In der Nacht zum 28. Februar 2026 markierten Luftangriffe Israels und der USA auf den Iran eine neue Eskalationsstufe im Nahen Osten. Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf Ziele in Israel sowie auf US-Stützpunkte in der Region und setzte mit der Blockade der Straße von Hormus ein zentrales geopolitisches Druckmittel ein. Durch die Meerenge, über die täglich rund 19,5 Millionen Barrel Öl1 transportiert werden, etwa ein Fünftel des globalen Handels2, floss plötzlich kein Öl mehr. Zahlreiche Tanker saßen auf beiden Seiten fest. Gleichzeitig stellte Katar, der weltgrößte LNG-Exporteur, nach Drohnenangriffen auf seine Flüssiggasanlagen die Produktion ein. Die Folge war ein massiver Anstieg der Energiepreise. So stieg der Ölpreis von rund 70 auf zeitweise fast 120 US-Dollar je Barrel.
Sollte der Krieg länger andauern und der Iran die Energieproduktion sowie den Energietransit weiterhin behindern, könnten anhaltend hohe Energiepreise die Inflationserwartungen anheizen und das Wirtschaftswachstum bremsen.
So sehr der Iran-Krieg das aktuelle Geschehen in Politik und Weltwirtschaft auch prägt, für die künftige Entwicklung der Kapitalmärkte sind die makroökonomischen Rahmenbedingungen wichtig. Sie entscheiden letztlich darüber, in welchem Ausmaß sich solche Ereignisse auf Wachstum, Inflation und Zinsen auswirken.
USA zwischen Resilienz und neuen Inflationsrisiken
Trotz einer Flut pessimistischer Prognosen hat sich das Wachstum in den USA überraschend widerstandsfähig gezeigt. Zwar dürften steigende Energiekosten, die im Zusammenhang mit den eskalierenden Spannungen im Nahen Osten stehen, den Konsum dämpfen, sofern sie anhalten. Doch der bevorstehende fiskalische Impuls könnte einen Teil dieser Belastung ausgleichen. Unterdessen bleibt der von künstlicher Intelligenz (KI) getriebene Investitionszyklus intakt. Das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 ist jedoch mit einem gewissen Abwärtsrisiko behaftet. Das Risiko einer Rezession sollte zwar nicht außer Acht gelassen werden, bleibt aber ein Randrisiko. Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten von Franklin Templeton ist ein langsameres Wachstum der US-Wirtschaft wahrscheinlicher als eine Kontraktion, wobei die strukturelle Expansion weiterhin intakt bleibt.
Besonders deutlich wird die veränderte Lage am Zinsmarkt. Während viele Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer zu Beginn des Jahres noch mit weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Fed rechneten, hat sich das Bild im Zuge des Iran-Konflikts spürbar gewandelt. Der kräftige Anstieg der Ölpreise hat neue Inflationsrisiken geschaffen – insbesondere, wenn die Störungen des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus anhalten. Die neu aufkeimenden Inflationssorgen zeigten sich in Form eines erheblichen Ausverkaufs bei kurz- und langfristigen US-Staatsanleihen. Angesichts der Verschärfung des Konflikts haben die Märkte jegliche Zinssenkungen für dieses Jahr aus den Kursen ausgepreist.
Die Märkte haben Zinssenkungen für 2026 ausgepreist

Quellen: New York Fed, CME Group, Macrobond. Analyse von Franklin Templeton Fixed Income Research.
Stand: 23.03.2026.
Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Prognosen, Schätzungen oder Hochrechnungen als richtig erweisen.
Europa unter Druck, aber besser vorbereitet als 2022
Der Nahostkonflikt hat erneut einen Energieschock in den makroökonomischen Ausblick der Eurozone gebracht, wodurch die Inflationsrisiken steigen und das kurzfristige Wachstumsprofil geschwächt wird.
