AUTOREN

Dr. Martin Lück
Kapitalmarktstratege
Franklin Templeton
Die Verknappung an Energie und anderen Rohstoffen, welche sich aus der Defacto-Schließung der Straße von Hormus und zahlreichen Schäden an Produktionsanlagen rings um den Golf ergibt, dürfte das globale Wachstum spürbar bremsen, vor allem in Asien und Europa. Gleichzeitig dürften die Inflationsraten steigen, weil Energie- und Nahrungsmittelpreise wohl über Monate erhöht sein werden. Die Inflationserwartungen übersetzen sich dann in höhere Kapitalmarktzinsen, was sich zum Teil schon bemerkbar macht. Damit ergibt sich für die Märkte ein stagflatorischer Impuls, also schwächeres Wachstum bei dennoch höherer Inflation.
Dieses Szenario ist für die meisten Portfolios besonders schädlich, weil diese zum größten Teil aus Aktien und Anleihen bestehen, die bei einer Stagflation gleichzeitig leiden. Ein derartiges Szenario haben Kapitalmarktteilnehmer zuletzt im Jahr 2022 erlebt, mit zum Teil gravierenden Folgen für die Performance.
Wie also können sich Investorinnen und Investoren vor den negativen Folgen einer Stagflation schützen? Welche Aspekte bezüglich Positionierung und Allokation sollten sie berücksichtigen?
Hier sind einige Ideen:
1. Asset Allokation im Spannungsfeld geopolitischer Risiken
- Die aktuelle geopolitische Lage erhöht die Unsicherheit an den Kapitalmärkten und unterstreicht die Bedeutung einer konsequent diversifizierten Asset Allokation.
- Eine starke Konzentration auf die USA birgt zunehmend politische, fiskalische und bewertungsseitige Risiken.
- Vor diesem Hintergrund erscheint eine schrittweise Reduktion des US-Gewichts sinnvoll.
- Gleichzeitig rücken Europa und Emerging Markets stärker in den Fokus: Europa profitiert von attraktiveren Bewertungen und strukturellen Reformimpulsen, während Emerging Markets langfristig von Demografie, Produktivitätsgewinnen und einer breiteren wirtschaftlichen Basis getragen werden.
2. US-Dollar und wachsende Attraktivität von Emerging Market Debt
- Der zunehmende Vertrauensverlust in den US-Dollar wirkt als struktureller Gegenwind für US-Dollar dominierte Anlagen.
- In diesem Umfeld gewinnt Emerging Market Debt an relativer Attraktivität.
- Viele EM-Länder verfügen heute über solide makroökonomische Fundamentaldaten, geringere Leistungsbilanzdefizite und verbesserte geldpolitische Glaubwürdigkeit.
- Sowohl Lokalwährungs- als auch selektiv Hartwährungsanleihen bieten attraktive Renditeaufschläge und tragen zur Diversifikation der Zins- und Währungsrisiken bei.
3. Effiziente Diversifikation über ETFs
- Die breite Streuung über verschiedene Emerging Market Länder ist einzentraler Erfolgsfaktor – und lässt sich effizient über ETFs umsetzen.
- ETFs ermöglichen einen kostengünstigen, transparenten und liquiden Zugang zu EM-Aktien und EM-Anleihemärkten.
- Damit lassen sich regionale, sektorale und währungsseitige Risiken gezielt steuern und Portfolios robust für ein zunehmend fragmentiertes globales Umfeld aufstellen.
