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Trotz anfänglich schwieriger Rahmenbedingungen – etwa steigender globaler Handelsspannungen nach den US-Zollankündigungen zum sogenannten „Liberation Day“ – erwiesen sich zahlreiche Schwellenländer als widerstandsfähiger als erwartet. In der Folge zogen die Aktienmärkte mehrerer aufstrebender Volkswirtschaften deutlich an, und das Interesse der Investorinnen und Investoren kehrte zurück. Vieles spricht dafür, dass sich diese Entwicklung auch 2026 fortsetzen könnte.

Rückenwind dank stärkerem Wachstum

Ein zentrales Argument für Emerging Markets (EM) bleibt das strukturell höhere Wirtschaftswachstum. Der Internationale Währungsfonds erwartet in seinem World Economic Outlook (Oktober 2025) für 2026 in Asien – je nach Region – ein BIP- Wachstum zwischen 3,8 % und 4,7 %. Für Lateinamerika wird ein Wachstum von rund 2,3 % prognostiziert. Zum Vergleich: In Europa soll die Wirtschaftsleistung lediglich um etwa 1,1 % zulegen, in den USA um rund 2,1 %.1

Dieses höhere Wirtschaftswachstum hat zum Entstehen einer größeren Mittelschicht beigetragen, was sich in einem höheren Konsum- und Sparniveau niederschlägt. Dadurch sind die Schwellenländer weniger anfällig für die Handelsdynamik der Industrieländer.2

Höheres Wirtschaftswachstum führt zwar nicht automatisch zu überdurchschnittlichen Aktienrenditen, erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmensumsätze und -gewinne insgesamt stärker zulegen als in vielen reifen Industrieländern. Für Anlegerinnen und Anleger könnte das relevant sein, da sich langfristige Renditen normalerweise vor allem aus Gewinnwachstum und Bewertung zusammensetzen. Ist das Gewinnwachstumspotenzial in Emerging Markets relativ höher als in den Industrieländern, kann dies – insbesondere bei angemessenen Einstiegspreisen – eine attraktive Grundlage für die kommenden Jahre bilden.

US-Dollar-Schwäche positiv für EM-Aktien

EM-Aktien profitieren in der Regel von einem stabilen oder abwertenden US-Dollar. Dies hat niedrigere Schuldendienstkosten in US-Dollar, Rückenwind für Rohstoffexporteure und eine erhöhte Flexibilität der Geldpolitik zur Folge, wodurch Zinssenkungen und Wirtschaftswachstum begünstigt werden können. Das Jahr 2025 war von Phasen eines schwachen US-Dollars geprägt. So berichtet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beispielsweise, dass der USsince-Dollar nach einem Mehrjahrzehntehoch zu Jahresbeginn gegenüber einem Korb von Schwellenländerwährungen bis September um rund 5 % nachgegeben hat.3 Diese Entwicklung lockerte die finanziellen Rahmenbedingungen spürbar und wirkte sich unterstützend auf EM-Aktien aus.

Auswirkungen des US-Dollars auf die Aktienperformance seit 1974

Ein schwacher Dollar könnte ein gutes Zeichen für Aktien aus Schwellenländern sein.

Quellen: FactSet, S&P, MSCI. Stand: 30.09 2025.
MSCI EAFE und MSCI EM sind Nettorenditen; die Daten für MSCI EM beginnen im Jahr 2001. Indizes werden nicht aktiv gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt.
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.

Vieles spricht dafür, dass dieses für Schwellenländeraktien günstige Dollar-Umfeld auch im Jahr 2026 anhalten könnte. Es wird erwartet, dass die US-Notenbank ihre Zinssenkungen fortsetzt. Dies würde das Umfeld für Aktien aus Schwellenländern noch günstiger machen und mehr ausländisches Kapital anziehen. Die Anlageexpertinnen und -experten von Franklin Templeton sehen diesen Prozess noch in einer frühen Phase und erwarten in den kommenden Jahren zunehmende ausländische Investitionen in Aktien aus Schwellenländern.4

Die weltweit führenden Halbleiterhersteller haben ihren Sitz in Asien, ebenso wie der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen nach Stückzahlen.

Nicht nur die USA können Hightech

Während die USA für viele Anleger nach wie vor der erste Ort für Technologieinvestitionen sind, bieten auch Schwellenländer Zugang zu einer wachsenden Zahl von Weltklasseunternehmen mit innovativen Technologien. Zahlreiche dieser Unternehmen profitieren von steigenden Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie vom gezielten Aufbau geistigen Eigentums. Besonders stark positioniert sind sie in Schlüsselbereichen der globalen Technologie-Lieferketten, insbesondere bei Hardware-Komponenten. Der zunehmende Ruf der Schwellenländer als Innovationsstandort wurde 2025 zusätzlich gestärkt – unter anderem durch die Einführung des chinesischen Chatbots DeepSeek, der international Aufmerksamkeit erregte und die Fortschritte Chinas im Bereich der künstlichen Intelligenz verdeutlichte.

Die Technologieinvestitionen in Emerging Markets beschränken sich dabei nicht auf einzelne Branchen. Chancen ergeben sich unter anderem in der industriellen Automatisierung, im E-Commerce, in der Fintech-Industrie sowie in Technologien, die den stark steigenden globalen Strombedarf adressieren. Die fortschreitende Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie sowie der wachsende Energiebedarf von KI-Rechenzentren erhöhen den Investitionsdruck auf bestehende Stromnetze. Da viele Netzinfrastrukturen dafür nicht ausreichend ausgelegt sind, gewinnen Investitionen in kritische Energie- und Netzkomponenten zunehmend an Bedeutung – ein Feld, in dem auch Unternehmen aus Schwellenländern eine wichtige Rolle spielen.

