AUTOREN

Dina Ting, CFA
Senior Vice President –
Head of Index Investments
Franklin Templeton Investment Solutions
Investieren in Schwellenländer – Chancen jenseits des breiten Marktindex
Die Schwellenländer starteten mit Rückenwind ins Jahr 2026 und konnten diese Dynamik bislang weitgehend behaupten. Bis Ende September erzielte der MSCI Emerging Markets Index seit Jahresbeginn eine Rendite von knapp 24 % und behauptete damit seinen deutlichen Vorsprung gegenüber US Aktien. Die Widerstandsfähigkeit dieser Anlageklasse ist bemerkenswert – insbesondere vor dem Hintergrund eines anspruchsvolleren Marktumfelds: Der Ölpreis stieg im September auf über 100 US Dollar je Barrel, die Renditen von US-Staatsanleihen zogen deutlich an, und der US-Dollar wertete auf, nachdem die US-Notenbank (Fed) ihren Zinserhöhungskurs wiederaufgenommen hatte. Trotz dieser Gegenwinde notierten Schwellenländeraktien weiterhin in der Nähe der jüngsten Höchststände.
Die Entwicklung auf Indexebene verdeckt jedoch erhebliche Unterschiede. So profitierten die technologieorientierten Märkte Ostasiens von der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur und dem Halbleiterzyklus, während Faktoren wie Rohstoffabhängigkeit, nationale Wirtschaftspolitik, Handelssensitivität und Reformprogramme in anderen Regionen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führten. Ähnliche Unterschiede zeigen sich auf Sektor und Unternehmensebene.
Aus unserer Sicht spricht diese zunehmende Differenzierung innerhalb der Schwellenländer dafür, ein breites Anlageuniversum beizubehalten und gleichzeitig bei der Auswahl und Gewichtung einzelner Wertpapiere gezielt vorzugehen.
MSCI Emerging Markets Index im Vergleich zum S&P 500 Index
Zeitraum: September 2023 bis September 2026

Quelle: Bloomberg Stand: 28.09.2026
Die Schwellenländer-Investmentthese wird auf die Probe gestellt
Im September 2026 wertete der US-Dollar vor dem Hintergrund neuer Inflationssorgen und einer Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) um 25 Basispunkte auf, gemeinsam mit den Renditen von US-Staatsanleihen. Gleichzeitig stieg der Brent Ölpreis auf über 100 USDollar je Barrel, was das Marktumfeld für ölimportierende Volkswirtschaften sowie zinssensitive Anlageklassen verschärfte.
Die Widerstandsfähigkeit der Schwellenländer ist umso bemerkenswerter, wenn diese mehr als nur eine zyklische Erholung widerspiegelt. Aus unserer Sicht wird das Anlageuniversum zunehmend durch langfristige strukturelle Faktoren geprägt: Die Schwellenländer nehmen Schlüsselrollen in den Bereichen KI-Hardware, moderne Fertigungstechnologien und globale Rohstofflieferketten ein. Gleichzeitig verbessern Reformen in der Unternehmensführung sowie glaubwürdigere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in einigen Märkten die Voraussetzungen dafür, dass wirtschaftliches Wachstum auch bei den Aktionärinnen und Aktionären ankommt. Diese Fortschritte verlaufen zwar nicht überall gleichmäßig, doch das Umfeld unterscheidet sich deutlich von dem der vergangenen Jahre.
Wichtig ist dabei, dass die Argumente für ein breites Engagement in Schwellenländern nicht davon ausgehen, dass sich alle Länder im Gleichschritt entwickeln. Im Gegenteil: Eine stärkere Differenzierung der Marktentwicklung kann ein attraktiveres Umfeld für die systematische Titelselektion schaffen. Ein regelbasierter Ansatz kann im breiten Schwellenländeruniversum ansetzen und gezielt Unternehmen mit attraktiven fundamentalen und risikobezogenen Eigenschaften übergewichten, anstatt die Portfoliogewichtung ausschließlich von der Marktkapitalisierung bestimmen zu lassen.
Eine Anlageklasse mit vielen heterogenen Märkten
Südkorea und Taiwan: Beide Länder zählen weiterhin zu den deutlichsten Beispielen dafür, wie strukturelle Themen innerhalb der Schwellenländer zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen führen können. Von dem weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur und der anhaltend hohen Nachfrage nach Halbleitern profitieren beide Märkte. In Südkorea kommt zudem die fortgesetzte politische Fokussierung auf bessere Corporate Governance und höhere Aktionärsrenditen hinzu. Gleichzeitig bringt die hohe Konzentration auf den Technologiesektor in beiden Märkten spezifische Risiken mit sich, die innerhalb einer breiten Schwellenländerallokation berücksichtigt und ausgeglichen werden müssen.
Indien und China: Indien steht für einen anderen Teil des Schwellenländeruniversums. Die langfristigen Wachstumsperspektiven sind weiterhin intakt, allerdings hat sich das Umfeld kurzfristig eingetrübt. Hohe Ölpreise und restriktivere globale Finanzierungsbedingungen belasteten zuletzt die Marktstimmung. China hingegen sollte nicht primär unter dem Gesichtspunkt einer allgemeinen Marktführerschaft betrachtet werden. Vielmehr stehen attraktive Bewertungen, politische Unterstützungsmaßnahmen und das Potenzial für eine Erholung des inländischen Vertrauens im Vordergrund.
Brasilien bringt wiederum eigene Einflussfaktoren mit: die Exponierung gegenüber Rohstoffen, einen binnenwirtschaftlichen Lockerungszyklus sowie die Aussicht auf mehr politische Klarheit im Vorfeld der Wahlen im Oktober. Diese Beispiele verdeutlichen, warum Schwellenländer nicht als einheitlicher Makro Trade betrachtet werden sollten. Unterschiedliche Märkte reagieren unterschiedlich auf dieselben globalen Einflussfaktoren, was sowohl Diversifikationspotenzial als auch Herausforderungen für die Portfoliokonstruktion schafft.
Die zunehmende Streuung innerhalb der Schwellenländer bedeutet jedoch nicht, dass Anlegerinnen und Anleger zwangsläufig gezielte Länderwetten eingehen müssen. Für viele Investorinnen und Investoren bleiben breit diversifizierte Anlagen in Schwellenländer ein praktikabler Weg, um am langfristigen Wachstumspotenzial dieser Anlageklasse zu partizipieren. Breite Diversifikation bedeutet jedoch nicht, dass ausschließlich die Marktkapitalisierung als Maßstab für die Portfoliozusammensetzung herangezogen werden muss.
Ein disziplinierter, regelbasierter MultifaktorAnsatz kann Unternehmen im gesamten Schwellenländeruniversum anhand einer Kombination aus Qualität, Value, Momentum und niedriger Volatilität bewerten. Qualität und Value bilden das fundamentale Gerüst, während Momentum und geringe Volatilität ergänzende Markt und Risikosignale liefern. Das Ziel besteht nicht darin, vorherzusagen, welches Land als Nächstes die Führung übernehmen wird. Vielmehr geht es darum, das Portfolio so auszurichten, dass es über verschiedene Marktphasen hinweg eine ausgewogenere und widerstandsfähigere Partizipation an den Chancen der Schwellenländer ermöglicht.
MSCI Emerging Markets Index vs. LibertyQ Emerging Markets Index

