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Infrastruktur nutzen wir jeden Tag, und im Idealfall merken wir es gar nicht. Erst wenn Brücken gesperrt sind, Züge wegen Bauarbeiten nicht fahren, der Strom ausfällt oder Straßen überflutet sind, wird uns bewusst, wie sehr wir auf sie angewiesen sind. Ohne intakte Verkehrsnetze, Kommunikationswege sowie die Ver- und Entsorgung für Wasser, Strom und Gas funktionieren weder die Wirtschaft noch der Alltag.

Für Anlegerinnen und Anleger kann Infrastruktur eine interessante Anlageklasse sein. Aufgrund ihrer teils monopolähnlichen Stellung und ihrer oft regulierten oder vertraglich gesicherten Entgelte können Infrastrukturbetreiber stabile Geschäftsmodelle mit langfristig planbaren Einnahmen haben. Infrastrukturwerte können deshalb weniger anfällig für Konjunkturschwankungen sein. Hinzu kommt ein gewisser Schutz vor Inflation, da die Betreiber steigende Kosten häufig ganz oder teilweise an ihre Kunden weitergeben können.

Neben dem Erhalt bestehender Infrastruktur entsteht zunehmend neuer Bedarf. Hierfür sind vier Entwicklungen maßgeblich: der Ausbau künstlicher Intelligenz, die Umstellung der Energieversorgung, die Anpassung an Klimafolgen und die Neuordnung globaler Lieferketten.

Rechenzentren und ihr Energiehunger

Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung, und die entsteht in Rechenzentren. Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta investieren deshalb gigantische Summen in deren Ausbau. PwC rechnet für 2026 weltweit mit Ausgaben von rund 800 Mrd. US-Dollar für Rechenzentren und die darin benötigte Technik. Bis 2050 könnten sich die Investitionen auf bis zu 31,6 Bio. US-Dollar summieren.

Rechenzentren benötigen große Mengen an Strom. Wie stark der Bedarf wächst, zeigt die aktuelle Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA): Weltweit verbrauchten Rechenzentren 2025 rund 485 Terawattstunden. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf etwa 950 Terawattstunden nahezu verdoppeln. Das entspräche ungefähr dem heutigen Stromverbrauch Japans. In den USA könnten Rechenzentren bis 2030 für etwa die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs verantwortlich sein.

Stromverbrauch von Rechenzentren, 2020–2035

Quelle: The International Energy Agency (IEA)
Stand: 16.04.2026

Welche Dimensionen einzelne Vorhaben erreichen könnten, zeigt das geplante Projekt Stratos im US-Bundesstaat Utah. Im vollständigen Ausbau soll der Rechenzentrumscampus eine elektrische Leistung von bis zu neun Gigawatt benötigen. Das wäre mehr als doppelt so viel wie die derzeitige durchschnittliche Stromlast Utahs von rund vier Gigawatt. Den Strom sollen vor Ort errichtete Gaskraftwerke liefern. Die Baukosten von Stratos sollen bei ungefähr 100 Mrd. US-Dollar liegen.

Infrastruktur für den Klimaschutz

Ebenfalls zu den größten Infrastrukturprojekten unserer Zeit zählt der Umbau des Energiesystems. Laut IEA werden 2026 weltweit rund 3,4 Bio. US-Dollar in den Energiesektor fließen, davon etwa 2,2 Bio. US-Dollar in erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft. Das ist fast doppelt so viel, wie in Öl, Gas und Kohle investiert wird.

Der Ausbau von Wind- und Solarenergie dient nicht nur dem Klimaschutz. Er kann auch die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen und deren Preisschwankungen verringern. Dafür reichen zusätzliche Windräder und Solaranlagen jedoch nicht aus: Der Strom muss Haushalte, Unternehmen und Rechenzentren erreichen und auch dann verfügbar sein, wenn Wind und Sonne nur wenig Energie liefern (sog. Dunkelflaute). Dafür sind neue Leitungen und Umspannwerke, modernisierte Netze, Speicher und eine intelligentere Steuerung nötig. Vielerorts hält der Netzausbau mit den neuen Anlagen und dem steigenden Strombedarf bislang jedoch nicht Schritt. Die Energiewende schafft deshalb Bedarf entlang einer ganzen Kette von Anlagen und Technik.

Zu den Profiteuren des steigenden Energiebedarfs gehören Netzbetreiber, Hersteller von Transformatoren, Kabeln und Speichertechnik sowie Bauunternehmen. Ihre Geschäftsmodelle unterscheiden sich allerdings deutlich. Während Netzbetreiber häufig regulierte Einnahmen erzielen, hängen die Erträge der anderen stärker von Aufträgen und den entsprechenden Kosten ab.