Im Vergleich zur Situation zu Beginn des Ukraine-Krieges ist Europa heute jedoch besser aufgestellt – wenn auch weiterhin verwundbar. Die Energieversorgung wurde in den vergangenen Jahren breiter diversifiziert, insbesondere durch deutlich gestiegene LNG-Importe. So entfallen inzwischen rund 25 % der Gasimporte auf Lieferungen aus den USA, während der Anteil Katars bei lediglich etwa 3,8 % liegt.3 Gleichzeitig hat der Anteil erneuerbarer Energien zugenommen, wenn auch regional unterschiedlich stark. Vor diesem Hintergrund erscheint das Risiko einer akuten Energieknappheit deutlich geringer als noch 2022. Dennoch bleibt die Eurozone anfällig – vor allem, wenn sich der Konflikt hinzieht und die Energiepreise dauerhaft auf einem erhöhten Niveau verharren.
Prognosen des realen BIP-Wachstums
Veränderung ggü. dem Vorquartal in Prozent, annualisierte Rate

Quellen: Eurostat, CAO, BEA, Macrobond. Analyse von Franklin Templeton Fixed Income Research.
Stand: 10.03.2026.
Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen als richtig erweisen werden.
Inflation kehrt zurück und belastet das Wachstum
Kurzfristig dürfte sich der Schock vor allem über die Inflation bemerkbar machen. Steigende Öl- und Gaspreise schlagen erfahrungsgemäß schnell auf Kraftstoffkosten sowie Gas- und Strompreise durch. Auch die Lebensmittelinflation könnte wieder anziehen, da höhere Energie- und Düngemittelkosten die Produktionskosten in der Landwirtschaft erhöhen. Die Expertinnen und Experten von Franklin Templeton rechnen mit einem Anstieg der Gesamtinflation innerhalb von drei Monaten in Richtung 3 %.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet mit einem deutlichen, wenn auch temporären Inflationsanstieg. In ihren Szenarien könnte die Teuerungsrate im dritten Quartal sogar den Bereich von 4 % erreichen. Die Kerninflation dürfte mit zeitlicher Verzögerung folgen, bevor sich beide Größen allmählich normalisieren. Gleichzeitig betont die EZB, gut auf einen solchen Schock vorbereitet zu sein. Eine Zinsanhebung um ca. 50 Basispunkte im Sommer/Frühherbst ist daher nicht auszuschließen.
Ähnlich wie in den USA erwarten die Expertinnen und Experten von Franklin Templeton auch hierzulande keine Rezession, aber ein schwächeres Wirtschaftswachstum. Höhere Energiepreise dürften die Realeinkommen der privaten Haushalte belasten und die für dieses Jahr erwartete Erholung des Konsums verzögern. Steigende Energiekosten könnten zudem verhindern, dass die Sparquote so schnell sinkt wie zuvor erwartet, insbesondere wenn die Unsicherheit weiterhin hoch bleibt. Für Unternehmen könnten ein erneuter Anstieg der Kosten und eine geringere Nachfrage die Investitionsabsichten dämpfen.
Dennoch gibt es mildernde Faktoren. Die deutsche fiskalische Expansion ist bereits im Gange und dürfte weiterhin die Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stützen. Darüber hinaus wurden während des letzten Energieschocks fiskalische Unterstützungsmaßnahmen im Umfang von 3 % bis 4 % des BIP (je nach Land) ergriffen, um besonders gefährdete Haushalte und energieintensive Unternehmen abzusichern. Vieles spricht dafür, dass im Bedarfsfall erneut ein vergleichbares fiskalisches Polster aufgebaut wird, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern.
Konsequenzen für die Asset-Allokation
Vor diesem Hintergrund spricht vieles dafür, die Asset-Allokation aktuell nicht zu offensiv, sondern bewusst ausgewogen zu gestalten. Trotz weiterhin teils solider Fundamentaldaten wird das Risiko derzeit stärker durch geopolitische Entwicklungen überlagert. In einem solchen Umfeld kann es sinnvoll sein, das Aktienrisiko nicht weiter auszubauen, sondern auf eine neutralere Positionierung zu achten.