Stand: 31.08.2026
Quelle: Bloomberg. Fünfjahreszeitraum vom 31. August 2021 bis zum 31. August 2026. Die Renditen basieren auf Nettogesamtrenditeindizes. Die annualisierte Volatilität wurde auf Basis täglicher Renditen berechnet; der maximale Drawdown entspricht dem größten Rückgang vom Höchst zum Tiefststand innerhalb des betrachteten Zeitraums.
Die Risikokennzahlen unterstreichen zudem die Bedeutung der Umsetzung einer spezifischen Anlagestrategie. Im Fünfjahreszeitraum vom 31. August 2021 bis zum 31. August 2026 erzielte der LibertyQ EM Index eine annualisierte Rendite, die weitgehend mit jener des MSCI Emerging Markets Index vergleichbar war. Gleichzeitig wies der Index eine deutlich niedrigere annualisierte Volatilität sowie einen geringeren maximalen Drawdown auf.
Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Wertentwicklung in jedem einzelnen Marktumfeld gleichmäßiger verlief. Es verdeutlicht jedoch, wie ein Multifaktor Ansatz das Risikoprofil eines breit diversifizierten Engagements in Schwellenländern verändern kann, anstatt lediglich darauf zu setzen, welcher Markt künftig die Führungsrolle übernehmen wird.
Franklin EM Multi-Factor Equity UCITS ETF*

Quelle: Franklin Templeton per 05. Oktober 2026.
*Alle Franklin Templeton ETFs sind Teilfonds von Franklin Templeton ICAV, ein Instrument zur gemeinsamen Vermögensverwaltung, das nach irischem Recht gegründet wurde.
**Gesamtkostenquote (TER). Die Gebühren stellt der Fonds den Anlegern in Rechnung, um die Kosten für den Betrieb des Fonds abzudecken. Zusätzliche Kosten, einschließlich Transaktionsgebühren, fallen ebenfalls an. Diese Kosten werden vom Fonds abgezogen und beeinflussen die Gesamtrendite des Fonds. Die Fondsgebühren fallen in mehreren Währungen an, sodass die Zahlungen infolge von Wechselkursschwankungen unterschiedlich hoch sein können.
WICHTIGE RECHTLICHE INFORMATIONEN
ETFs werden wie Aktien gehandelt, schwanken im Marktwert und können zu Preisen oberhalb oder unterhalb ihres Nettoinventarwerts (Net Asset Value, NAV) gehandelt werden. Maklergebühren und ETF-Kosten mindern die Renditen. ETF-Anteile können den ganzen Tag über zu ihrem Marktpreis, nicht ihrem NAV, an der Börse gekauft oder verkauft werden, an der sie notiert sind. Anteile von ETFs sind auf Sekundärmärkten handelbar und können dort entweder mit einem Aufschlag oder einem Abschlag zu ihrem NAV gehandelt werden. Privatanleger kaufen und verkaufen ETF-Anteile zu Marktpreisen (nicht NAV) auf dem Sekundärmarkt während des gesamten Handelstags. Diese Anteile sind nicht einzeln direkt vom ETF zum Kauf oder zur Rücknahme verfügbar.
