Zum Inhalt springen

Kim Catechis vom Franklin Templeton Institute hat kürzlich mit Murali Yerram, Portfoliomanager bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity, und Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton ETFs EMEA, über die Dynamik der Wahlen in Indien, erste Trends, mögliche Herausforderungen und bevorstehende Entwicklungen diskutiert. Hier erläutert er die Punkte, die ihm am wichtigsten erschienen.

  • Eine beispiellose Chance. Der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt scheinen sich derzeit beispiellose Möglichkeiten zu bieten. Indien gehört derzeit (nach der Klassifizierung der Weltbank) zu den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, könnte aber in den nächsten zehn Jahren sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf verdoppeln und damit den Status eines Landes mit hohem bis mittlerem Einkommen erreichen.
  • Politische Kontinuität ist der Schlüssel. Murali betont, dass seiner Meinung nach die Kontinuität in der Politik die Grundlage für Indiens Wachstumschancen ist. In den letzten zehn Jahren habe die Regierung ihre politischen Rahmenbedingungen und Reformen bereits im Detail ausgearbeitet, und in den nächsten 15 bis 20 Jahren werde es wahrscheinlich darum gehen, die Früchte dieser Maßnahmen und Reformen zu ernten. Das wichtigste Ergebnis dieser und der nächsten Wahl im Jahr 2029 sei politische und inhaltliche Kontinuität. Andererseits sei die Aufrechterhaltung dieser Kontinuität auch die größte Herausforderung für die längerfristigen Wachstumsaussichten des Landes. Ein Regierungswechsel und mangelnde politische Kontinuität würden diese Entwicklung gefährden. Die bisher vorliegenden Daten zu den Wahlen 2024 deuten darauf hin, dass die Regierung von Premierminister Narendra Modi mit großer Mehrheit wiedergewählt wird, was politische Kontinuität gewährleisten könnte.
  • Indiens Öffnung zum Freihandel. Indien hatte im Handel schon immer etwas sehr Wichtiges zu bieten, nämlich einen riesigen Binnenmarkt. Dementsprechend haben die aufeinanderfolgenden Regierungen der letzten Jahre mit Argusaugen darauf geachtet und Industriezweige durch Beschränkungen für ausländisches Eigentum und Einfuhrzölle für ausländische Produkte geschützt. Kim stellt fest, dass der schnellste und effektivste Katalysator, den ein Land seiner Wirtschaft geben kann, darin besteht, seine Grenzen zu öffnen und so viel Freihandel wie möglich zu betreiben – trotz der unvermeidlichen kurzfristigen Schmerzen, die ineffiziente Industrien erleiden werden.
  • Fortschritte bei Handelsabkommen. Marcus ist der Ansicht, dass Fortschritte bei den Freihandelsabkommen den Schlüssel für künftige Chancen bilden und dass die kumulativen Vorteile selektiver Abkommen für Indien in Zukunft einen großen Unterschied machen können. Die Regierung hat Handelsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Australien und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) unterzeichnet. Sie steht außerdem kurz vor dem Abschluss eines Handelsabkommens mit dem Vereinigten Königreich und verhandelt aktuell mit der Europäischen Union (EU). Noch wichtiger ist, dass die Regierung den indischen Privatsektor in die Konsultationen zu den Handelsabkommen einbezieht, da internationale Unternehmen offenbar sehr daran interessiert sind, nach Abschluss dieser Abkommen in Indien zu investieren und dort Produktionsstätten zu errichten.
  • Mögliche geopolitische Spannungen. Geopolitische Fragen mit einigen seiner Nachbarn bleiben eine zentrale Herausforderung für Indien. Das Land könnte auch in den kommenden Jahren von seiner Kernphilosophie der Blockfreiheit profitieren, in deren Rahmen es versucht, keine Partei zu ergreifen. Im Laufe der Zeit könnte es jedoch gezwungen sein, sich zu einer Seite zu bekennen. Indien unterhält Beziehungen zu Russland, die auf der Beschaffung von Rüstungsgütern und dem Bezug von billigem Öl beruhen, und strebt ein einigermaßen gutes Verhältnis zu China an. Obwohl die Regierung nicht offen Partei für die USA oder Russland ergreift, glaubt Murali, dass sie dazu tendiert, sich an die USA anzulehnen.
  • Herausforderungen durch Öl- und Lebensmittelpreise. Indien ist ein Ölimportland, so dass ein Anstieg der Ölpreise wahrscheinlich entsprechende Auswirkungen auf die Inflation und in geringerem Maße auch auf die Außenhandelsbilanz der Wirtschaft haben würde. Ein großer Teil des indischen Verbraucherpreisindexes basiert auf den Lebensmittelpreisen, und die indische Landwirtschaft ist stark von den jährlichen Monsunregenfällen abhängig. Murali weist darauf hin, dass Indien diese Erfahrung bereits Anfang der 2000er Jahre gemacht hat, als es mehrere Jahre hintereinander unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gab. Sollte dieses Szenario eintreten, würde die Inflation zum Problem werden. Das Handelsbilanzdefizit stellt nach Ansicht von Murali wahrscheinlich ein geringeres Problem als die Inflation dar. Indiens Exporte sind gestiegen und das Handelsbilanzdefizit hat sich verbessert. Indien ist ein Nettoexporteur von Mobiltelefonen, und die Exporte von Software und anderen Dienstleistungen haben stark zugenommen. Internationale Unternehmen errichten globale Lieferzentren in Indien, und dieser Trend könnte sich noch verstärken.
  • Die Bewertungen an den Aktienmärkten spiegeln hohe Wachstumserwartungen wider. Unserer Analyse zufolge erscheinen indische Aktien im Vergleich zu historischen Niveaus voll oder hoch bewertet, und viele internationale Anleger fragen sich, ob diese aktuellen Bewertungen gerechtfertigt sind. Marcus weist auf eine Reihe von Faktoren hin, die die Bewertungen stützen. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern profitiert Indien von einer geopolitischen Prämie, d. h. es wird als Land mit einem geringeren geopolitischen Risiko angesehen und ist daher höher bewertet. Die Bewertungen chinesischer Aktien hingegen sind teilweise deshalb gesunken, weil internationale Anleger einen Abschlag zur Berücksichtigung der geopolitischen Risiken verlangt haben. Der starke lokale Markt, an dem Privatanleger partizipieren und für die Zukunft sparen, stützt unseres Erachtens ebenfalls die Bewertungen indischer Werte. Eines der Hauptargumente für die hohen Bewertungen sind das hohe Wachstum und die Wachstumserwartungen für den Aktienmarkt. Und genau hier liegt die Herausforderung. Die aktuellen Bewertungen basieren auf starkem Wachstum und hohen Unternehmensgewinnen. Sollten sich an der Wachstumsfront Risse bilden, bestünde die Gefahr, dass die Bewertungen an den Aktienmärkten sinken. Bei politischer Kontinuität sieht Marcus jedoch nur ein geringes Risiko, dass Indien nicht in der Lage sein wird, die Wachstumserwartungen zu erfüllen, was sich auch am Aktienmarkt widerspiegelt. Murali ist außerdem der Ansicht, dass Indien sein starkes Wirtschaftswachstum in diesem Zyklus sehr viel länger aufrechterhalten kann.
  • Für die Europäische Union (EU) haben die Wahlen in Indien keine wesentlichen Auswirkungen. Da es Anzeichen dafür gibt, dass die indische Regierung mit einer ähnlichen Mehrheit im Amt bleiben wird, kann sich Europa auf eine Fortsetzung der konstruktiven Beziehungen zur indischen Regierung und eine größere Offenheit für europäische Unternehmen freuen. Allerdings stehen im Juni auch in der EU Wahlen an, und aus indischer Sicht könnte die größte Veränderung darin bestehen, dass sich die EU stärker nach innen wendet und das EU-Parlament möglicherweise keine umfassenden Freihandelsabkommen mit weitreichendem Marktzugang anstrebt.