Mit Blick auf das Jahr 2026 wird der US-Technologiesektor derzeit mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31 gehandelt, was vielen Marktteilnehmerinnen und -teilnehmern Anlass zur Sorge gibt. Dies steht in starkem Kontrast zu den Technologieaktien aus Schwellenländern, die nur mit einem KGV von 18 gehandelt werden. Für diese Technologieaktien aus Schwellenländern werden in den nächsten drei Jahren Gewinne prognostiziert, die diejenigen ihrer US-Pendants übertreffen dürften.5

Schwellenländer sind attraktiv bewertet und werden im Vergleich zu den entwickelten Märkten mit einem Abschlag gehandelt.

Arbeitskosten und Rohstoffe als Wettbewerbsvorteil

Neben ihrer zunehmenden Bedeutung als Innovations- und Technologiestandorte sind die Schwellenländer auch ein tragender Bestandteil der globalen industriellen Wertschöpfung. Insbesondere in der Fertigung und bei strategisch wichtigen Vorprodukten wirken strukturelle Faktoren, die weitgehend unabhängig von kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen bestehen. Dazu zählen vor allem die im internationalen Vergleich weiterhin deutlich niedrigeren Arbeitskosten. Selbst nach Berücksichtigung der neuen US-Zölle liegen die Lohnkosten in vielen Schwellenländern um ein Vielfaches unter dem Niveau der Industrieländer. So liegen die Arbeitskosten beispielsweise in Kenia selbst unter Einbezug der Zollwirkungen noch rund zwanzigmal niedriger als in den USA.6

Mittlere Einkommen nach Land im Verhältnis zum mittleren Einkommen in den USA

Arbeitskosten in Schwellenländern bleiben ein Bruchteil der Kosten in Industrieländern.

Quellen: Center for Global Development,
Franklin Templeton Fixed Income Research.
Stand: April 2025

Wie stark sich dieses Kostengefälle auswirkt, zeigt die Textilindustrie. So kostet die Produktion eines Meters fertigen Webstoffs in Indien durchschnittlich 1,11 US-Dollar, in Italien liegen die entsprechenden Kosten rund 72 % höher. Solche Unterschiede verdeutlichen, warum viele Fertigungsprozesse auch künftig eher in Schwellenländern angesiedelt bleiben dürften. Selbst in der Hightech-Industrie ist eine kosteneffiziente Massenproduktion ohne die sogenannten Emerging Markets kaum vorstellbar: Der Aufbau einer vollständigen iPhone-Lieferkette in den USA würde den Gerätepreis Schätzungen zufolge auf etwa 3.500 US-Dollar treiben.7

Hinzu kommt die starke Konzentration wichtiger Rohstoffe in Schwellenländern. Seltene Erden, Lithium, Kobalt oder Kupfer werden überwiegend in Ländern wie China, Chile, der Demokratischen Republik Kongo oder Peru gefördert. Diese geografische Bündelung unterstreicht die strategische Bedeutung der Schwellenländer für globale Industrie- und Technologielieferketten und macht deutlich, dass eine umfassende Verlagerung der Produktion in Industrieländer wirtschaftlich nur begrenzt realistisch ist.

Emerging Markets werden geld- und fiskalpolitisch erwachsen

Ein weiterer, oft unterschätzter Trend ist die zunehmende geld- und fiskalpolitische Glaubwürdigkeit vieler Schwellenländer. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche EM-Zentralbanken ihre institutionelle Unabhängigkeit gestärkt, Inflationsziele klarer verankert und frühzeitig auf Preissteigerungen reagiert. Auch auf fiskalischer Seite wurden Haushaltsregeln verschärft, Defizite reduziert und Schuldenstrukturen optimiert. In seinem World Economic Outlook hebt der Internationale Währungsfonds die Resilienz der Emerging Markets hervor und betont, dass diese verbesserten geld- und fiskalpolitischen Rahmenwerke die Fähigkeit vieler Länder erhöhen, sogenannte Risk-off-Phasen besser abzufedern.8

Diese Entwicklung ist jedoch kein Freifahrtschein und gilt nicht für alle Schwellenländer gleichermaßen: Emerging Markets bleiben volatil. In einem Umfeld, in dem globale Schocks schneller und häufiger auftreten, kann die gewachsene institutionelle Stabilität allerdings ein Faktor sein, der diese Anlageklasse nachhaltig aufwertet.

Fazit:

Anlagen in Emerging Markets ermöglichen den Zugang zu Volkswirtschaften, die in vielen Fällen höhere Wachstumsraten aufweisen als die meisten Industrieländer und von langfristigen strukturellen Trends profitieren. Dazu zählen unter anderem eine wachsende Mittelschicht, günstige demografische Entwicklungen, ein zunehmend bedeutender Technologiesektor, vergleichsweise niedrige Arbeitskosten, der Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen sowie in Teilen eine gestärkte geld- und fiskalpolitische Glaubwürdigkeit.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die langfristigen Perspektiven der Anlageklasse grundsätzlich konstruktiv. Gleichzeitig bleiben Investments in Emerging Markets mit erhöhten Risiken verbunden, etwa durch politische und regulatorische Unsicherheiten, Währungsschwankungen und eine teils hohe Marktvolatilität. Ein Engagement erfordert daher eine sorgfältige Länder- und Titelselektion sowie eine angemessene Einbettung in die individuelle Anlagestrategie. Für Anlegerinnen und Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont und einer entsprechenden Risikobereitschaft können Emerging Markets einen diversifizierenden Baustein im Portfolio darstellen.



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