Schutz vor den Folgen des Klimawandels

Während der Klimaschutz darauf abzielt, die Erderwärmung zu bremsen, stellt die Klimaanpassung eine andere Frage: Wie können wir Menschen, Gebäude und Verkehrswege vor den bereits spürbaren Folgen schützen? Wie groß die möglichen Schäden ausfallen können, zeigt die Naturkatastrophenbilanz von Munich Re. Demnach entstanden 2025 weltweit Schäden von rund 224 Mrd. US-Dollar. 92 % der erfassten Gesamtschäden gingen dabei auf Wetterkatastrophen zurück.

Die teuersten Ereignisse waren die Waldbrände im Großraum Los Angeles mit Schäden von rund 53 Mrd. US-Dollar. Hurrikan Melissa verwüstete Teile der Karibik, darunter Jamaika. In Europa richteten unter anderem Hagelstürme in Frankreich, Österreich und Deutschland Schäden an. Spanien erlebte nach einem heißen und trockenen Sommer die schwersten Waldbrände seit vielen Jahren. Solche Ereignisse haben unterschiedliche Ursachen. Der Klimawandel kann jedoch die Wahrscheinlichkeit oder das Ausmaß bestimmter Wetterextreme erhöhen.

Klimaanpassung bedeutet deshalb mehr, als nur Deiche zu bauen. Städte benötigen Abwassersysteme, die größere Regenmengen aufnehmen können, sowie Flächen, auf denen Wasser versickern oder zurückgehalten werden kann. In trockenen Regionen wird eine zuverlässige Wasserversorgung immer wichtiger, ebenso wie ein sparsamerer Umgang mit Wasser. Gebäude, Straßen und Stromanlagen müssen so geplant oder nachgerüstet werden, dass sie Hitze, Stürmen oder Überflutungen besser standhalten können. Auch Frühwarnsysteme können dabei helfen, Schäden zu begrenzen.

Die Rückkehr der Fabriken

Jahrzehntelang galt die Globalisierung als Normalzustand: der Warenverkehr florierte, Seewege blieben offen, Energie war verfügbar und Produktion fand dort statt, wo es am günstigsten war. Die Pandemie, Kriege sowie geo- und wirtschaftspolitische Spannungen haben jedoch gezeigt, wie schnell Lieferungen ausfallen und wichtige Vorprodukte knapp werden können. Seither prüfen Unternehmen und Regierungen genauer, wie anfällig ihre Lieferketten sind und wie abhängig sie von bestimmten Ländern und Transportwegen sind. Die Frage, ob die Versorgung auch in einer Krise gesichert ist, gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Das führt jedoch nicht zwangsläufig zur Rückkehr ganzer Industrien ins Heimatland. Manche Unternehmen holen einzelne Produktionsschritte zurück. Andere errichten zusätzliche Werke in der Nähe ihrer Absatzmärkte oder in Ländern, zu denen stabile politische Beziehungen bestehen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Reshoring, Nearshoring und Friendshoring. Allen diesen Strategien ist gemeinsam, dass sie zu neuen Produktionskapazitäten führen.

Regierungen unterstützen den Aufbau strategisch wichtiger Kapazitäten. In den USA fördert der CHIPS and Science Act die Halbleiterindustrie. Mit dem European Chips Act soll die Chipproduktion in Europa gestärkt werden, und mit dem Critical Raw Materials Act will die EU unter anderem mehr Kapazitäten für die Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwertung wichtiger Rohstoffe schaffen. Ein konkretes Beispiel dafür ist der Bau der neuen Halbleiterfabrik der European Semiconductor Manufacturing Company in Dresden.

Grundversorgung und Wachstum im Portfolio

Die Beispiele zeigen, wie breit das Anlagethema inzwischen geworden ist. Das Prinzip bleibt jedoch gleich: Infrastrukturbetreiber stellen Leistungen bereit, die dauerhaft benötigt werden, sei es Strom, Wasser, Mobilität oder Datenverbindungen.

Das Wachstum wird teils von langfristigen Trends getragen. Der Strombedarf von KI, der Umbau des Energiesystems, die Anpassung an den Klimawandel und die Rückverlagerung von Produktion lösen Investitionen aus, die sich über Jahrzehnte erstrecken. So verbindet Infrastruktur den dauerhaften Bedarf an grundlegender Versorgung mit einigen der wichtigsten Zukunftsthemen.

Einheitlich defensiv ist die Anlageklasse dadurch allerdings nicht. Ein regulierter Netzbetreiber verhält sich anders als ein Ausrüster für Rechenzentren, dessen Aktie stark vom KI-Boom abhängt. Zusätzlich können beispielsweise steigende Zinsen, Regulierungsentscheidungen, höhere Baukosten, Projektverzögerungen, geopolitische Unruhen oder allgemein Turbulenzen an den Märkten die Ergebnisse und die Entwicklung der Unternehmen negativ beeinflussen.


Wichtige Hinweise

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