Wie bereits erörtert, hängen die Argumente für eine Anlage in Indien vor allem von politischer Kontinuität und weiteren Reformen ab. Wenn diese Wahl tatsächlich politische Kontinuität bringt und die neue Regierung politische Reformen umsetzt, dürfte Indien weiterhin potenzielle Anlagechancen für internationale Investoren bieten. 

Stephen Dover, CFA
Chief Investment Strategist
Head of Franklin Templeton Institute



Wichtige Hinweise

Bitte beachten Sie, dass es sich bei diesem Dokument um werbliche Informationen allgemeiner Art und nicht um eine vollständige Darstellung bzw. Finanzanalyse eines bestimmten Marktes, eines Wirtschaftszweiges, eines Wertpapiers oder des/der jeweils aufgeführten Investmentfonds handelt. Franklin Templeton Investments veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlungen. SICAV-Anteile dürfen Gebietsansässigen der Vereinigten Staaten von Amerika weder direkt noch indirekt angeboten oder verkauft werden.

Ihre Anlageentscheidung sollten Sie in jedem Fall auf Grundlage des aktuellen Verkaufsprospektes, der jeweils relevanten „Basisinformationsblatt“ (KID) sowie des gültigen Rechenschaftsberichtes (letzter geprüfter Jahresbericht) und ggf. des anschließenden Halbjahresberichtes treffen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage für Kaufaufträge dar.

Für eine Anlageberatung wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Berater. Gerne nennen wir Ihnen einen Berater in Ihrer Nähe. Die vorgenannten Unterlagen finden Sie auch auf unserer Homepage in Deutschland unter franklintempleton.de/fondsdokumente bzw. in Österreich unter franklintempleton.at/fondsdokumente oder Sie erhalten diese kostenlos bei Franklin Templeton International Services S.à r.l. Niederlassung Deutschland, Postfach 11 18 03, 60053 Frankfurt a. M., Mainzer Landstraße 16, 60325 Frankfurt a. M., Tel. 08 00/0 73 80 01 (Deutschland), 08 00/29 59 11 (Österreich), Fax: +49(0)69/2 72 23-120. 
[email protected]

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.