Innerhalb der Aktienmärkte zeichnet sich dabei eine klare Verschiebung ab. In den vergangenen Jahren waren diese stark von wenigen, hoch bewerteten Wachstumswerten geprägt, die von der KI-Euphorie getragen wurden. Inzwischen mehren sich jedoch die Hinweise, dass die Erwartungen in diesem Segment sehr ambitioniert sind. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind die jüngsten Geschäftszahlen von NVIDIA: Der Aktienkurs des Unternehmens fiel um mehr als 5 %, obwohl der Umsatz im vierten Quartal stark angestiegen war und die Analystenschätzungen übertroffen wurden. Solche Reaktionen deuten darauf hin, dass nicht mehr allein das Wachstum zählt, sondern dass der Markt zunehmend hinterfragt, wie nachhaltig und profitabel dieses Wachstum tatsächlich ist. Damit wächst die Skepsis, ob sich die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz kurzfristig in entsprechende Erträge übersetzen lassen – auch vor dem Hintergrund zunehmenden Wettbewerbs und potenziell unter Druck geratender Margen.
Vorhersagen zur geopolitischen Lage sind schwierig und erfordern stets eine gewisse Vorsicht. Daher begrenzen wir den Tracking Error in unseren Portfolios und verringern das Aktienrisiko, bis mehr Klarheit herrscht.
Gleichzeitig rücken andere Marktsegmente stärker in den Fokus. Die Umsetzung der KI-Investitionen findet nicht nur in den Bereichen Software und Halbleiter, sondern vor allem in der realen Wirtschaft statt. Infrastruktur, Energieversorgung und industrielle Kapazitäten werden dabei zu zentralen Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Entsprechend profitieren Sektoren wie Industrie, Energie und Grundstoffe zunehmend von dieser Entwicklung. Diese Verschiebung spricht für eine Rotation hin zu value-orientierten Bereichen, die sowohl von der Dynamik der realen Wirtschaft als auch von vergleichsweise moderaten Bewertungen unterstützt wird.
Nicht minder wichtig ist eine diversifizierte regionale Allokation. Denn während die USA mit robusten Wachstumsdaten und stabilen Unternehmensgewinnen überzeugen, erscheinen die Erwartungen teilweise hoch. Dafür verbessern sich die Perspektiven in anderen Regionen. In Japan sorgen beispielsweise fiskalische Impulse, eine anziehende Industriekonjunktur und strukturelle Reformen für Rückenwind. In ausgewählten Schwellenländern steigen die Gewinnerwartungen ebenfalls, was durch Investitionen in Technologie und Infrastruktur unterstützt wird. Europa hingegen bleibt durch strukturelle Herausforderungen und höhere Energiekosten belastet, was eine selektivere Herangehensweise erfordert.
Auch im Anleihebereich ergibt sich ein gemischtes Bild. In den USA sprechen das robuste Wachstum und die hartnäckige Inflation gegen eine zu hohe Duration, da Zinssenkungen weniger wahrscheinlich geworden sind. Gleichzeitig können in anderen Regionen, in denen das Wachstum schwächer ist und geldpolitische Lockerungen wahrscheinlicher bleiben, steigende Renditen wieder attraktivere Einstiegsmöglichkeiten bieten. Insgesamt spricht dies für eine gezielte Steuerung der Duration und eine regionale Differenzierung.
Fazit:
Die Asset-Allokation sollte aktuell weniger von starken Überzeugungen zu Einzelthemen geprägt sein, sondern stärker von einer bewussten Risikosteuerung und breiter Diversifikation. Es kommt nicht darauf an, auf ein einzelnes Szenario zu setzen, sondern das Portfolio so auszurichten, dass es in unterschiedlichen Marktphasen bestehen kann. Idealerweise werden dabei strukturelle Wachstumstreiber berücksichtigt und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen und makroökonomischen Schocks erhöht.
Quellen:
- Quelle: ZDF heute (https://www.zdfheute.de/wirtschaft/ iran-krieg-folgen-wirtschaft-100.html)
- Quelle: euro news
(https://de.euronews.com/busi- ness/2026/03/17/iran-krieg-europas-unternehmens- gewinner-und-verlierer-im-uberblick) - Quelle: Rat der europäischen Union, Stand: 17.03.2026
