditen nicht gemanagter Indizes nicht berücksichtigt.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden.
Rohstoffe und Währungen sind mit erhöhten Risiken verbunden, zu denen unter anderem Marktrisiken und politische Risiken, das Regulierungsrisiko sowie Risiken im Zusammenhang mit naturgegebenen Bedingungen gehören, sodass sie unter Umständen nicht für alle Anleger geeignet sind.
Die Risiken und die Volatilität bei Small-Cap- und Mid-Cap-Aktien sind größer als bei Large-Cap-Aktien.
US-Staatsanleihen (Treasuries) sind direkte Schuldverschreibungen, die von der US-Regierung begeben werden und durch ihre uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit abgesichert sind. Die US-Regierung garantiert die Kapital- und Zinszahlungen auf US-Staatsanleihen, wenn die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Im Gegensatz zu US-Staatsanleihen sind Schuldtitel, die von Bundesbehörden und Gebietskörperschaften begeben werden, sowie damit verbundene Anlagen nicht unbedingt durch die uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit der US-Regierung abgesichert. Selbst wenn die US-Regierung die Kapital- und Zinszahlungen auf Wertpapiere garantiert, betrifft diese Garantie keine Verluste, die auf einen Rückgang des Marktwerts dieser Wertpapiere zurückzuführen sind.
Alle Unternehmen und/oder Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich der Veranschaulichung. Eine entsprechende Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sind kein Hinweis auf Handelsabsichten eines durch Franklin Templeton verwalteten Portfolios. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Die in diesem Artikel genannten Daten und Zahlen stammen von Russell Investments, FactSet, Bloomberg und Reuters.
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