AUTOREN

Dina Ting, CFA
Head of Global Index Portfolio Management,
Franklin Templeton ETFs
Der Jahreswechsel ist für Anleger oft ein Anlass, ihre Prioritäten zu überdenken. Nach mehreren Jahren mit ungleichmäßigem Wachstum, sich verändernden Zinserwartungen und einer großen Streuung über die Märkte hinweg hat 2026 mit einer neuen Dringlichkeit rund um eine bekannte Frage begonnen: Was sollen unsere Portfolios jetzt für uns leisten?
Diese Frage wird derzeit vielfach gestellt. Allein im Jahr 2025 verzeichneten börsengehandelte Fonds (ETFs) weltweit Nettozuflüsse in Höhe von rund 2,24 Bio. USD und stellten damit nicht nur bei den Zuflüssen, sondern auch beim Handelsvolumen und bei den Neuauflegungen Rekorde auf.1 Dieses Wachstum unterstreicht, wie fest sich ETFs als primäres Instrument für Portfolioveränderungen etabliert haben – angetrieben durch sich wandelnde Marktbedingungen und eine steigende Nachfrage nach klareren Anlageergebnissen. Da sich Vermögenswerte weiterhin in ETF-Strukturen konzentrieren, ist es nicht mehr entscheidend, ob Anleger ETFs nutzen, sondern wie sie diese nutzen.
ETFs, die seit Langem für ihre Liquidität, Transparenz und einfache Umsetzung geschätzt werden, werden zunehmend präziser eingesetzt, da sich der Schwerpunkt beim Aufbau von Portfolios vom Zugang zur Zielsetzung verlagert. Neben dem anhaltenden Interesse an aktiv verwalteten ETFs haben auch thematische Investments an Bedeutung gewonnen. Damit verbunden ist eine wiedererstarkte Wertschätzung systematischer, regelbasierter Aktienstrategien, die oft nicht nur darauf ausgelegt sind, Märkte nachzubilden, sondern auch darauf, Ergebnisse zu beeinflussen.
Unserer Ansicht nach kann die Ausrichtung thematischer Engagements auf bestimmte Ziele oder Faktoren dazu beitragen, eine übermäßige Korrelation einzudämmen und Anlegerziele klarer und disziplinierter zum Ausdruck zu bringen.
Innovationen bei der Indexgestaltung haben die Möglichkeiten regelbasierter Strategien bedeutend erweitert und ermöglichen es Anlegern, über ein einfaches Marktengagement hinauszugehen und ein gezielteres, ergebnisorientiertes Portfoliomanagement zu betreiben. Unabhängig davon, ob das Ziel geringere Volatilität, höhere risikobereinigte Renditen, bessere Erträge oder ein zielgerichtetes Faktor- und Sektorengagement ist, können Multi-Faktor-ETFs als bewusste Portfolioinstrumente für die Kern-Vermögensallokation geeignet sein. Vor allem bieten diese Ansätze ein Maß an Disziplin und Transparenz, das durch diskretionäre Entscheidungen nur schwer aufrechtzuerhalten ist, insbesondere in Zeiten erhöhter Marktstreuung.
Dieser Wandel zeigt sich besonders deutlich bei Smart-Beta-Aktien-ETFs. Im vierten Quartal 2025 beliefen sich die weltweiten Nettozuflüsse in solche Fonds mit US-Notierung auf gut 69 Mrd. USD, was einem Anstieg von rund 41 % gegenüber dem Vorquartal entspricht.2 Das war die größte Steigerung im Quartalsvergleich, die im Laufe des Jahres verzeichnet wurde, und die Kulmination der zunehmend stärkeren Zuwächse zu Beginn des Jahres 2025. Insbesondere zeigten Anleger eine starke Nachfrage nach internationalen Dividenden-ETFs, vor allem nach ausländischen Large-Cap-Value-Strategien. Das deutet auf eine Präferenz für Erträge, Bewertungsunterstützung und Diversifizierung außerhalb der USA hin.3 Unseres Erachtens unterstreicht es das wachsende Interesse der Anleger an regelbasierten Aktienstrategien, die Portfolios eher auf bestimmte Faktoren als auf ein breites Marktengagement ausrichten.
Wir beobachten außerdem, dass sich Anleger verstärkt darauf fokussieren, anhaltende Herausforderungen in ihren Portfolios – wie Konzentrationsrisiken und Drawdown-Sensitivität – durch eine systematische Gestaltung statt durch reaktive Positionierung anzugehen.
Regelbasierte thematische ETFs bieten eine praktische Möglichkeit, diese Perspektive zum Ausdruck zu bringen. Nehmen wir beispielsweise nachhaltigkeitsorientierte Strategien. Die ersten Generationen von kohlenstoffarmen Investitionen konzentrierten sich oftmals nur auf Ausschlüsse, indem sie das Engagement in den größten Verursachern auf Grundlage historischer Daten reduzierten. Die heutigen Ansätze sind differenzierter. Anleger tendieren zunehmend zu systematischen Rahmenwerken, die nicht nur die aktuelle CO2-Bilanz eines Unternehmens bewerten, sondern auch dessen Bereitschaft zum Wandel, die Exposition gegenüber physischen Klimarisiken und die Anpassungsfähigkeit.
