AUTOREN

Dr. Martin Lück
Kapitalmarktstratege
Franklin Templeton
Verbreiterung der Renditequellen:
Seit der Finanzkrise dominierten US-Anlagen die globalen Renditen – ein „US- Exzeptionalismus“, getragen von hoher Rentabilität, Liquidität und Innovationskraft. Die USA bleiben attraktiv, doch das Umfeld verändert sich:
- Neue Chancen entstehen in Regionen und Sektoren mit bisher schwacher Performance, unterstützt durch globale geldpolitische Lockerung.
- US-Markt:
Small Caps, Industrie und Finanzwerte profitieren von sinkenden Zinsen und steilerer Renditekurve. - Außerhalb der USA:
Schwellenländer erwarten Gewinnwachstum auf US-Niveau, getrieben von Zinssenkungen und fiskalischen Impulsen. Europa könnte 2026 einen Aufschwung erleben. - Anleihen:
Umschichtungen von Cash in Anleihen (Staats-, Unternehmens-, EM-Bonds) sind wahrscheinlich. Lokalwährungsanleihen in Emerging Markets gewinnen durch Dollar-Schwäche und sinkende Absicherungskosten. - Diversifizierung:
Zyklischer Aufschwung außerhalb der USA bietet Kontrast zu möglicher US-Abschwächung.
Steilere Renditekurven:
Die Fed senkte im Herbst erstmals wieder die Zinsen und dürfte bis Mitte 2026 weiter lockern. EZB und EM-Zentralbanken folgen.
- Folge:
Kurzfristzinsen sinken, Langfristzinsen bleiben hoch → steilere Kurven. - Treiber:
Hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und steigende Staatsverschuldung weltweit. - Implikationen:
- Risiko: Sinkende Barrenditen erhöhen Reinvestitionsrisiko.
- Chancen: Höhere Realzinsen bei längeren Laufzeiten und Unternehmensanleihen.
- Gewinner: Industrie, Finanzwerte, Small Caps sowie alternative Anlagen (Private Credit, Real Estate). Steilere Kurven gelten als Wachstumsindikator und stützen die Verbreiterungsthese.
Abschwächung des US-Dollars:
Der handelsgewichtete Dollar verlor seit Jahresbeginn rund 10 %. Gründe: Fed- Zinssenkungen, Kapitalströme in Nicht-US-Anlagen.
- Effekte:
- EM-Anleihen und -Aktien profitieren, Währungsaufwertung senkt Inflation und schafft Spielraum für weitere Zinssenkungen.
- Für Euro-, GBP- und Yen-Anleger sinken Hedging-Kosten.
- Rohstoffe (Gold, Edelmetalle) und digitale Assets gewinnen, Öl bleibt wegen Angebotsüberhang schwach.
- Ein schwächerer Dollar verstärkt die globale Renditeausweitung.
10 Jahres-Kapitalmarkterwartungen, annualisiert in %

Quelle: Franklin Templeton Investment Solutions.
Stand: 31.10.2025.
Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen als richtig erweisen werden.
Langfristiger Ausblick: Drei strukturelle Trends
Über das Jahr 2026 hinaus sehen wir drei globale Trends mit dem Potenzial, ökonomische, gesellschaftliche und markttechnische Strukturen zu verändern.
Dies sind:
Das Zeitalter der KI:
KI steht erst am Anfang ihres wirtschaftlichen Einflusses.
- Chancen:
Ausbau von Rechenzentren, Chips, Energieinfrastruktur („Feed the Beast“). Spill- over-Effekte auf Rohstoffe, Ingenieurwesen und Grundstoffe. - Produktivität:
Potenzial besonders in Sektoren mit niedriger Effizienz (Gesundheit, Bildung, öffentliche Dienste). - Risiko:
Umsetzung hängt von Anpassungsbereitschaft ab, nicht nur von Technologie.
Private Markets werden Mainstream:
Private Equity, Private Credit und andere Alternativen öffnen sich für breitere An- legergruppen.
- Treiber:
Neue Fondsstrukturen, Regulierung, Technologie. - Implikation:Zugang zu höheren Renditen und Diversifikation, aber sinkende Durchschnittsrenditen bei wachsendem Kapitalzufluss. First-Mover-Vorteile entscheidend.
Big Government:
Die Ära der Deregulierung ist vorbei. Der Staat spielt wieder überall mit.
- Merkmale:
Deglobalisierung, wachsende Haushaltsdefizite, Industriepolitik. - Folgen:
- Höhere Realzinsen durch Konkurrenz von Staat und Privatsektor um Kapital.
- Risikoaufschläge bei Staatsanleihen, mögliche finanzielle Repression.
- Industriepolitik kann Kapitalallokation verzerren und Renditen senken. - Strategie:
Risikominderung durch Diversifikation, Edelmetalle, digitale Assets.
Unseren vollständigen Ausblick für das Jahr 2026 erhalten Sie hier:
Fazit
2026 wird geprägt von breiterer Renditebasis, steileren Zinskurven und einem schwächeren Dollar. Langfristig verändern KI, die Öffnung der Private Markets und die Rückkehr des Staates die Investmentlandschaft. Anleger sollten auf Diversifikation, alternative Anlagen und strukturelle Trends setzen, um Chancen zu nutzen und Risiken abzufedern.