Eine ähnliche Logik liegt auch der Attraktivität ertragsorientierter Aktienstrategien zugrunde. In einem von Volatilität und unsicherem Wachstum geprägten Umfeld ist Resilienz heute ein ausdrückliches Portfolioziel und nicht mehr nur ein erwartetes Ergebnis. Dividendenorientierte ETFs werden immer häufiger nicht allein zur Erzielung von Renditen eingesetzt, sondern auch als Mittel zur Gestaltung des Rendite-Risiko-Profils. Historisch gesehen haben sie den Schwerpunkt auf Cashflow-Stabilität, Bilanzstärke und Widerstandsfähigkeit gegenüber Abschwüngen gelegt.
2025 wurde die Marktführerschaft der Faktoren bei Mid Caps knapp durch Dynamik bestimmt, was diversifizierten Multi-Faktor-Strategien Gegenwind bereitete, da Qualität und geringe Volatilität hinterherhinkten. Die Marktbreite verbesserte sich Ende 2025 und Anfang 2026 und die Partizipation weitete sich über Mega-Cap-Wachstumswerte hinaus aus. Solche Rahmenbedingungen haben in der Vergangenheit eher die Fundamentaldaten von Mid Caps und ein diversifiziertes Faktorengagement begünstigt.
Unserer Einschätzung nach bleibt das Konzentrationsrisiko in vielen Aktienportfolios weiterhin erhöht. Das unterstreicht für uns die Bedeutung von Multi-Faktor-Strategien für Mid Caps als Möglichkeit zur Diversifizierung des Aktienengagements. Multi-Faktor-Ansätze sind weiterhin auf Konsistenz über verschiedene Zyklen hinweg ausgelegt und schaffen ein Gleichgewicht zwischen Dynamik, Qualität, Bewertung und risikobewussten Merkmalen, anstatt darauf zu setzen, dass ein einzelner Faktor in jedem Marktumfeld die Führung übernimmt.
Das Universum der ETFs wächst weiter – mittlerweile gibt es mehr als 4.000 in den USA notierte Produkte. Die Herausforderung besteht nun weniger im Zugang als vielmehr in der Ausrichtung. Der Unterschied liegt oft nicht darin, ein neuartiges Produkt zu finden, sondern ein Portfolio mit klarer Zielsetzung aufzubauen und mit Disziplin den Kurs zu halten. Aus unserer Sicht stellen indexbasierte Strategien oft hervorragende Lösungen dar, die Transparenz mit klar definierten Regeln zur Erreichung festgelegter Ziele bieten.
Fußnoten
-
Quelle: Bloomberg, Stand: 26. Januar 2026.
-
Quelle: Ebd.
-
Quelle: Morningstar.
Wo liegen die Risiken?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden. Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung (Large Caps) können je nach Markt- und Wirtschaftslage bei den AnlegerInnen in Ungnade fallen. Die Risiken und die Volatilität bei Small-Cap- und Mid-Cap-Aktien sind größer als bei Large-Cap-Aktien.
Dividenden können schwanken und sind nicht garantiert, und ein Unternehmen kann seine Dividende jederzeit kürzen oder streichen.
ETFs werden wie Aktien gehandelt, schwanken im Marktwert und können zu Kursen über oder unter ihrem Nettoinventarwert gehandelt werden. Brokerprovisionen und ETF-Gebühren schmälern die Renditen. ETFs werden möglicherweise nicht unter allen Marktbedingungen prompt gehandelt und können in Zeiten von Marktstörungen zu erheblichen Abschlägen notieren.
Es kann nicht garantiert werden, dass eine Multi-Faktor-Titelauswahl die Wertentwicklung verbessert. Das Engagement in solchen Anlagefaktoren kann die Performance in bestimmten Marktumfeldern beeinträchtigen, möglicherweise über längere Zeiträume. Es kann nicht garantiert werden, dass die Titelauswahl anhand des Faktors Qualität und Dividendenscreenings des zugrunde liegenden Index die Wertentwicklung verbessern. Das Engagement in Anlagefaktoren und die Nutzung von Dividendenscreenings können die Wertentwicklung unter bestimmten Marktbedingungen beeinträchtigen, möglicherweise über längere Zeiträume.
Der Anlageverwalter kann ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) in den Research- oder Anlageprozess einbeziehen. ESG-Überlegungen sind jedoch nicht notwendigerweise ein ausschlaggebender Faktor bei der Titelauswahl. Darüber hinaus kann der Anlageverwalter unter Umständen nicht jede Anlage unter ESG-Aspekten prüfen, und möglicherweise wird nicht jeder ESG-Faktor identifiziert oder bewertet.
Internationale Anlagen sind mit besonderen Risiken verbunden. Hierzu gehören Währungsschwankungen sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die zu erhöhter Volatilität führen können. Diese Risiken sind in den Schwellenländern noch größer.
WF: 8609479
